Bukarest 2017

Freitag, 14.4.17

Die Anreise nach Bukarest verlief weitgehend stressfrei. Die Idee, nach Bukarest zu reisen, kam von Darek, und Ostern bot sich gerade an. Die verschiedenen Wetterseiten versprachen schlechtes Wetter, Regen, kalt und windig. Wie sich herausstellte, war das alles für die Fische, weil wir schon am Anreisetag ein sehr schönes Wetter hatten und am Nachmittag in T-Shirts spazieren, und etwas essen gingen.
Mehr oder weniger stressfrei war die Anreise deshalb, weil wir nicht auf die Komplikationen gefasst waren, die sich ergeben, wenn man am Flughafen von Bukarest ankommt und ein Taxi sucht. Die stehen nämlich dort nicht so herum wie bei uns, sondern müssen a) von Dispatchern zugewiesen werden oder b) über ein Terminal vorbestellt werden.
Apropos Terminal: Das ist jetzt auch in Wien scheints große Mode, dass man an Automaten eincheckt und das Gepäck selbst aufgibt.

 

Okay, Andrej konnte uns dann als Muttersprachler zwei Wagen besorgen und in etwa einer halben Stunde waren wir dann auch im Garden Inn by *Radisson Blu.*
Die Zimmer sind großzügig angelegt und bestehen im Grunde genommen aus einer Wohnküche, einem Vorzimmer, dem Bad und einem Schlafzimmer. Vom Hotel aus spazierten wir Richtung Altstadt, die verwinkelt und architektonisch uneins, etwa zwanzig Gehminuten von unserem Hotel liegt. Dort befinden sich zahllose moderne Lokale, alles wirkt sehr heimelig, stillos und doch stilvoll, improvisiert und charmant. Nachdem wir gegessen hatten, spazierten wir weiter zum Präsidentenpalast, der tatsächlich sehr wuchtig ist und auf einem Hügel über der Stadt sitzt. Eingefasst ist der Palast auf der Vorderseite, jenseits des Vorplatzes, von Bombastarchitektur, die man auch Zuckerbäckerarchitektur nennt. Interessant ist jedenfalls das städtische Gewirr, wo Vor-Kommunistische Architektur auf Chauchescus Größenwahn trifft. Wie graue Warzen blühen auf allen Gebäuden Klimaanlagen auf den Fassaden, es sind viele Touristen unterwegs, und es gibt viele junge Männer anzusehen. Das Dilemma ist, dass Bukarest keine schwule Infrastruktur hat, und wenn doch, dann eine, die sich dem Touristen weder leicht noch bald erschließt.

Laut @Internet gibt es zumindest einen Gayclub, den *Queensclub* und es gibt angeblich einen Park, in dem sich nächtens frohes Treiben einstellt, den *Titanpark*, was soll ich sagen? Sowohl den Queensclub wie auch den Titanpark gibt es, ersterer war geschlossen und Zweiterer war menschenleer. Was schlussendlich dazu führte, dass wir nach einigen hin & her ein Taxi fanden, nahmen und zurück zum Hotel fuhren, um die Nacht ausklingen zu lassen.

Also merken
– Taxis am Flughafen müssen über einen der gelben Terminals vorbestellt werden, man bekommt einen Ausdruck und mit dem reiht man sich draußen bei den anderen Wartenden ein.
– Der Queensclub scheint derzeit geschlossen zu sein, da braucht man also gar nicht hinfahren, auch wenn Google behauptet, dass er offen hat.
– Das Spa des *Radisson Blu* steht auch den Gästen des *Garden Inn* frei zur Verfügung und ist sehr schön.

Notiz an mich selbst: Nicht mehr rauchen, wenn Du getrunken hast, Richard regt sich ernsthaft drüber auf.

Samstag, 15.4.17

Heute um 08:30 auf, dann waschen und ab zum Frühstück. Ich habe unruhig geschlafen und geschwitzt, was ich auf übertriebenen Alkoholgenuss zurückführe. Nach dem Frühstück gingen Richard, Rafal und ich zum hoteleigenen Swimmingpool & Spa inklusive Jakusi, und entspannten dort bis gegen 11:30, dann zurück aufs Zimmer, ein bisschen Geschirr wegwaschen und Reisebericht schreiben.
Notiz an mich selbst: Im Hotel sind einige Familie mit bildschönen Söhnen im unerlaubten Alter abgestiegen, möglicherweise Ungarn oder Rumänen, die nicht nur hautenge Jeans tragen wie sie jetzt modern sind, also elastische Jeans mit zwei mal umgeschlagenen Hosenbeinen und lässigen Sneakern, sie haben auch diesen spöttischen *Ich hab dich durchschaut-Blick* drauf, den ich so anziehend finde. Langbeinige Halbwüchsige in hautengen Stretch-Jeans, das kann nervös machen. Übrigens waren diese Jungs aus Israel.

