Abschied von den sozialen Medien

Abgesehen davon, dass Medien neverever sozial sein können, so etwa wie nie etwas Sinn machen, sondern nur Sinn haben oder nicht haben kann, gibt es zahlreiche Gründe, sich aus den Fesseln der Lotosesser zu befreien. In den Medien werden immer wieder unterschiedliche Gründe genannt, warum es Zeit wäre, sich aus Facebook, von Instagram und Twitter zu verabschieden: Meinungsblasen, Gehässigkeit, Datensicherheit, werden als Gründe genannt. Aber auch die Unmenge an Zeit, die man aufwendet, um sich mit Nichts zu beschäftigen. Denn das ist es letztendlich, was all diese Social Media Plattformen bieten: bedeutungsvolles, anheimelndes, das infantile Ego belohnendes Nichts.

Was meine zahlreichen Abschiede aus den Sozialen Medien betrifft geht es mir wie Mark Twain, der sagte: „Sich das Rauchen abzugewöhnen, ist die leichteste sache der Welt. Ich habe das schon gewiss hundert mal getan!“

Nichts an FB, IG oder TW ist tatsächlich von Bedeutung, wichtig oder unumgänglich. Die klassischen Medien tun nur so als ob, weil sie selbst schon zu einem Teil ihre tintengeschwärzten Metastasen in die Social-Media-Welt ausgestreckt haben und zum beispiel parallel zu ihren Onlineausgaben auch auf Facebook zu finden sind. Meiner Meinung nach beruht diese Entwicklung darauf, das der Mensch immer und immer wieder Bestätigung sucht und Recht haben will. Man äußert etwas scheinbar Bedeutungsvolles und wird mit „Likes“ belohnt, man wird quasi gemocht – wobei ein „Like“ nicht mehr ist, als dem Impuls, zuzustimmen, nachzugeben – und sei es nur, um „die anderen“ zu brüskieren. „Likes“ und Debatten in Social Media haben mehr mit Eitelkeit und Befriedigungslust zu tun als mit der Suche nach Erkenntnis und Klarheit.

Was mich schlussendlich dazu bewogen hat, alle Social-Media-Kanäle samt Putz und Stingel auszumerzen, beruht auf einer ganz anderen Überlegung.

Ich bin Schriftsteller. Und als Schriftsteller sollte das Lesen für mich an erster Stelle aller Freizeitbeschäftigungen stehen. In den letzten Monaten stelle ich an mir aber eine immer stärker werdende Lese-Unlust fest, die ich mir nicht erklären konnte, bis ich eine Rezension auf Gabriel Garcia Marquez´s Roman „Liebe in Zeiten der Cholera“ verfasste. In dieser Rezension beschrieb ich, dass ich das Buch nur häppchenweise genießen konnte und nicht wie sonst, und großen Bissen. LIZDC ist kein Buch, das man verschlingt, man sauft ja auch keinen Cabernet. Man genießt, oder?

Der wahre Grund für mein häppchenweises Lesen allerdings war nicht der Genuss kleiner Bissen sondern meine wachsende Ungeduld mit literarischen Werken, die man um ihrer selbst Willen liest und nicht, um sich von Reiz zu Reiz zu hanteln. Kurz: Ich gebe bis zu einem gewissen Grad dem Wesen der Sozialen Medien mit Schuld daran, dass mir der lange Atem für literarische Werke ausgeht – eben, weil sie den Leser in ihrer Gesamtheit belohnen und nicht ununterbrochen wie ein Bonbon-Regen, der in den SoMe ständig auf einen herniederprasselt, „Likes“ und Smileys als ständige Belohnung für nichts.

Ich habe alles gelöscht – FB wird erst in 80 Tagen wirklich dahin sein, aber egal, ich logge mich nicht mehr ein. Es ist nicht nur wegen der literarischen Kurzatmigkeit, mit der ich immer öfter zu kämpfen habe, sondern auch die Zeit, die ich mit Nichtstun und doch Beschäftigtsein verschissen habe, statt gute Bücher zu lesen oder konzentriert an einem neuen Buch zu schreiben.

Michael Harris beschrieb das sehr ausführlich in einem Artikel in Theglobeandmail.

