Das Bargeld wird nicht abgeschafft. Nirgendwo.

Man kann ein Stück Papier gegen beliebige Waren tauschen. Das verwundert und doch funktioniert unser Papiergeldsystem. Nicht wenige nutzen diese Verwunderung für Verschwörungstheorien und obskure Geschäftsmodelle. Es wird argumentiert: „Euro, Dollar und Co können auf Dauer nicht funktionieren, da es sich um wertlose Papierscheine handelt, die vom Staat beziehungsweise dessen Zentralbank in beliebigen Mengen gedruckt werden können.

Aber das ist falsch, besser gesagt ein Missverständnis. Ein 50 Euro-Geldschein ist selbst keine Ware und beansprucht auch nicht, eine zu sein. Ein Geldschein ist vielmehr ein Vertrag, ein staatlich garantierter Anspruch auf Eigentumserwerb.

(Focus.de)

In meinem Bekanntenkreis, unter Freunden und in der Familie kommt hin & wieder das Thema auf, das Bargeld werde abgeschafft. Die Befürchtungen sind schwammig formuliert und zielen auf das Bauchgefühl ab, sie werden im Brustton der Überzeugung vorgetragen, der zu widersprechen vielen zu unbequem ist – weil ja vielleicht etwas dran sein, und bei Widerrede der heilige Stammtischfrieden empfindlich gestört werden könnte.
Also schauen wir uns doch einmal ein paar der Argumente an, mit denen die Mär von der Abschaffung des Bargeldes immer und immer wieder hochgeköchelt wird, und zwar so sehr, dass sich sogar vereinzelt Parteien (AfD, FPÖ, ÖVP …) gezwungen sehen, den Schutz des Bargeldes in die Verfassung heben zu wollen. Die Stückelung des Bargeldes obliegt ganz nebenbei der EZB, und diese Entscheiidung wurde von allen Ländern im Eurosystem-Raum mitgetragen …

Warum wird das Bargeld angeblich abgeschafft?

Das Bargeld wird abgeschafft, weil der Staat die Individualität des Bürgers untergraben möchte
Das Bargeld wird abgeschafft, um den Bürger durch alleinige Verwendung der Giralgelder transparent zu machen.
Das Bargeld wird abgeschafft, um Kontrolle über die Giralgelder der Bürger zu bekommen um im Notfall darauf zugreifen zu können – also Enteignung
Das Bargeld wird abgeschafft, weil die Alternativen verführerisch, modisch und einfach sind.
Das Bargeld wird aus Kostengründen abgeschafft: Die Herstellung, Verteilung und Lagerung kostet Geld.
Das Bargeld wird abgeschafft, weil die *Eliten es so wollen.

*Wer auch immer “die” sind

Die Argumente all jener, die die Abschaffung des Bargeldes prophezeien, beruhen also auf dem Unwohlsein des kleinen Bürgers gegenüber dem allmächtigen Staat, auf der Befürchtung, in seinen Bürgerrechten eingeschränkt zu werden, auf der Angst, das Wohlverdiente nicht kontrollieren zu können, dass aus etwas Greifbaren etwas Unfassliches wird.
Die Abschaffungs-Argumente derjenigen, denen man ein bißchen Hintergrundwissen zutrauen sollte, beruhen auf Eigennutz (Wenn der Manager einer Kreditkartenfirma das Ende des Bargeldes anstimmt, dann ist das wie das Klappern mit der Schere beim Friseur).
Die Behauptung, dass das Bargeld abgeschafft wird, steht seltsam substanzlos im Raum und jedesmal, wenn ich mich auf diese Luftdebatte einlasse, drängen sich Fragen auf, die die Propheten der Bargeldabschaffung in den seltensten Fällen auch nur ansatzweise beantworten können … oder wollen:

Welches Bargeld wird abgeschafft?
Wo wird das Bargeld abgeschafft?
Wird es weltweit abgeschafft?

Wenn es nur in einem Land abgeschafft wird, wie verhindert man, ohne sich in eine Diktatur zu verwandeln, die Nutzung anderer Währungen? Und welches Land kann es wollen und es sich leisten, willentlich eine Schattenwährung zuzulassen?
Wenn Bargeld abgeschafft wird, was geschieht mit dem im Umlauf befindlichen Geld?

