Kuba 2016

Merken für den nächsten Kuba Urlaub, wenn wir mit Air Berlin fliegen:

Nicht wuschig machen lassen wegen der Sitzplatzreservierungen. Es geht ab 20 Stunden vor Abflug, dass man für beide Hinflüge eincheckt. Man kann dann am Schalter auch noch fragen, ob man sich umsetzen kann, wenn man Mittelreihe hat und am Fenster sitzen will.

Flughafentransfer, Einchecken und Security Check In am Flughafen ging schnell und ohne Probeme. Ich vermute, weil wir am Sonntag fliegen und da nicht die ganzen Business Flieger unterwegs sind.

Niki startete pünktlich nach Düsseldorf, Ankunft vor der Zeit. Man kann über den Transferweg den Zoll umgehen, und in Düsseldorf gibt es Passkontrollen ohne Personal mit Scanner und automatischen Fotos.

Abflug von Düsseldorf mit zehn Minuten Verspätung. Aber dafür zumindest in der ersten Stunde ein außerordentlich ruhiger Flug. Die Damen vom Bordpersonal sind ein wenig unkoordiniert, aber nicht bösartig.

Jedenfalls haben wir jetzt Reihe 22 und 23 links Sitze A und C, das Flugzeug ist zu cirka 80% ausgelastet. Also einige Plätze frei, um sich umzusetzen.

Das scheint ein Buchungstrick der Airberlin zu sein, der nicht einmal illegal ist: Für Online-Einchecker werden nur wenige, nicht attraktive Plätze angezeigt, um die Leute zu animieren, Wunschsitzplätze (sogenannte preferred Seats) zu kaufen. Naturgemäß tun das immer viel weniger Passagiere als gewünscht, und so kann man dann beim Schalter-Check-in fragen, ob man sich umsetzen kann, wenn man zuvor unattraktive Plätze genommen hat.

Die Reise endete pünktlich auf die Minute in Varadero. Der Bustaxifahrer wartete schon auf uns und um 14:30 waren wir auf der Straße nach Havanna. Hier sind wir um 17:00 angekommen, haben die Familie abgeschmust und packen nun Koffer aus, verteilen Geschenke und trinken saustarken Cubanito Kaffee.

Richard erwartet für 19:00 Besuch. Jetzt gerade schüttet es wie aus Schaffeln und ich schaue aus dem zehnten Stock des Edificio Presidente hinaus auf den Golf von Mexiko.

Der Besuch kam nicht und deshalb gingen wir ins Sancho Panza abendessen. Auf dem Weg dorthin hatten Richard und ich unseren obligatorischen Übermüdungsstreit, der keine thematische Grundlage hatte sondern eine rein emotionelle. Wir waren gereizt.

Das Essen war gut. Ropa Vieja, also geschneltzeltes Rindfleisch mit Kartoffelpurree. Nach dem Essen waren wir noch im Park neben dem Restaurant an der Rampa, wo es diese öffentliche Toilette gibt, wo sich die Schwulen Havannas treffen. Da war ein Kommen & Gehen und Darek und Richard beteiligten sich daran. Inzwischen hatten wir Frieden geschlossen und gingen nach dem Essen gegen acht Uhr abends zurück aufs Zimmer, wo wir vor dem Haus Yudel trafen, der dort schon eine Stunde auf Richard gewartet hatte. Ich ging zeitig ins Bett und stand zwischendurch auf, um pissen zu gehen. Kein weiterer Regen in dieser Nacht.

6.6.16

Gestern früh ins Bett, dafür heute frisch und munter. Es ist kurz nach acht Uhr, ich habe schon gelesen und zähnegeputzt und mich rasiert. Yudel hat bei Richard geschlafen und wird mit uns frühstücken. Dem Wetter entsprechend werden wir heute nicht an den Strand gehen sondern in der Stadt bummeln und einige Vorräte fürs Zimmer kaufen. Also Sprite, Mineralwasser, Cola vielleicht auch …

Zuerst gehe ich jedenfalls mal auf die Bank, Geld wechseln. Dann gibts um 10:00 Frühstück. Dann sehen wir weiter.