Und gleichzeitig will ich auch wieder das Rauchen aufgeben, dass ich saudummerweise nach neun Jahren Abstinenz im späten Oktober 2017 wieder angefangen habe.

Stürmische Zeiten kommen auf mich zu – aber ich erwarte mit dem Herz eines Helden den Sturm zu durchsegeln und am Ende die goldbeleuchtete See vorzufinden, wo ich echten Müssiggang finde und Zeit und Lust, mich wieder in dicken Schwarten zu verlieren und das verdammte Buch fertigzuschreiben.

Achten Sie nicht auf den Mann hinter dem Vorhang

Anfang dieses Jahres wurde ich durch Zufall auf einen Schriftsteller aufmerksam, der vor allem die Plattformen Facebook und Instagram nutzte, um Texte zu veröffentlichen. Auf Facebook zum Großteil in Form von Textpostings, auf Instagram in Form von Texten, die auf Stimmungsbilder gelegt werden. Hüben wie drüben hatte Deno Licina zigtausende Fans, die ihm mit großer Aufmerksamkeit und Zuneigung folgten. Er bekam auf jedes Posting dutzende, wenn nicht sogar hunderte Reaktionen mit Zustimmung, Rosen und Herzen.

Gleichzeitig verkaufte er die gesammelten Texte in zwei Bänden über Amazon. Verlag ist oder war in einem Fall CreateSpace, also der Printverlag von Amazon selbst. Da gibt s keine Qualitätskontrolle außer der, die man selbst dem eigenen Werk angedeihen lässt. Und damit komme ich zur Crux der ganzen Geschichte: Die banalen Allgemeinplätze, verschwiemelten Belehrungs- und Mutmacherverse, die Motivations- und bedeutungsschwangeren Kalenderweisheiten kommen nicht von Deno Licina selbst. Große Teile der Texte kopierte er ohne zu fragen aus Twitter und gab sie als eigene Werke auf Facebook und Instagram aus. Das fiel einer Userin auf Twitter auf, weil sie in einem auf Facebook veröffentlichten Text den einer Twitterfreundin entdeckte. Ich dachte so Mitte Januar, dass es keine schlechte Idee sein könnte, den Hastag #denolicina auf Twitter zu etablieren. Ein paar Wochen später wurde der Hastag aufgenommen und verselbstständigte sich erfreulicherweise. Ich war hin- und her gerissen von den Reaktionen, der Empörung und der Inbrunst, mit der weitere Vergehen von Deno Licina akribisch ans Tageslicht gezerrt wurden. Hin- und her gerissen deshalb, weil es irgendwo auf dem Weg von Twitter zu Facebook oder Instagram eine Transformation der Texte gab. Nicht deren Ihalte, sondern eine Transformation der Wahrnehmung. Waren die Texte auf Twitter originelle Bonmots, witzig, klug und smart, wurden sie von den #denolicina Jägern auf Facebook als billiger Stuss gewertet. Als bedeutungsschwangeres Gesülze eines selbsternannten Poeten. Das gab mir zu denken: Was passierte mit der Wahrnehmung der Texte? Warum wurden sie auf Twitter als mit Herzblut verfasste Weisheiten gehandet, auf Denos Profilen aber so arg abgewatscht? Sind die Leute schizo? War der Zorn auf Deno so groß, dass man nicht einmal mehr die Qualität der gestohlenen Texte anerkennen wollte?

Nein, das war es nicht, das ist es nicht. Was sich auf dem Weg der Inbesitznahme durch Deno Licina änderte, von Twitter weg nach Facebook auf Instagram und in die Bücher, war und ist die Etikettierung der Texte. Auf Twitter wollten und wollen die Texte nie mehr sein, als witzige Anmerkungen, Überlegungen, manche zum Schmunzeln, manche zum Nachdenken. Deno stahl die Texte nicht nur, sondern er fügte sie in sein von ihm gestaltetes Universum ein und änderte die Etikettierung maßgeblich: Er postete sie mit großer Geste, mit dem Habitus des lebensklugen Poeten, der die Menschen an seinen gewonnenen Weisheiten teilhaben lassen will und gleichzeitig die Marketing-Orgel bediente wie der Mann hinter dem Vorhang im Film „Der Zauberer von Oz“ seine Zaubermaschinen. Und das war der Punkt, an dem sich kluge und witzige Twitter-Postings in fadenscheinige Besserwisserei verwandelten: durch die schiere Masse, verbunden mit Marketing und geradezu unterwürfigen Reaktionen seiner Leserschaft – die im Übrigen aufreizend passiv auf die Postings reagierte, in denen klargestellt wurde, dass die bejubelten Texte gestohlen waren. Die Vermassung von Alltagspoesie und hübschen Weisheiten, locker verstreut auf Twitter; auf den Profilen von Deno Licina verdarb die Textblumen und ließ sie durch schiere Vermassung verrotten.

