In den meisten Literaturforen wird unsicheren und neuen Autoren eingeimpft, dass Um & Auf des Schreibens ließe sich auf die Aussage: show, don´t tell eindampfen. Zeigen, nicht erzählen. Szenisch statt narrativ.
Das führt so weit, dass an an und für sich gut geschrieben Texten herumgemäkelt wird, in ihnen sei zuviel tell und zuwenig show. Dass show don´t tell ein ebenso bescheuertes Dogma ist wie die plakative Verachtung von Veröffentlichungen, die nicht in herkömmlichen Verlagen stattfinden, liegt, wenn man Abstand wahrt, auf der Hand. Es ist Dogmen zueigen, dumm und stumpfsinnig zu sein. Ich werde hier keinen Stab brechen für Publikationen, für die der Autor bezahlte oder die er in Eigenregie über eine der unzähligen Publikationsplattformen selbst vornahm. Aber ich spreize mich ganz gehörig gegen Show don´t tell.
Aus mehreren Gründen: Würde ein Dogma von allen angenommen, gäbe es nur noch eine Form des Erzählens in der Literatur und alles Überraschende, Eigenwillige und Neue wäre begraben. Die Einhaltung eines bestimmten Erzählmodus macht ein Werk vielleicht übersichtlicher, aber auch ganz gewiss langweiliger. Show don´t tell ist mühsam – für den Leser, der ein Buch liest um zu imaginieren und nicht, wie in einem Kino, zu den visuellen Informationen und dem Dialog vermittels Filmmusik vorgeschrieben bekommt, wie er eine Szene einzuordnen hat. Kurz: show don´t tell ist langweilig – wenn es in einem Werk durchgängig eingesetzt wird.
Gerade der Wechsel zwischen Erzählen, Berichten und Zeigen, ungebunden von Erzählzeit, Perspektive und Position des virtuellen Erzählers, macht aus einem reinen Ereignisablauf ein literarisches Werk. Das Eigentliche bleibt ungesagt, wird aber so deutlich, dass man den Kern des Eigentlich erahnt, so wie man aus dem Nichtgesagten in einem Gespräch Schlüsse ziehen kann.
Die Entscheidung, um die man sich drückt, wenn man sich rein auf show don´t tell verlässt, ist die Entscheidung, wann es notwendig ist für das bessere Verständnis des Erzählten, zu zeigen. Und wann es besser ist, darüber zu erzählen.
Darum, liebe Schriftsteller, lasst Euch von den Literaturforenweisen nicht ins Boxhorn jagen und show don´t tell als alleinseligmachende Lösung weismachen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen, viele davon sind erfasst und im Kanon der Stiltechniken und literarischen Methoden eingebettet. Alles ist erlaubt, wenn es zum besseren Verständnis dient, originell ist und schlicht und einfach funktioniert.
Vergessen wir nie Mario Vargas Llosas weise Worte: Ein Roman ist gut erzählt, wenn das Was mit dem Wie untrennbar verbunden ist.