Um Negativzinsen einführen zu können, müsste Bargeld weltweit gleichzeitig überall und komplett abgeschafft werden“, sagt Bundesbank-Vorstand Thiele. Andernfalls könnte jeder sein Vermögen jederzeit in einer anderen Währung aufbewahren und dem Negativzins entgehen. „Das ist völlig illusorisch.

Die faktischen Gründe, warum das Bargeld nicht abgeschafft wird

Das als Euro ausgegebene Bargeld ist im Eurosystemraum das einzig gesetzliche Zahlungsmittel, das schuldbefreiend wirkt. Die Ausgabe des Bargeldes wird in den Büchern der EZB auf der SOLL-Seite verbucht, somit stellt die Inhaberschaft eine Forderung gegenüber der EZB dar.

–>In § 1 Eurogesetz ist festgehalten, dass auf Euro lautende Banknoten und auf Euro und Cent lautende Münzen in Österreich gesetzliche Zahlungsmittel sind. Weiters findet sich in § 61 Nationalbankgesetz (NBG) die Bestimmung, dass die von der Oesterreichischen Nationalbank, der EZB und von den anderen nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten des Euroraumes ausgegebenen, auf Euro lautende Banknoten gesetzliche Zahlungsmittel sind.

Das als Euro im Eurosystemraum ausgegebene Bargeld als alleinig gesetzliches Zahlungsmittel ist im Vertrag über die Arbeitsweise der EU im Absatz 128 festgeschrieben. An diesem Vertrag über die Arbeitsweise der EU hängen unzählige andere EU-Vertragswerte. Würde man den Vertrag über die Arbeitsweise der EU ändern, in dem man beispielsweise den Absatz 128 streicht, müssten sämtliche auf diesen Vertrag referenzierenden Verträge neu verhandelt werden.
Das als Euro ausgegebene Bargeld im Eurosystemraum als einzig gesetzliches Zahlungsmittel ist überdies in allen Mitgliedsstaaten des Eurosystemraums im jeweiligen Bundesbankengesetz verankert. Meines Wissens braucht es im jeweiligen Parlament eine Zweidrittelmehrheit, um ein Bundesgesetz zu ändern. Und damit wäre nur das Bundesgesetz eines Landes geändert.
Die Abschaffung des Bargeldes wäre somit die Abschaffung der EU.
Die Abschaffung einer bestimmten Stückelung des Bargeldes ist kein Indiz für die Abschaffung des Bargeldes an und für sich. Die Stückelung des Bargeldes obliegt der EZB (Zumindest im Eurosystemraum)

Die Zahlen deuten darauf hin, dass die Tendenz sogar in die andere Richtung geht. „Pro Jahr werden derzeit weltweit rund 160 Milliarden Banknoten produziert“, sagt Rolf Wintergerst, beim Banknotendrucker Giesecke & Devrient verantwortlich für den Geschäftsbereich Banknote und damit für die wummernden und ratternden Maschinen am Tegernsee.Diese dürften künftig sogar eher noch schneller laufen. „Denn jedes Jahr wächst die Zahl der Banknoten um rund fünf Prozent“, sagt Wintergerst. Von Flaute ist nichts zu spüren.

Die logischen Gründe, die gegen eine Abschaffung des Bargeldes sprechen

Es geht nicht. So lange Bargeld im Umlauf ist, wird Bargeld benutzt. Kommt kein neues Bargeld nach, wird das im Umlauf befindliche Bargeld im Wert steigen. Das kann keine Regierung wollen, dass ein nicht von ihnen kontrolliertes Zahlungsmittel stetig an Wert gewinnt.
Eine schwache oder nicht vorhandene Bargeldwährung führt mehr oder weniger direkt zur Etablierung einer Schattenwährung. Das ließe sich nur unterbinden, in dem das Bargeld weltweit abgeschafft wird. Doch …
Geld ist, was die Funktion von Geld einnimmt. Wenn die Menschen eines Landes weiterhin auf vereinbarte Werte vertrauen wollen (und Bargeld ist ein vereinbarter Wert), dann werden sie Mittel & Wege finden, weiterhin Bargeld zu nutzen.
Den Bürger um sein Geld zu bringen, in dem man auf Spareinlagen Negativzinsen legt und die Ausweichmöglichkeit nimmt, Giralgeld in Bargeld zu tauschen, ist vollkommen illusorisch, denn dazu müsste man in einem Aufwischen auf der ganzen Welt das Bargeld abschaffen.
Wenn es Eliten auf der Welt gibt, die in der Lage sind, Regierungen zu beeinflussen, ja, sogar Bargeld abzuschaffen: Warum gibt es auf der Welt kein einziges Land, in dem das Bargeld bisher erfolgreich abgeschafft wurde? Ach pfeif auf erfolgreich: überhaupt abgeschafft wurde?