Andrej und ich waren auf der Bank.

Best Practice Banken

Es empfiehlt sich, zu jedem Bankbesuch zumindest ein normales T-Shirt zu tragen und kein Tanktop, sowie Schuhe, und keine Flipflops.

Auf Kuba ist es ratsam, möglichst in kleinen Scheinen zu wechseln. Also selbst große Beträge bevorzugt in 1ner, 3er, 5er, 10er und 20er zu stückeln, damit man leichter durchkommt. Bei Kleinausgaben wie Taxi, Imbisse udgm.

Jetzt, nach dem Frühstück gehen wir in die Galeria, Schlauch kaufen und ein paar Getränke besorgen. Das Wetter bessert sich zusehends und obwohl es noch bewölkt ist, wird es heller und heller, die Straßen trocknen, es dampft.

Best Practice Kleidung

Was die Kleidung betrifft: Es ist vielleicht ratsam, die Kleidung, die man nicht so attraktiv findet, in den ersten zwei bis drei tagen zu tragen, da man in den ersten tagen normalerweise am meisten schwitzt. Wenn man sich einmal akklimatisiert hat, schwitzt man nicht mehr so stark und durchschwitzt die schönere Kleidung nicht so dramatisch.

Dann kam doch der Regen, als wir die Galeria verließen und auf dem Weg zurück waren. Ein Sommerguß, warm wie eine Dusche. Jetzt sind wir wieder auf unseren Zimmern und trocknen die Sachen, während draußen Autos durch den Regen rauschen.

Das Wetter macht uns einerseits nichts aus, andererseits aber schränkt es die Möglichkeiten enorm ein, etwas zu unternehmen.

Ich arbeite halt an der Fortsetzung von „Die Inseln im Westen“ weiter. Und das gelingt mir hier ziemlich gut.

Cubanos auf der Straße

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Dann waren wir noch zu Abendessen in dem kleinen Lokal nahe der Avenida de los Presidentes, in einer schattigen Seitengasse, wo aus den Bäumen der Regen tropfte. Im vorigen Jahr waren wir schon einmal hier. Das Personal wurde ausgewechselt, und wie so oft, verbesserte das nicht unbedingt den Gesamteindruck. Das Essen war ganz gut, und in Emangelung interessanter Alternativen aßen wir wieder Ropa Vieja, Darek und Bogdan hatten Spießchen. Nach dem Essen gingen wir heim und tranken etwas, und weil es in einer Tour schüttete, begruben wir unsere Pläne, an den Malecon zu gehen. Wir sind, was das betrifft, nicht gerade zimperlich, aber der Dauerregen würde selbst einen Aufenthalt im Bim Bom ermüdend und nass machen. Also blieben zu Hause, ich schrieb noch ein paar Seiten am neuen Roman, und dann gingen wir gegen 22:15 schlafen.

7.6.16 – Das Ende des Regens

Dann war der Regen zuende und die Wolken faserten auf, so als ob das Licht des Himmels die schwächsten Stellen suchte, um sich nach unten, zu Erde und Meer, durchzuarbeiten. Die Straßen sind schon halb getrocknet, und die Luft ist zwar noch feucht, aber nicht mehr so schwül wie in den letzten zwei Tagen.

Was haben wir heute vor? Da das noch kein wirkliches Badewetter ist, werden wir heute unseren großen Spaziergang durch die Stadt machen, der schon beinahe Tradition hat. Wir gehen von unserem Quartier in der Avenida de los presidentes am Malecon entlang bis zur Altstadt, stromern dann über den Paseo de Prado zum Parque Central und kurven dort herum, dringen in die Obispo ein und genehmigen uns im Ambos Mundos ein paar Drinks. Dann gehen wir zurück zum Park, trinken Bier oder Mineralwasser und scherzen mit den einheimischen Jungs, vereinbaren vielleicht, wenns passt, Treffen für den Abend am Melcon. Denn wenn sich das Wetter halbwegs stabilisiert, und es sieht so aus als ob es das würde, dann gehen wir mit allergrößtes Sicherheit heute Nacht über die Rampa hinunter, kaufen eine Flasche Rum und eine Flasche Gaseo Limon, die Becher haben wir mit, pilgern am Bimbom vorbei, und setzen uns auf die Mauer, so wie es die gute, alte Tradition will.