Darüber hinaus hege ich den Verdacht, dass ein nicht unerheblicher Teil von Licinas Followern gekauft sind, was, wie man inzwischen weiß, für Amazon-Rezensionen ebenso simpel ist wie für Facebook- oder Instagramprofile.

Deno Licina erwies sich für die Texte also nicht nur als Dieb, der sich an den Gedanken anderer mästete, sondern auch als Verschrotter der Einmaligkeit. Manche Poesien und Lyriken müssen in ihrem Universum bleiben, um Wert und Gültigket zu bewahren. Robert de Niro bezeichnete Trump einmal als „König des Scheißdrecks“. Dieses Prädikat kann ich an Deno weitergeben. Er ist ein König des Scheißdrecks, weil seine Inbesitznahme von fremden Zeilen ebendiese Texte mit einer unangenehmen Patina aus beliebiger und austauschbarer Scheiße überzog.

Quellen:

 

 

Die Kuba-Trilogie

Alles begann mit einem Radfahrer am Strand von Mi Cayito im Juni 2010, als wir zum ersten Mal auf Kuba waren. Unsere erste Reise in Fidels Tropensozialismus war das Ergebnis einer fortlaufenden Diskussion mit unserem besten Freund Darek, der seit knapp zwanzig Jahren dorthin fliegt und in eine Tour von den Menschen schwärmt, dem Rum, den Zigarren, dem Wetter und ganz allgemein dem Lebensgefühl der Kubaner, die sich in der Enge aus politischen Zwängen und dauerhaften, wirtschaftlichen Engpässen ihr gelungenes Leben ertrotzen.

Der Radfahrer war sexy, hieß Frank Montalvo und er arbeitete hauptberuflich in einem heruntergekommenen Industriegebiet am Rand von Cotorro, einem Außenbezirk Havannas als Nachtwächter. Und er war eben Radrennfahrer. Zu seinem täglichen Leben gehörte das tägliche Training, das ihn nicht rein zufällig jeden Tag an jenen Strandabschnitten vorbeiführte, wo er Touristen kennenlernen konnte. Weil er mich nachhaltig beeindruckte, mit seiner sehr eigenen Mischung aus Jungmännlichkeit, Kindlichkeit und mit seiner muskulösen, geerdeten Seele, schrieb ich noch in jenem Sommer eine Kurzgeschichte über einen Radfahrer, der während seiner Trainingsfahrt von Cidra in Matanzas nach Mi Cayito in der Provinz Havanna von einer Vision heimgesucht wird, die ihn an den Idealen des Tropensozialismus zweifeln lässt und ihn am Ende des Trainings zu einem reinen Hedonisten verwandelt, der für die brüchig gewordenen Ideale des Kommunismus nur noch Spott empfinden lässt.

Das war der Grundstein für den Roman Der Falke im Sturm und bei keinem früheren Romanprojekt habe ich so konsequent daran gearbeitet, Schicht um Schicht die Handlung zu erweitern und zu verdichten, bis aus der Wandlung des Radfahrers Franco zum Hedonisten die Wandlung von einem jungen Burschen zur neuen Ikone einer fiktiven zweiten Revolution gereift war. Frank Montalvo mochte ich wirklich sehr gerne und ich bedauere es sehr, dass er im Frühjahr 2016 bei einem tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam, den er selbst verschuldet hatte.

