Vor vielen Jahren las ich den Roman The Western Lands von W.S.Burroughs, und ganz abgesehen davon, dass der Roman ziemlich verrückt ist und durchwegs homoerotisch, gibt es darin auch ein Kapitel, in dem Burroughs die Modesucht der Großstadtmenschen in den Fünfzigern und Sechzigern aufs Korn nimmt. Nicht, dass sich viel geändert hätte seit dem der Roman erschien, aber die ironische Überzeichnung in diesem Kapitel in Western Lands lässt mich an iPhones denken.
In Western Lands kommt der Reisende mit seinem Begleiter Neferti in eine Stadt, vermutlich meint er Tanger, in der Mode alles ist. Man könnte sagen, dass die Menschen dort it nichts anderem beschäftigt sind, als den Modeströmungen zu folgen und in ununterbrochener Angst und Verzweiflung leben, denn das, was man heute als hochmodisch kauft, ist zwei Stunden später schon wieder Schnee von gestern, altbacken und peinlich. Ununterbrochen beobachten die Bewohner der Stadt nicht nur die Modeströme und Präsentationen, sondern auch mit Argusaugen die Modeverfehlungen von Freunden und Nachbarn. Man kann sch dem ununterbrochenen Druck nicht entziehen, wenn man nicht gesellschaftlich geächtet werden will, und so sind die Bewohner der namenlosen Stadt schizoid, permanent selbstmordgefährdet und besessen von Mode.
Und das lässt mich wirklich an iPhones denken. Die Smartphones von Apple waren für mich früher nie ein Thema. Als ich noch bei UPC arbeitete, beantragte ich mal in Wien ein iPhone 4, weil das meine Kollegen in Amsterdam auch hatten, und wurde brüsk abserviert. Das iPhone 4 steht nur leitenden Managern zu. Dafür bekam ich ein Samsung Galaxy S III. Erst bei der Erstegroup IT bekam ich ein iPhone 5s und war damit zufrieden, und weil ich zufrieden war, interessierte ich mich auch für das Drumherum, las Berichte über Apps und auch all den Gerüchtequatsch, den sich Leute so antun, um die Zeit zwischen den Versionsreleases zu überstehen. Im Dezember bekam ich ein iPhone 7, und weil ich von dem Smartphone doch begeistert war, las ich noch ein wenig mehr über all das Lifestyle-Zeugs rund um die Burschen und Mädels in Cupertino. Was mich an Burroughs und seine Western Lands denken ließ war die Werbestrategie von Apple. Ich bin davon überzeugt, dass die Releaseleaks durchaus gesteuert sind und kein Zufall, ich glaube, dass die Brodelei in der Gerüchteküche über Apple Produkte durchaus gewollt und unterstützt wird, um die “Gier” der Leute auf Appleprodukte am Köcheln zu halten. Doch das bewirkt burroughs´sche Dauerunzufriedenheit: Wenn man nicht gerade so wie ich ein iPhone als Diensthandy kriegt sondern kaufen muss, wie muss man sich da fühlen, wenn man vor dem Applestore kampierte, um einer der Ersten zu sein, um das neueste iPhone zu kriegen, also in diesem Fall das iPhone 7, und wenn man nach Hause kommt und das berühmte Unboxing zelebriert, schreiben sich die ersten Blogger schon wieder die Finger wund, was für ein Wunderding das iPhone 8 erst werden wird. Wie fühlt man sich da? Grad was-weiß-ich, 700, 800 oder gar 900 € für ein iPhone ausgegeben, weil das ja auch irgendwie Lifestyle ist, ein Identifikationsfaktor und alles, und dann reden die Leute schon wieder vom nächsten iPhone? Ich käme mir verarscht vor. Und zwar von oben bis unten.