Die Hand aus dem Gewitterhimmel

Gestern schrieb ich eine Szene, in der ich Rafael Kaminer (oder eine Version aus einer anderen Realität) in die Handlung meines neuen Romans einführte. Die französische Student aus Israel, der schon in meinem Roman Fluchtgemälde eine wichtige Hauptnebenrolle spielte (gibts das überhaupt?), verbringt seinen Sommer auf Gran Canaria, als alles … in Bewegung gerät. Während ich die Szene schrieb, stellte ich fest, dass ich allein schon durch den episodenhaften Anfang zu viele Personen eingeführt habe, die alle aufgrund der Art, wie sie dargestellt werden, für die weitere Handlung von Bedeutung sein könnten. Es ist eine alte Weisheit in der Schriftstellerei: Man erwähnt nicht auf Seite sowieso ein Messer, wenn es nicht irgendwann später bedeutsam wird. Und man führt keine Figuren ein, die nicht relevant für die Geschichte sind. Tut man nicht.

Doch die Einführung von Figuren muss nicht per se später handlungsrelevant sein sondern sie kann durchaus einfach auch nur dazu dienen, um das Setting zu umreißen. Aber was macht man dann mit ihnen, wenn das Setting steht und die Stimmung aufgebaut ist? Ich habe jetzt zu viele Personen in der Geschichte und ich fange grad erst an, zu erzählen. Jedenfalls ging ich dann kurz vor den Abendnachrichten aufs Klo und da kommen mir ja immer die besten Ideen, ne? Du musst die Leute einfach umbringen, so schaut´s aus. Da habe ich mindestens vier Charaktere, die später nicht mehr benötigt werden – da trifft es sich gut, dass im Zuge der Geschichte ein Mob über die Insel zieht um die Schuldigen an der ganzen Misere aufzuspüren und nicht davor zurückschreckt, Menschen einfach abzumurksen, allein schon wenn sie in Verdacht geraten. Bei dem Gedanken fühlte ich mich wie ein herzloser Affenarsch, aber ich meine, das könnte funktionieren! Ich bin den erzählerischen Ballast los und gleichzeitig kann ich dem Leser vermitteln, dass die große Gefahr nicht von der absurden Situation ausgeht, in der sich die Kanaren befinden, zumindest nicht unmittelbar, sondern dass wieder einmal der Mensch selbst zu seinem größten Feind wird.

Und dann fiel mir noch eine ganz besonders fiese Art ein, wie ich einige von ihnen sterben lassen kann. Das wird beim schreiben zwiebeln … und hoffentlich auch beim lesen.