Schon vor etwa einem Jahr hatte ich vor, über die Entstehungsgeschichten meiner Romane nachzudenken, vor allem über die, die schon länger veröffentlicht sind. Ein guter Anfang wäre wohl die Monatana-Trilogie, die selbstverständlich nicht als Trilogie geplant war, sondern einfach so passierte.

Das erste Buch in der Reihe war der tragische Roman Dunkle Flüsse. Als ich mit der Idee liebäugelte, einen Roman zu schreiben, der in Montana spielte, lief in den Kinos gerade der epische Western Legenden der Leidenschaft mit Anthony Hopkins und Brad Pitt. Ich dachte, wenn Du es schaffst, dieses Gefühl einzufangen, nach Montana nach Hause zu kommen, dann kannst Du eigentlich jeden Roman scheiben. Die Leute müssen Dir Montana glauben, alles andere ergibt sich. Dachte ich.

Als Basis für die Handlung nahm ich die wahre Geschichte von Steven Stayner, der 1972 von Kenneth Parnell entführt worden war. Im Grunde wollte ich mich gar nicht lang mit dem Verbrechen aufhalten und auch nicht mit dem, was der Entführer dem Jungen antat. Was ich schreiben wollte, war eine Heimkehrergeschichte, die nicht gut endet. Dass die Heimkehr nach Helena in Montana zwar gelingt, nicht aber die Heimkehr zu seiner Familie. Während des Schreibens war mir nicht bewusst geworden, wie brutal mache Szenen geworden sind, und erst viel später erkannte ich, dass das Buch sehr gut einige Kürzungen verkraften könnte.

Aber der Roman war fertig, gedruckt und im Handel – möglicherweise ergibt sich in den nächsten Monaten die Chance, den Roman komplett zu überarbeiten.

Jedenfalls wollte ich nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück nach Montana. Im zweiten Buch der Montana-Trilogie mit dem Namen Es gibt keine UFOs über Montana geht es wieder um ene Rückkehr nach Helena. Diesmal ist es der in New York erfolgreich gewordene Schriftsteller Robert Walden, der als Sechzehnjähriger nach einer raffiniert eingefädelten Intrige die Stadt verlassen musste und von senen Eltern verstoßen wurde. Nach dem Tod seiner Eltern kehrt er nach Helena zurck, um den Nachlass zu regeln, trifft seine Jugendliebe wieder und auch auf die Leute, die ihn vor Jahren aus der Stadt geekelt hatten. Hier gelingt die Heimkehr und der einst vertriebene Literat kommt am Ende auch mit dem Mann zusammen, von dem ihn die Intrige trennen sollte. Von den drei Montana-Büchern ist das sicher das sanfteste Buch und kommt am ehesten einer Liebesgeschichte gleich.

Der dritte Band der Montana-Trilogie spielt viele Jahre nach Waldens Rückkehr. Er ist inzwischen ein alter Mann, der außerhalb von Helena auf einer Farm lebt. Eines Tages, als er Grenzäune richten will, findet er einen grausam zugerichteten Jungen, der mit Stacheldraht an einem Begrenzungspfosten gefesselt wurde. Er befreit ihn, bringt ihn in sein Haus, sieht aber keine Möglichkeit, Hilfe zu holen, da er als Kommunikationsverweigerer weder Telefon noch Smartphone hat. Während Walden sich darum bemüht, den Jungen zu pflegen, bereitet sich der darauf vor, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Gleichzeitig startet eine großangelegte Suche nach dem Sohn eines beliebten Gemeindemitglieds. Patrick´s Landing als Titel meint einerseits den Ort, an dem Patrick von Walden gefunden wurde und andererseits den Prozess, den der ohnmächtige Junge durchmacht. Dieses Buch ist der tragische Abschluss der Trilogie und auch mein persönlicher Abschied von Montana als Setting für Romane. Übrigens markierte dieses Buch auch das Ende meiner literarischen Zuneigung zu den USA. Ich habe seither keinen Roman mehr geschrieben, der in den USA spielt.