Der zweite Roman der Kuba-Trilogie, Im Palast des schönsten Schmetterlings, verfasste ich 2011 bis 2012, und die drei Standbeine der Grundidee waren folgende: Im Februar 201, als Richard und ich zum zweiten Mal auf Kuba waren, erfuhren wir durch einen Freund von den unzähligen Kommissionen, die es auf Kuba zu mehr oder weniger jedem Thema gibt, so auch zur Erforschung und Katalogisierung von Ernest Hemingways Leben und Wirken auf Kuba. Das zweite Standbein war die Geschichte eines unbekannten Mannes, der kurz, bevor wir im Februr nach Havanna kamen, der vor der Küste Havannas ertrunken war. Alex, unser Freund, der uns auch von den vielen Kommissionen erzählte, verdeutlichte uns, wie seltsam und unerhört es war, dass die Behörden nicht herausfinden konnten, wer dieser Mann gewesen war und dass er niemandem abging. Der dritte und vielleicht wichtigste Punkt aber waren die Namen von zwei Jungen, die auf einen Felsen eines Wellenbrechers in der Bcht von Cojimar eingeritzt sind wie für die Ewigkeit.

Gerardo y Felipe, Todavia estamos aqui, 5-10-1964

Obwohl die Handlung komplex erzählt wird, schrieb sich die Geschichte wie von selbst, sie fühlte sich vom ersten Wort an lebendig an und die Arbeit erschöpfte mich ganz außerordentlich. Thematisch und auch stilistisch ist sie stark geprägt von Reinaldo Arenas, der es wie kaum ein anderer kubanischer Schriftsteller verstand, das Absurde mit dem Tragischen, das Lächerliche mit dem Erhabenen zu verbinden.

Der dritte Band der Trilogie ist keine reine Kuba-Geschichte. In ihrem Kern arbeite ich die tragische Hinrichtung von Ayaz Marhoni und Mahmoud Asgari auf, zwei iranische Jugendliche, die im Sommer 2005 in der Stadt Mashad am Galgen hingerichtet wurden, weil sie ein Liebesverhältnis miteinander hatten. Um der tragischen Unasweichlichkeit ihres Todes einen magischen Funken Hoffnung entgegenzusetzen, packte ich ihre Geschichte in einen Roman über karibische Magie und stellte ihnen sie schützende und stützende Personen zur Seite. Auf einer Handlungsebene bleibe ich den Ereignissen treu, auf einer anderen Ebene zeichne ich einen Ausweg auf, den die beiden im Roman dann auch nehmen. Im Grunde genommen geht es in Fluchtgemälde um Magische Malerei und wie man sie sich zu nutze machen kann, um sich ein eigenes Exil zu malen. Der in Paris lebende, iranische Antiquar Kourosh, Onkel von Ayaz, findet auf seiner Suche nach einer alten Ausgabe des Koran auf Kuba ein handgeschriebenes Ntizbuch mit Anweisungen zur Magischen Malerei, nimmt es mit und transkribiert es in Paris zuerst ins Französische und dann auf Farsi. Damit löst er einen schleichenden Weltuntergang aus, bietet aber auch seinem Neffen und dessen Geliebten einen Ausweg aus dem Gefängnis, in dem sie auf ihre Hinrichtung warten.

Kuba erweist sich in diesem Roman nicht nur als Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte, sondern am Ende auch als das ermalte, erträumte Ziel der Flucht; nicht ausformuliert aber durch die Handlung spürbar ist, dass die letzte, gemalte Version von Kuba die ist, in der auch der Roman Der Falke im Sturm spielt.

Damit wäre die Trilogie an und für sich zu Ende erzählt – aber irgendwie bin ich mit dem Thema Fluchtgemälde noch nicht ganz durch, denn gerade schreibe ich an einem Roman, in dem ich die Handlungsfäden aus Fluchtgemälde aufnehme und sie mit einigen Handlungssträngen aus dem epischen Roman Die Inseln im Westen verknüpfe.

Die Montana-Trilogie

Schon vor etwa einem Jahr hatte ich vor, über die Entstehungsgeschichten meiner Romane nachzudenken, vor allem über die, die schon länger veröffentlicht sind. Ein guter Anfang wäre wohl die Monatana-Trilogie, die selbstverständlich nicht als Trilogie geplant war, sondern einfach so passierte.

