Ich weiß es nicht genau, gehe aber davon aus, dass sich Schriftsteller früher, wenn sie sich in Cafés trafen oder in der Stadt spazierten, am Seeufer saßen und die Gedanken fliegen ließen, nicht darüber gesprochen haben, welche Feder sie benutzen, oder welches Papier besonders fein ist. Auch nicht über Schreibmaschinen „Du, der Hemingway schreibt auf einer Royal Quiet de Luxe!“. „Na, kein Wunder, dass der so tolle kurze Sätze baut!“

Vielleicht haben sie sich über Methoden unterhalten, wie sie ihre Arbeit am Roman organisieren. Werden Notizzettel benutzt, wenn ja, wie? Klemmt man ein Kapitel einfach in ein zusammengefaltetes Blatt und schreibt eine kurze Inhaltsangabe drauf? Gibts eine Tafel, auf der Verhältnisse und Abläufe notiert werden? Das kann ich mir vorstellen. Sie werden sich aber sicher auch darüber unterhalten haben, wo sie sich bei ihrer Arbeit am wohlsten fühlen. Der eine am Seeufer, der andere an einem Schreibtisch, der an einem Fenster steht, durch das man zum See schauen kann. Andere wieder finden sich im Café am besten aufgehoben – fragt mal Hemingway, wenn ihr in den Himmel kommt. Der schrieb einige seiner Kurzgeschichten in Pariser Cafés. Mit der Hand auf lose Zettel.

Für mich gibt es keinen physikalischen Ort, den ich brauche, um in den Schreibmodus zu kommen, aber ich schätze und liebe eine Arbeitsumgebung, die mir den Eindruck vermittelt, an einem Tisch zu sitzen, wo ich alles, was ich zum Schreiben brauche, schön sortiert vorfinde. In Papyrus Autor 9 fühle ich mich als Schriftsteller zu Hause. In den letzten Jahren habe ich auch andere Schriftstellerprogramme ausprobiert, und am längsten habe ich mich mit Scrivener befasst, weil ich a) die projektorientierte Ausgestaltung des Programms mochte und weil es b) auch auf dem iPad verfügbar ist.

In Papyrus bin ich mit der Version 8 eingestiegen und damit einen Roman fertiggestellt, den ich auf Scrivener begonnen habe: Der Sturmgondoliere. Den aktuellen Roman, an dem ich gerade arbeite, habe ich von Scrivener nach Papyrus geholt, weil der „Raum“, den mir Papyrus bietet, besser gefällt. Das erklärt sich auch dadurch, dass ich kein reiner Drauflosschreiber bin, der den Text runterhackt, um ihn schnell zu ende zu erzählen, sondern gerne, wenns mal hakt, zehn Seiten zurückblättert, wieder Fahrt aufnimmt und dabei gleich mal Fehler korrigiert. Ich stolpere einfach über Fehler, Papyrus zeigt mir die an und ich fixe, was gefixt werden muss. Die Stilkontrolle benutze ich nicht, wenn ich in der Rohversion bin, sehr wohl aber den Duden Korrektor. Was mir ebenfalls bei Papyrus Autor sehr gut gefällt, ist die Charakterdatenbank, deren Einträge ich mit den Namen der handelnden Personen im Manuskript verlinken kann. Ich bin nämlich ein Schussel und manchmal kommt es vor, dass Leute, die stumm sind, auf einmal etwas sagen, oder dass jemand, dessen braune Augen auf Seite fünfzig bewundert werden, drei Kapitel später grüne Augen hat. Ebenso hilfreich finde ich die Orte-Datenbank, in der ich Recherchen zu Handlungsorten ablegen, verlinken und abrufen kann.

Neu in Papyrus ist neben dem Denkbrett, das in Version 8 Einzug hielt und das ich nur sporadisch nutze, der Organizer, mit dem ich mich gewiss an einem verregneten Nachmittag intensiver befassen werde.

Was ich an Papyrus schon immer mochte, ist das Klemmbrett rechts vom Blatt, wo ich Notizen ablegen kann, auf die ich schnell Zugriff brauche

Wenn ich mein aktuelles Manuskript in Papyrus Autor 9 aufmache, habe ich das angenehme Gefühl, nach Hause zu kommen. Das ist mein Schreibtisch, egal wo ich bin, und da habe ich all die kleinen Gremelins auf dem Tisch, die ich brauche, und sei es nur, um sie in die Hand zu nehmen und anzuschauen.

 

Und dann, last but not least, hat Papyrus Autor 9 ein sehr dezentes aber sehr schönes Facelifting bekommen. Der Raum, in dem man schreibt, soll ja nicht nur funktionell sein, sondern auch angenehm.