Wir sitzen jetzt im Zimmer, Darek, Richard und Rafal arbeiten an den ersten Drinks und ich mache dieses Update in meinen Reisebericht, den ich übrigens in *Ulysses* verfasse, weil es sich aufgrund seiner Struktur für ein Tagebuch geradezu anbietet.

Dann gingen wir zu Fuß zunächst mal in die Stadt zum *Urinii Platz*, unter dem sich eine Metro-Station befindet, die in *Urinii 1* und *Urinii 2* aufgeteilt ist, wobei man von einem Teil der Station nicht einfach so zum anderen Teil gehen kann. Man müsste dazu in den Bereich der Station, für die man eine Fahrkarte braucht. Man kann aber auch auf Straßenniveau gehen. In den dunklen und mit Sozialismus-Charme errichteten Stationen beherbergen öffentliche Toiletten, wo angeblich immer etwas los ist. Mich interessiert das ja nicht so, aber für meine von ihren Muschis ferngesteuerten Freunde ist sowas natürlich immer aufregend wie eine Landschulwoche. Gegen 17:00 waren wir zurück im Hotel und aßen im Restaurant *SHARKIA* wirklich sehr gut. Jetzt um 18:00 empfängt Richard Besuch und um 21:00 kommt Ionuz, den ich über *Planet Romeo* eingeladen habe und der wirklich süß aussieht, in etwa wie ein etwas verdorbenerer Aaron Schwab.

Nach einem kleinen Nickerchen um 20:00 auf und auf und ab getigert. Richard ist derweil bei Darek oben und trinkt sich für den späten Abend warm.
Um 21:00 hab ich auf den Burschen gewartet, und zwar vergeblich. Das ist nicht so schlimm, wie es sich vielleicht liest, und es zeigt wieder, dass sich die ganze Nervosität nicht auszahlt. Richard, Darek und Andrej durchforsten jetzt die Toilettenanlagen der Metro von Bukarest um ihre hungrigen Muschis zufriedenzustellen und ich bin jetzt im Zimmer und schreibe ein wenig an diesem Reisetagebuch weiter und dann noch vielleicht ein wenig an meinem Roman.

Notiz an mich selbst: Es gibt in Rumänien eine ganz erstaunliche Zahl junger Männer, die auf Mature Men stehen, also auf erwachsene Männer, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Die meisten von ihnen sind halt passiv und wollen nur genommen werden, aber das liegt mir nicht. Erstens taugt mir dieser Hunger ohne Anlauf nicht, und andererseits habe ich das Grundgefühl, dass Ficken (zumindest für mich) in eine Beziehung gehört. Ich sehe darin etwas ganz besonders persönliches und intimes, dass man nicht so auf die Schnelle gibt oder nimmt.

Jedenfalls machten wir uns später, so gegen 23:00 auf den Weg zum Titanpark, um dort mit neuen Informationen ausgestattet, nach dem Rechten zu sehen. Andrej orderte über den Terminal im Hotel zwei Taxis und das klappte auch ganz gut. Darek und Richard waren bereits leicht illuminiert, Andrej ist sowieso immer nüchtern, Rafal war wenig begeistert und ich sowieso hundemüde. Die Jungs waren wie wilde Katzen, die man aus einem Karton rauslässt. Rund um den wirklich großen Park herrschte ein reges Treiben, zur Mitternachtsfeier waren Tausende Menschen unterwegs und trugen Kerzen. Die gingen auch quer durch den Park und das alles hatte mit einer Cruising-Stimmung nichts zu tun. Am Rande der Parkanlage, die in diesem Teil verwildert ist, gibt es eine Metrostation und wir zeichneten uns vor allem durch Unschlüssigkeit und schlechte Laune aus. Dann folgte ein Kommen & Gehen, ein Hin & Her, und am Ende fuhren wir mit der Metro bis zur Station Uniriplatz II, von wo aus wir durch die Altstadt zurück zum Hotel gingen. Unterwegs kauften Rafal, Richard und ich noch ein paar Kleinigkeiten zum Essen und Trinken, Darek und Andrej gingen noch in der Altstadt in ein arabisches Lokal auf ein spätes Abendessen.
Im Zimmer machte uns Richard noch ein paar Brote, und dann gingen wir satt und müde zu Bett.