Das erste Buch in der Reihe war der tragische Roman Dunkle Flüsse. Als ich mit der Idee liebäugelte, einen Roman zu schreiben, der in Montana spielte, lief in den Kinos gerade der epische Western Legenden der Leidenschaft mit Anthony Hopkins und Brad Pitt. Ich dachte, wenn Du es schaffst, dieses Gefühl einzufangen, nach Montana nach Hause zu kommen, dann kannst Du eigentlich jeden Roman scheiben. Die Leute müssen Dir Montana glauben, alles andere ergibt sich. Dachte ich.

Als Basis für die Handlung nahm ich die wahre Geschichte von Steven Stayner, der 1972 von Kenneth Parnell entführt worden war. Im Grunde wollte ich mich gar nicht lang mit dem Verbrechen aufhalten und auch nicht mit dem, was der Entführer dem Jungen antat. Was ich schreiben wollte, war eine Heimkehrergeschichte, die nicht gut endet. Dass die Heimkehr nach Helena in Montana zwar gelingt, nicht aber die Heimkehr zu seiner Familie. Während des Schreibens war mir nicht bewusst geworden, wie brutal mache Szenen geworden sind, und erst viel später erkannte ich, dass das Buch sehr gut einige Kürzungen verkraften könnte.

Aber der Roman war fertig, gedruckt und im Handel – möglicherweise ergibt sich in den nächsten Monaten die Chance, den Roman komplett zu überarbeiten.

Jedenfalls wollte ich nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück nach Montana. Im zweiten Buch der Montana-Trilogie mit dem Namen Es gibt keine UFOs über Montana geht es wieder um ene Rückkehr nach Helena. Diesmal ist es der in New York erfolgreich gewordene Schriftsteller Robert Walden, der als Sechzehnjähriger nach einer raffiniert eingefädelten Intrige die Stadt verlassen musste und von senen Eltern verstoßen wurde. Nach dem Tod seiner Eltern kehrt er nach Helena zurck, um den Nachlass zu regeln, trifft seine Jugendliebe wieder und auch auf die Leute, die ihn vor Jahren aus der Stadt geekelt hatten. Hier gelingt die Heimkehr und der einst vertriebene Literat kommt am Ende auch mit dem Mann zusammen, von dem ihn die Intrige trennen sollte. Von den drei Montana-Büchern ist das sicher das sanfteste Buch und kommt am ehesten einer Liebesgeschichte gleich.

Der dritte Band der Montana-Trilogie spielt viele Jahre nach Waldens Rückkehr. Er ist inzwischen ein alter Mann, der außerhalb von Helena auf einer Farm lebt. Eines Tages, als er Grenzäune richten will, findet er einen grausam zugerichteten Jungen, der mit Stacheldraht an einem Begrenzungspfosten gefesselt wurde. Er befreit ihn, bringt ihn in sein Haus, sieht aber keine Möglichkeit, Hilfe zu holen, da er als Kommunikationsverweigerer weder Telefon noch Smartphone hat. Während Walden sich darum bemüht, den Jungen zu pflegen, bereitet sich der darauf vor, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Gleichzeitig startet eine großangelegte Suche nach dem Sohn eines beliebten Gemeindemitglieds. Patrick´s Landing als Titel meint einerseits den Ort, an dem Patrick von Walden gefunden wurde und andererseits den Prozess, den der ohnmächtige Junge durchmacht. Dieses Buch ist der tragische Abschluss der Trilogie und auch mein persönlicher Abschied von Montana als Setting für Romane. Übrigens markierte dieses Buch auch das Ende meiner literarischen Zuneigung zu den USA. Ich habe seither keinen Roman mehr geschrieben, der in den USA spielt.

Lucian im Spiegel beim Größenwahn Verlag

Lucian hat eine eigene Seite beim Größenwahn-Verlag bekommen. Dass mein erster richtiger Wien-Roman beim Größenwahn erscheint, freut mich sehr. Das hat nicht nur mit dem umsichtigen und verständigen Lektorat von Thomas Pregel zu tun, sondern auch damit, dass der Verlag seine Arbeit sehr ernst nimmt und aus Romanen echte Bücher macht. Man könnte auch sagen: Ja, der Verlag lässt meinen Lucian wirklich sehr gut aussehen!

