Evernote Produktivität

Evernote ist mein wichtigster Zettelkasten, könnte man sagen. Ich mag das Tool, ich mag sein Design, es ist wie ein kleines Büro, in dem ich mich wohlfühle. Die Nutzbarkeit erstreckt sich über mehrere Geräte (Handy, Laptop, Tablet), ich kann damit Informationen von Webseiten speichern und Rechnungen und Lizenzen an einem Ort speichern. Tatsächlich habe ich zB meine Jahreskarte und den Personalausweis als PDF eingescannt und in Evernote abgelegt.

Evernote hat inzwischen eine recht große Community, die in Diskusionsforen bei Evernote selbst und auf Facebook aktiv ist und es entsteht zur Zeit auch so etwas wie eine Gemeinschaft der Evernote-Evangelisten. Dass sind Leute, die über diverse Online-Kurse im Umgang mit Evernote geschult werden, um dann mit diesem Wissen ihre Mitmenschen für Evernote zu begeistern. Ich habe den ersten Kurs abgelegt und die Evernote-Foundation Prüfung bestanden, weiche aber jetzt ein wenig irritert von den Communityaktivitäten zurük, weil sie mir inzwischen zu sektenhaft erscheinen. Der Nutzen einer Software, die Anwendung eines Programms sollte keine Glaubensfrage sein. Und auch nicht eine Frage der Produktivität, sondern allein eine Frage der Effektivität.

Für die meisten Evernote-User und Influencer scheint der Begriff Produktivität über allem zu stehen: Sei produktiv! Evernote unterstützt Deine Produktivität!

Für mich ist das der falsche Ansatz. Als ich bei UPC arbeitete, konnte ich jahrelang die Tätigkeiten einer Consulting-Firma beobachten, und leck mich am Arsch, waren die produktiv. Was die an hundertseitigen Powerpointpräsentationen rausjubelten, war nicht schlecht. Sie waren produktiv, sie produzierten wahnsinnig viel Schall & Rauch. 

Evernote führt mich nicht dazu, produktiver zu sein, das könnte nur ich selbst, wenn ich einen Sinn darin säe, produktiv zu sein. Nein, Produktivität ist es nicht, was ich mir von Evernote erwarte, es soll mich nicht darin unterstützen, produktiv zu sein, sondern effektiv. Und das ist ein großer Unterschied. Das klappt überraschend gut. Das Begriffsbiotop um das Wort Produktivität beinhaltet auch ein dauernd beschäftigt sein, ein Herumtun und werkeln, die eigene Leistungsfähigkeit an der Produktivität zu messen und nicht am Output. Evernote ist kein magisches Haus, kein aus Bits & Bytes geborenes Wunder. Es ist ein Werkzeug, und es soll nicht mehr tun können, als mich dabei zu unterstützen, meine Aufgaben so effektiv wie nur irgend möglich zu erledigen. Eine Gefahr, die von solchen wohldesigneten Tools wie Evernote ausgeht ist, dass man sich Aufgaben und Beschäftigungen erfindet, um öfter und mehr mit dem fancy Tool zu arbeiten. Ich schätze, dafür gibt es ein Fachwort, aber ich kenne es nicht.

Also: Löst Euch vom Begriff Produktivität, wenn es um die Nutzung von Softwarelösungen geht, ud wendet Euch lieber dem Oberbegriff Effektivität zu. Vielleicht unterstützt dieses Umdenken Euch dabei, das Tool Eurer Wahl neu einzuordnen.