Das Wetter hat sich nicht stabilisiert. Also schon, nur nicht so, wie wir uns das wünschten. Am Abend regnete es unverdrossen weiter, der Himmel schloss seine Löcher und nach dem Abendessen im Sancho Panza gingen wir nach Hause. Nach einem Nickerchen grübelten wir, ob wir trotz Regen ausgehen wollten und beschlossen, mit einem Taxi bis zum Bimbom zu fahren. Die Taxifahrer beim Hotel Presidente haben da sehr merkwürdige Preisvorstellungen. Zehn CUC für die kurze Strecke. Ein Stück weiter angelten wir ein Privattaxi aus dem Verkehr und kamen zum Bimbom, das, wie es das Glück wollte, geschlossen war. Mutmaßungen gingen dahin, dass die Polizei verboten hatte, die Gitter zu öffnen, da sie das schwule Treiben dort unterbinden wollten, also blieben wir gegenüber unter den Arkaden eines Bürobaus, wo alle anderen standen. Dort waren dann auch Musiker, die ganz gut sangen. Richard ud Darek organisierten Rum und Gaseo Lemon und es wurde dann en ganz brauchbarer Abend. Die Lebensfreude der Kubaner lässt sich halt auch durch Verbote und Regen nicht auf Dauer einsperren.

Darek und Richard lernten nette Kubaner kennen, Thomas fand einen, der ganz hübsch war, aber, wie sich später herausstellte, völlig talentlos. Ich hatte einen Fan, einen taubstummen Kerl von etwa fünfundzwanzig Jahren, dessen Tour, mit seinem Handicap zu arbeiten, mir nachdrücklich auf die Eier ging. Wir teilten uns zu ein Taxi und fuhren gegen zwei Uhr morgens zurück in die Av. de los Presidentes.

8.6.16 Doch keine Wetterbesserung

Heute sanft verkatert um 09:00 auf und gleich mal einen starken kubanischen Kaffee, um wieder in die Gänge zu kommen. Beim ersten Blick aus dem Fenster dachte ich, sie seien wegen der Luftfeuchtigkeit angelaufen, beim zweiten Blick war zu erkennen, dass es einfach nur stark regnete und deshalb der Golf von Mexiko nicht zu sehen, nur zu erahnen war.

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Obwohl mich das Wetter auch anpisst, kann ich ganz gut damit klarkommen, weil ich so die Ruhe und Zeit finde, dieses bald sinnlose Reisetagebuch zu schreiben (sinnlos, weil der Regen für mögliche Reisen nicht gerade förderlich ist) und kann am neuen Roman weiterschreiben. Natürlich stand heute schon recht ernsthaft die Diskussion im Raum, nicht mehr in den Sommermonaten hierher zu fliegen, sondern auf September oder Oktober auszuweichen. Tröstlich ist für mich auf jeden Fall die geplante und bereits gebuchte Woche auf Gran Canaria kommenden Oktober zu Richards Geburtstag.

Heute werden wir vielleicht in das Einkaufszentrum am Hafen in der Bucht von Havanne gehen, das in einer alten Lagerhalle errrichtet wurde, um Touristentrödel anzusehen – und vielleicht auch zu kaufen.