Im Papyrus zu Hause

Ich weiß es nicht genau, gehe aber davon aus, dass sich Schriftsteller früher, wenn sie sich in Cafés trafen oder in der Stadt spazierten, am Seeufer saßen und die Gedanken fliegen ließen, nicht darüber gesprochen haben, welche Feder sie benutzen, oder welches Papier besonders fein ist. Auch nicht über Schreibmaschinen „Du, der Hemingway schreibt auf einer Royal Quiet de Luxe!“. „Na, kein Wunder, dass der so tolle kurze Sätze baut!“

Vielleicht haben sie sich über Methoden unterhalten, wie sie ihre Arbeit am Roman organisieren. Werden Notizzettel benutzt, wenn ja, wie? Klemmt man ein Kapitel einfach in ein zusammengefaltetes Blatt und schreibt eine kurze Inhaltsangabe drauf? Gibts eine Tafel, auf der Verhältnisse und Abläufe notiert werden? Das kann ich mir vorstellen. Sie werden sich aber sicher auch darüber unterhalten haben, wo sie sich bei ihrer Arbeit am wohlsten fühlen. Der eine am Seeufer, der andere an einem Schreibtisch, der an einem Fenster steht, durch das man zum See schauen kann. Andere wieder finden sich im Café am besten aufgehoben – fragt mal Hemingway, wenn ihr in den Himmel kommt. Der schrieb einige seiner Kurzgeschichten in Pariser Cafés. Mit der Hand auf lose Zettel.

Für mich gibt es keinen physikalischen Ort, den ich brauche, um in den Schreibmodus zu kommen, aber ich schätze und liebe eine Arbeitsumgebung, die mir den Eindruck vermittelt, an einem Tisch zu sitzen, wo ich alles, was ich zum Schreiben brauche, schön sortiert vorfinde. In Papyrus Autor 9 fühle ich mich als Schriftsteller zu Hause. In den letzten Jahren habe ich auch andere Schriftstellerprogramme ausprobiert, und am längsten habe ich mich mit Scrivener befasst, weil ich a) die projektorientierte Ausgestaltung des Programms mochte und weil es b) auch auf dem iPad verfügbar ist.

In Papyrus bin ich mit der Version 8 eingestiegen und damit einen Roman fertiggestellt, den ich auf Scrivener begonnen habe: Der Sturmgondoliere. Den aktuellen Roman, an dem ich gerade arbeite, habe ich von Scrivener nach Papyrus geholt, weil der „Raum“, den mir Papyrus bietet, besser gefällt. Das erklärt sich auch dadurch, dass ich kein reiner Drauflosschreiber bin, der den Text runterhackt, um ihn schnell zu ende zu erzählen, sondern gerne, wenns mal hakt, zehn Seiten zurückblättert, wieder Fahrt aufnimmt und dabei gleich mal Fehler korrigiert. Ich stolpere einfach über Fehler, Papyrus zeigt mir die an und ich fixe, was gefixt werden muss. Die Stilkontrolle benutze ich nicht, wenn ich in der Rohversion bin, sehr wohl aber den Duden Korrektor. Was mir ebenfalls bei Papyrus Autor sehr gut gefällt, ist die Charakterdatenbank, deren Einträge ich mit den Namen der handelnden Personen im Manuskript verlinken kann. Ich bin nämlich ein Schussel und manchmal kommt es vor, dass Leute, die stumm sind, auf einmal etwas sagen, oder dass jemand, dessen braune Augen auf Seite fünfzig bewundert werden, drei Kapitel später grüne Augen hat. Ebenso hilfreich finde ich die Orte-Datenbank, in der ich Recherchen zu Handlungsorten ablegen, verlinken und abrufen kann.

Neu in Papyrus ist neben dem Denkbrett, das in Version 8 Einzug hielt und das ich nur sporadisch nutze, der Organizer, mit dem ich mich gewiss an einem verregneten Nachmittag intensiver befassen werde.

Was ich an Papyrus schon immer mochte, ist das Klemmbrett rechts vom Blatt, wo ich Notizen ablegen kann, auf die ich schnell Zugriff brauche

Wenn ich mein aktuelles Manuskript in Papyrus Autor 9 aufmache, habe ich das angenehme Gefühl, nach Hause zu kommen. Das ist mein Schreibtisch, egal wo ich bin, und da habe ich all die kleinen Gremelins auf dem Tisch, die ich brauche, und sei es nur, um sie in die Hand zu nehmen und anzuschauen.