 

Sonntag, 16.4.17

Heute war ausschlafen angesagt, und wir kamen wirklich erst gegen 10:30 aus dem Bett, weil Darek uns aufweckte und Ostereier mitbrachte. Auf *Planet Romeo* hat sich der Stricher wieder gemeldet, der gestern hätte kommen sollen. Er entschuldigte sich und schrieb, dass er es gestern nicht mehr nach Bukarest geschafft hatte. Ob ich heute Lust habe, ihn zu treffen, steht in den Sternen.
Jedenfalls hatten wir jetzt ein kleines Frühstück mit hartgekochten Eiern und Majonäse und Wurstbrote und Instantkaffee, sind angenehm faul und unmotiviert. Der angedachte Plan ist, heute wieder ins hoteleigene Spa zu gehen und dort bis am Nachmittag zu relaxen.
Am Nachmittag werde ich den Check-In für den Rückflug vornehmen und für Rafal den Koffer dazubuchen. Ach Scheiße, das werde ich gleich jetzt versuchen.
Das Dazubuchen hat geklappt und ich habe Richard und mich eingecheckt.
Dann waren wir mit Rafal im Spa, Darek und Andrej besuchten ein Erlebnisbad außerhalb Bukarests. Am frühen Nachmittag gingen wir zu dritt in die Stadt, wo Richard schon einigermaßen betrunken war und seine närrischen fünf Minuten zelebrierte.
In der Altstadt suchten wir dann nach einem guten Lokal, wo wir etwas essen konnten, denn die Jungs hatten nach der Toilettentour in den Metroanlagen der Stadt Hunger bekommen. Richard war nur schwer erträglich und auch Rafal hatte genug und wollte schon zurück ins Hotel, aber irgendwie hab ich es dann hingekriegt und das Ganze beruhigt. Wir tranken Champagner und Bier, aßen gar nicht mal so schlecht, nur Richards T-Bone Steak war nicht wirklich blutig und auch kein T-Bone, und es war zu schnell ausgekühlt. Trotzdem besserte sich die Stimmng und wir kamen relativ entspannt ins Hotel zurück. Dort chattete ich mit Ionutz, der zum Hotel kommen wollte und dann auch tatsächlich erschien, nur sah er ganz anders aus als auf dem Foto, das er geschickt hatte. Ich gab ihm 10€ für den Anfahrtsweg und schickte ihn weg.
Den späten Nachmittag genossen wir dann trinkend und plaudernd, und ich stand die ganze Zet über mit Rafal am Balkon, rauchte und trank und diskutierte mit ihm, besser, ich hörte ihm zu. Sein Miteilungsbedürfnis war stärker ausgeprägt als meines.
Nico kam wieder vorbei, ein kleiner, drahtiger, rumänischer Zigeuner, der anscheinend 24/7 Potenz hat. Wir gingen gegen 22:30 schlafen, Darek, Andrej und Rafal fuhren nochmal in den Titan Park, um dort nach dem Rechten zu sehen.

Montag, 17.4.17

Früh schlafen zu gehen hat gut getan, wir haben stillschweigend wieder zueinander gefunden, haben gekuschelt und recht gut geschlafen. Deshalb konnten wir unverkatert aufstehen und mit den anderen frühstücken gehen. Wir hatten schon am Samstag gemerkt, dass es im Hotel viele Israelis gibt, was mir persönlich gar nicht so aufgefallen wäre, wenn die nicht alle so bildhübsche Söhne hätten. Nach dem Frühstück, für das wir diesmal zahlten, packten wir fertig und checkten aus und Andrej orderte zwei Taxis, die auch dann nach etwa einer Viertelstunde da waren. Natürlich erwischten Richard und ich und Rafal genau den Wagen, der auf halber Strecke einen Motorschaden hatte und mitten auf der sechsspurigen Straße liegenblieb. Das Malheur war aber nicht so schlimm, fünf Minuten später war ein Ersatztaxi da und wir kamen problemlos zum Flughafen. Ungewohnt ist, dass wir sowohl beim Hin- wie auch beim Rückflug unsere Pässe herzeigen mussten. Egal.
Der Rückflug verlief problemlos und wir waren schlussendlich um 15:00 zu Hause. Das Wetter passte von Freitag bis Sonntag, nur am Montag schlug es um und es regnete und war kalt.
Die einzige Möglichkeit für schwule Touristen, in Bukarest etwas zu erleben, scheint der Titan-Park zu sein, und zwar in der Nähe der Metrostation, wo der Park besonders verwildert ist und in seiner Wildheit eine gewisse Ähnlichkeit mit der Lobau vorweist. Über Planet Romeo kann man einige Kontakte knüpfen, aber das wars auch schon. Ein zweites Mal muss ich dort nicht unbedingt hin.