Achja, und dann auch noch die gequirlte Scheiße mit den Cryptowährungen: Der Bitcoin ist ohne inneren Wert, so wie ein Euro Geldschein. Aber im Gegensatz zum Euro verbrieft der Bitcoin auch keine Rechte für irgendwas. Es gibt keinen Vertragspartner, es gibt keinen Rechtsanspruch und es gibt auch keinen Vertragsgegenstand.
Der Bitcoin ist nichts, und wenn jemand so naiv ist, echte Euros gegen Bitcoin zu tauschen, so wird er sich nicht mal beschweren dürfen, wenn die ganze Blase platzt. Man kann nicht sagen, dass er dann von jemanden betrogen wurde. Ein Bitcoin ist ein Vertrag mit niemand über nichts.

Weiterführende Literatur zum Thema

Der Euro als gesetzliches Zahlungsmittel
Gesamte Rechtsvorschrift für das Eurogesetz
Der Vertrag über die Arbeitsweise der EU
Warum die Abschaffung des Bargelds eine Utopie ist
Der fatale Irrtum der BitCoin-Anhänger

Politische Korrektheit

Im Grunde genommen handelt es sich bei politischer Korrektheit um nicht mehr oder weniger, als um den Willen, durch Sprache, Gestik und Mimik allen Menschen grundsätzlich das gleiche Maß an Würde, Ehrerbietung und Freundlichkeit zuteil werden zu lassen. Für Bürger, die sich dadurch definieren, dass sie Sprachcodes, Symbole und Manierismen entwickeln, um andere Menschen gering zu schätzen, mag allein schon der Wille, alle in der Kommunikation und Ausdrucksform gleich gut zu behandeln, wie ein Affront sein. Gleich erschallt da der vielstimmige Ruf, man würde Denkverbote erteilen, den Menschen einen Maulkorb umhängen oder die Meinungsfreiheit mit Füßen treten, denn immerhin sei die Meinungsfreiheit, das Recht zu sagen, was man denkt, Teil der europäischen Kultur, die es zu schützen gilt.
Spielen wir das doch einmal anhand eines Beispiels durch. In einer geselligen Runde im Fischerbräu sagte einmal einer, den ich zu meinen Freunden zählte, er müsse nun einen Neger abseilen gehen. Gekicher am Tisch, ein Klaps aufs Handgelenk von der Ehefrau, die aber auch grinste. Ach mein Mann, was für ein prächtiger alter Witzbold. Bei einer anderen Gelegenheit sagte er, als er sich zum selben Anlass vom Tisch verabschiedete, er ginge nun, einen Neger ins weiße Haus setzen.
Wenn ich in Gesellschaft bin, und ich denke, so geht es sehr vielen Menschen, ist mir wenig daran gelegen, die anderen am Tisch, die vielleicht auch noch gerade essen, darüber aufzuklären, warum ich nun aufstehe, wohin ich nun gehe und was ich dort mache, wenn ich angekommen bin und die nötigen Vorbereitungen getroffen habe. So weit ich das beurteilen kann, sagt man das auch nicht, um die Anwesenden darüber aufzuklären, dass man nun ginge um den Darm zu entleeren, sondern um alle Anwesenden mehr oder weniger originell auf die eigene, politische Gesinnung hinzuweisen. Es ist meiner Überzeugung nach keine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wenn ich sage: „So etwas sagt man nicht. Das ist unanständig und widerlich!“ Mit nur einem Hauch guter Erziehung entschuldigt man sich, wenn man aufsteht, um irgendetwas allein zu tun, sei es, eine rauchen zu gehen oder wenn man sich erleichtern muss. Es ist zum besseren Verständnis nicht nötig zu sagen, man gehe nun scheißen. Oder, um beim vermeintlich witzigen Bild zu bleiben, man ginge, um einen Neger abzuseilen oder einen Neger ins weiße Haus zu setzen. Denkt man das Beispiel konsequent zu Ende, sieht man vor dem inneren Auge einen Neger, dessen äußere Beschaffenheit wie Scheiße ist, die aus dem behaarten Arsch eines Mannes gedrückt wird. Man setzt Menschen mit einer bestimmten Hautfarbe mit Kot gleich und tut dies mit dem Recht auf Meinungsfreiheit.