 

Und dann, last but not least, hat Papyrus Autor 9 ein sehr dezentes aber sehr schönes Facelifting bekommen. Der Raum, in dem man schreibt, soll ja nicht nur funktionell sein, sondern auch angenehm.

Seitendesign

Ich muss mich entschuldigen, zumindest bei den Besuchern meiner Seite, die seit ein paar Tagen wohl bemerkt haben, dass ich wie wild dran bin, das Design umzustellen. Ich teste einige WordPressdesigns und denke, ich habe jetzt mal eines gefunden, das mir taugt.

Spätestens, wenn ich dann Lucian im Spiegel auf die Hauptseite hebe, ändere ich wieder das Design, um der neuen Publikation Rechnung zu tragen. Bis dahin sollte es aber passen …

Lucian wirft seinen Schatten voraus

Auf der Seite buch-findr.de gibt es bereits eine erste Ankündigung meines neuen Romans „Lucian im Spiegel“, der im Frühjahr 2018 im Größenwahn-Verlag als Hardcover erscheint

Der letzte Tag im Leben von Lucian Trujilo-Ortiz begann mit einer großen, schweigsamen Hitze, die sich silbern in der Stadt ausbreitete. Sie schloss Fenster, zog Vorhänge zu und begrub das Leben unter sich. Ein windstiller, grau bewölkter Sonntag, der Tag nach dem Lärm der Regenbogenparade in Wien … Lucian Trujilo-Ortiz führt ein Doppelleben. Tagsüber der wohlhabende Sohn des kubanischen Botschaftssekretärs und nachts der begehrteste Stricher der Donaumetropole. Mit den Gefühlen seiner Freunde und Freier spielt er ebenso so gerne wie mit seiner Identität. Am meisten leidet darunter der junge Daniel, der Lucian so sehr liebt, dass er ihn irgendwann nur noch hassen kann. Und Daniel wünscht seinem Liebsten den Tod. Jetzt, 15 Jahre später, kommt ein gewisser Richard Grier zurück in die Stadt. Er war damals nicht nur der erste Polizist am Tatort, er war selbst Kunde in der Stricher-Szene. Und von Lucian fasziniert. Doch Richard Grier belasten Fragen, die nach Antworten schreien. Was genau ist vor 15 Jahre passiert? Und wie konnte es zu der Tat kommen? Peter Nathschlägers neuestes Werk beleuchtet die Nachtseite Wiens. Zwischen Gier und Geld offenbart sich Schritt für Schritt das Leben der flammenden Herzen. Herzen, die sich nichts anderes wünschen, als geliebt zu werden. Doch Liebe braucht Hingabe, Opferbereitschaft und Vertrauen. Eigenschaften, die vor dem Spiegel der Eitelkeit missverstanden werden – auch wenn Spiegel immer die Wahrheit zeigen. Manchmal eine unerträgliche.

Zauder frisst Fieber

Natürlich ist es nur eine Ausrede, wenn ich mir selbst einrede, ich würde am neuen Roman nicht weiterschreiben, weil ich nun die Betaversion von Scrivener for Windows III testen müsse – ein albernes Spiel mit mir selbst. Momentan breitet sich sowieso eine lähmende Passivität aus. Ich geh seit drei Wochen nicht mehr zum Training (ok, da kann ich mich auf die Verkühlung rausreden) und ich komme mit dem Buch nicht weiter. Was das Projekt betrifft, habe ich die Entscheidung getroffen, es nicht in drei, sondern in zwei Teilen zu erzählen, die je in etwa einhundetdreißig Seiten haben werden und die das Thema der elysischen Isolation eines Teils unserer Welt aus zwei vollkommen unterschiedlichen Perspektiven betrachten, die am Ende vereint werden.

Stimmt. Die Handlung hat entfernte Ähnlichkeit mit dem Inhalt des SF-Films Elysium, doch versuche ich, mich in der Herangehensweise an Saramago´s Roman Das steinerne Floss zu orientieren.

Irgendwie warte ich noch darauf, dass mich das Fieber wieder packt und ich nicht anders kann, als weiterzuschreiben