Als Reiselektüre arbeite ich mich gerade an José Saramago ab: Das steinerne Floss, ein überaus eigenwilliger und fantastischer Roman, in der erzählt wird, wie sich die iberische Halbinsel von Europa trennt und aufs Meer hinaustreibt. Klar lesbar ist, dass Saramago den selbsternannten Spezialisten und den sich aus Politik und Militär bildenden, Macht ausübenden Untergruppierungen zumindest sehr kritisch gegenübersteht und die Chance, eine solche Situation zu meistern, mit ihr zurechtzukommen, eher dem Einzelnen zuschreibt, dem einfach Mann, dem Bauern, Viehhüter, dessen Interessen nicht politisch, sondern bestenfalls sozial sind.

Ein anderes Buch, das ich in Lesepausen lese, ist Hartmut Rosas Resonanz, eine philosophische betrachtung darüber, wie ein gelungenes Leben lebt und wie man die Merkmale eines solchen quantifiziert und nachvollziehbar macht. Das Buch ist eine Art Antwort auf sein anderes Werk, dass die Beschleunigung des Alltags thematisiert. Rosas Ansatz ist nicht die Entschleuigung sondern die Suche und Wahrnehmung von Resonanz, die Weltwahrnehmung. Sein Werk dient Frank Ostrowski in meiner Fortsetzung zu Die Inseln im Westen als Basis für seine Ersatzreligion, die die gesellschaftliche Basis der Sphere umfassen soll.

Jetzt gibts mal Frühstück, und dann sehen wir weiter.

Und dann das Wetter, so

Um 14:00 gabs ein Essen im Quartier, das Lizbet für uns bereitet hatte. Langusten mit Kartoffelpurree und zuvor eine Bohnensuppe mit Reis. Als Nachspeise eine Schokoladentorte.

Dann, nach einigen Hin & Her entschlossen wir uns doch, in die Stadt zu fahren und kaperten ein Oldsmobile um sechs CUC. Kurz nachdem wir im Park die erste Runde gedreht hatten, brach der Himmel und es goss wie aus Eimern. Das hinderte uns nicht daran, unter den Arkaden des alten Kinos Haifischrunden zu drehen. Es gab viele Männer, die dort, wie immer, Kontakt suchten, einige überdrehte, alte, kubanische Tunten, und, um alle ein wenig zu verwirren, inklusive uns, ein etwa dreißig Mann starker Bautrupp, vermutlich aus Jungsoldaten zusammengestellt, die in einem nahen Gebäude Restaurationsarbeiten durchführten, in kalkverstaubten Militärhosen, schweren Stiefeln, mit jungen, wilden Blicken. Darek vereinbarte mit einem sehr schmächtig aussehenden Jungen, dem ich keine sechzehn Jahre gegeben hätte, der aber nachweislich fünfundzwanzig war, ein Treffen im Appartment zwischen acht und halb neun Uhr abends. Er ist gerade gekommen und Thomas und Andrej mussten aus dem Quartier weichen, wo sie sich gerade aufhielten, weil es nun für die nächsten dreißig oder vierzig Minuten der Befriedigung fleischlicher Gelüste gehört.

Über dem Golf reißt der Himmel auf, der Regen ist verebbt, die Straßen trocknen im karibischen Wind. Ganz gewiss ist, dass wir heute den Malecon besuchen. Zum ersten Mal richtig, in diesem Urlaub. Ich freue mich schon sehr darauf, mit dem Gewicht der karibischen Nacht auf den Schultern, Rum zu trinken, dem Treiben zuzusehen und zu flirten.