Ein anderes Bild prägte ein etwa siebzehnjähriger KFZ-Lehrling, der unter ein Foto von einem syrischen Mädchen, das im Hochsommer durch einen Sprühstrahl Wasser aus Feuerwehrschläuchen lief und glückselig lachte, Flammenwerfer wären besser gewesen. Auch gedeckt durch die Meinungsfreiheit. Politisch korrekt wäre es gewesen, zu schweigen, anständig wäre gewesen, so etwas nicht einmal zu denken. Zu sagen, dass man so etwas nicht sagt oder schreibt, führt aber gleich wieder zu dem Aufschrei, man versuche, die Meinungsfreiheit einzuschränken, Denkverbote zu erteilen, man dürfe nicht einmal mehr sagen, was man denkt, in unserem von Ausländerhorden bedrohten Europa.
Meine Vermutung ist die, dass gerade die, die sich am meisten über mögliche Denkverbote erregen, über Maulkörbe und dergleichen mehr, in Wirklichkeit nur eines wollen, nämlich zu sagen, was sie sagen wollen, ohne dafür mit Kritik belästigt zu werden. So wie es vielleicht noch in den Siebzigern war, als der Mann, das Oberhaupt in der Familie, sagte, was richtig und was falsch war, und zwar, ohne mit Kritik rechnen zu müssen.
Möglicherweise waren diese Menschen spießbürgerlicher als wir, und vielleicht auch moralisch absurder, aber sie hätten vermutlich nicht geduldet, dass einer kleine Mädchen mit dem Flammenwerfer bearbeitet oder schwarze Menschen mit Scheiße gleichsetzt.
Besonders verwerflich am Beispiel mit der Gleichsetzung von Schwarzen mit Scheiße ist, dass gerade die, die sich solcher witziger Herrenmenschen-Bonmots bedienen, absolut nichts dagegen einzuwenden hätten, mit einer hübschen Schwarzen oder einem schönen Neger im Bett zu landen und zu ficken, bis die Geschlechtsorgane glitschen und das Bettzeug nach Proteinen und Orgasmus riecht. Denken wir das wieder zu Ende, wenn auch nur für den Moment. Die Menschen, die sich vor Meinungsverboten, Denkverboten und der Diktatur der politischen Korrektheit fürchten, suhlen sich in der Vorstellung, mit Scheiße geilen Sex zu haben, weil die von ihnen durchaus begehrten Schwarzen in ihrem Sprachgebrauch Scheiße gleichgesetzt werden.
Politische Korrektheit war im Grunde genommen nie mehr, als der Versuch, das, was man als anständig umschreibt, zu beschreiben. Es sind keine Gesetze, es sind Best practice Vorschläge, die uns allen helfen sollen, gut und richtig miteinander umzugehen.
Wenn ich mit Freunden am Tisch sitze, wenn wir Bier oder Wein trinken, lachen und scherzen oder uns auch mal lautstark über ein Thema ereifern, dann interessiert mich kein politisches Commitment, und es interessiert mich auch nicht, ob nun einer aufsteht, um scheißen zu gehen, zu pissen oder draußen eine zu rauchen.
Die Menschen, die sich so vor dem Diktat der politischen Korrektheit fürchten, sehen darin eine Methode, um ihnen die Möglichkeiten aus der Hand zu nehmen, zu protestieren, Stellung zu beziehen. Das ist nicht wahr. Es geht viel tiefer. Die Ansätze der politischen Korrektheit beruhen im Grunde genommen auf dem, was wir uns als Gesellschaft in vielen Jahrzehnten der Entwicklung als gut, anständig, ordentlich und gedeihlich erarbeitet haben. Diese selbst ernannten Warmer und Rufer, die Neger mit Scheiße gleichsetzen oder kleine Kinder mit Flammenwerfern bearbeiten möchten, geben vor, die europäische Kultur vor dem Einfluss hereinströmender, kulturloser Unmenschen bewahren zu wollen.
Erlaubt mir bitte die Frage: Wie kann man Menschen, die kleine Mädchen verbrennen, oder mit Scheiße Sex haben möchten, denn für sie sind Neger Scheiße, und kleine Mädchen Ungeziefer, das verbrannt gehört, als Bollwerk zum Schutz der europäischen Kultur sehen?