Wir tranken im Quartier ein paar Gläser Rum mit Gaseo Lemon und gingen dann zu Fuß im trockenen Nachtwind über die Avenida de los Presidentes rauf bis zur Rampa, und die Rampa dann runter bis zum BimBom, wo wir Rum und Zumo de Naranja kauften. Der Malecon war trocken und wir trafen einige Bekannte wieder. Unter anderem den ziemlich perversen aber hübschen Alexander und Rolly, eine frühe Eroberung von Richard, der jetzt leider ein wenig aus dem Leim geht. Und ja, dann tauchte auch noch Yelandris auf, den ich 2010 kennenlernte und der bis 2012 meine Nummer 1 war, bis er dann auf einmal weg war. Yelandris ist ein sehr schlanker Mann von 33 Jahren, ein afroasiatischer Mischling mit einem bezaubernden Katzenblick. Die Freude war groß und bei ihm schon fast manisch, aber vielleicht misinterpretiere ich karibische Freude. Jedenfalls verbrachten wir alle zusammen dann unseren Abend am Malecon, gingen gegen halb zwei noch auf eine fette Pizza, dann fuhren wir heim. Der Taxifahrer von Darek versuchte, sich die zehn CUC zu garnieren, die Darek im gab, behauptete, er habe kein Wechselgeld, obwohl der Fahrpreis ausgemacht war. Als der Wagen stand, zog Darek den Autoschlüssel ab und sagte auf spanisch: „Kein Wechselgeld? Ok, kein Schlüssel.“ Auf einmal konnte der kleine Gangster doch wechseln.

Yelandris und ich fanden zum Sex wie ein gut eingeübtes Ehepaar, aufeinander Rücksicht nehmend und doch fordernd, ein bißchen trunken und ein wenig rabiat. Er ging dann gegen 04:15, weil er heute arbeiten musste, und wir vereinbarten, uns in der nächsten Nacht gegen Mitternacht am Malecon zu sehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das will, denn ein guter Teil von Yelandris großer sexueller Geschicklichkeit besteht aus Besitzanspruch, den er an mich stellt.

Leicht betrunken ins Bett, Licht aus, gute Nacht.

9.6.16 Daily Business

kein Eintrag

10.6.16 Mi Cayito

Das Wetter zeigte sich heute morgen stabil und sonnig, also frühstückten wir um 10:00, ich ging noch einmal zur Bank, 300 € zu wechseln, dann fuhren wir mit Ernesto, dem Vater von Lizbet, nach Mi Cayito, wo wir immer sind, wenns Wetter passt. Das Meer war ruhig und türkis wie auf einem Gemälde, der Himmel über dem Meer dramatisch aber ungefährtlich. Wir blieben bis rund 16:15, fürs erste Mal Sonne mehr als genug, Andrej ist rot wie ein Krebs, der gekocht wird.

Jetzt haben wir mal den Sand aus den Haaren und das Salz von der Haut geduscht, Aftersun aufgetragen und rasten ein wenig im kühlen Luftzug der Klimaanlage. Ich schreibe diese paar Zeilen, bald brechen wir auf und gehen in unser Stammlokal essen. Später wieder zurück ins Zimmer, ausrasten und um 23:00 oder so wieder an den Malecon. Nirgendwo anders ist das Leben Kubas so einfach zu verstehen.

Richard und ich verließen den Malecon gegen 00:30 wegen maßloser Überfüllung, weil das Sprite lauwarm war und weil Polizisten Strafen androhten, wenn man mit Rumflaschen aus Glas an den Malecon geht. Wir gingen zu Fuß heim und schliefen im selben Bett ein. Schön wars.

11.6.16 Mi Cayito II, der Wetterdreher

Nachdem Richard und ich gestern Nacht erfreulich früh und nüchtern schlafen gingen, waren wir heute unverkatert munter, und nach dem üblichen üppigen Frühstück ging es gegen 11:00 ab nach Mi cayito – womit wir langsam in die Routine zurückfinden, die unsere Aufenthalte auf Kuba prägt, wenn es nicht regnet. Ernesto brachte uns hin und wartete mit dem Wagen im Schatten hoher Büsche auf dem Zufahrtsweg zu einem verwilderten Feld.

Heute war großer Auflauf an Tunten und Jungschwulen, wobei die Grenzen zwischen Strichern, Jungschwulen und Tunten sehr fließend sind, und alle irgendwie am Strandleben partizipieren. Die Durchmischung von Schwarzen, Indios, Indiochinesen, Mulatten und weiß Gott was noch alles, prägt die ausgelassene, freundliche Stimmung, in der ebenso selbstverständlich geflirtet wie getrunken und geschwommen wird. Oder am Strand geposed, angegeben oder verführerisch geblinzelt.

Richard hat einen sympathischen Schwarzen kennengelernt, der ihn heute Abend um 20:00 besuchen wird. Daher gehen wir etwas früher essen als sonst. Wie es danach weitergeht, werden wir noch sehen. Sicher ist, dass wir aus Schaden klug geworden sind, und zum Malecon eine Tasche mitnehmen, in der wir eine gefrorene Flasche Sprite mitnehmen und in die wir den gekauften Rum packen. Man kann natürlich den Rum, so wie wir es gestern machten, in eiine Plastikflasche umgießen, aber das ist irgendwie entgültig stillos. Deshalb die Tasche 🙂

Und bevor wir uns daran machen konnten, uns schön anzuziehen, kamen Darek und Thomas mit zwei Jungs vom Don Quichotte Park, dann tauchte auch noch der auf, mit dem sich Richard am Strand verabredet hatte. Drei Kubaner, einer hübscher als der andere, treiben es miteinander, mit Darek und Andrej und Richard und zwar in aller Unverschämtheit und Lust.

So soll es sein.

Später dann wider Erwarten doch noch an den Malecon, um dort nach dem Rechten zu sehen. Die Mauer unterhalb des Hotel Nacional, am Ende der 23nd Straße war quasi wegen Überfüllung geschlossen. Wir fanden doch noch Platz zwischen einigen Freunden und Fremden, die aus unterschiedlichen Motiven mit uns tranken und lustig waren.

Ich hatte gegen 02:00 die Nase voll, Andrej hatte Orlando im Handgepäck, will sagen, in seinem Zimmer, Darek und Thomas blieben am Malecon, und ich ging allein am Malecon an der neuen USA Botschaft vorbei nach Hause, wo ich am Ende der Av. De los Presidentes auf Richard und Yudel stieß, die mich mit dem Taxi überholt hatten. Heim, schlafen gehen alles bestes.

12.6.16 Sonntag also

Wie wir später erfuhren, kam Darek erst gegen 04:20 nach Hause und die Jungs waren zu gerädert von der Nacht und ihren mannigfaltigen Überraschungen, so dass sie auf eine Strandfahrt verzichteten. Ernesto wollte uns heute nicht bringen, weil es am Sonntag sehr viele Polizeikontrollen gibt, bei denen ganz speziell nach privaten Taxis fahnden, die Touristen im Fond haben. Da würde dann ganz genau überprüft und immer etwas gefunden, alles natürlich zum Schutz des werten Touristen. Ha.

Yudel half uns, ein Privattaxi zu organisieren, der uns um 25 CUC zum Strand brachte und von dort um 15:30 wieder abholte. Das lief erfreulich problemlos und schnell, und so kamen zumindest Richard und ich noch rasch in den Genuß eines Badenachmittags.

Richard & Yudel

Mi Cayito füllte sich bis 14:00 mit einer unüberschaubaren Menge von Schwulen: Pärchen, Stricher, Transen, efiminierte Bartträger, in Seidenstrandtücher gewickelt wie Kleopatra, irgendwie witzig, aber auch in seiner Problemlosigkeit berührend. Mach das mal in einem Strandbad in Wien.

Obwohl mir klar ist, dass auf Kuba vieles falsch läuft, oder so, wie wir es nicht erwarten oder verstehen, spürt man doch zumindest eine Eigenschaft sehr schnell, nämlich die Gabe der Kubaner, aufgrund des aufgezwungenen oder notwendigen, wirklich gelebten Sozialismus, ihren Mitmenschen immer eher wohlwollend und hilfsbereit gegenüberzutreten, als konkurrierend und herausfordernd. Es wird eher die hand gereicht, um zu helfen, als die Faust geballt, um zu schlagen. Und das geschieht sehr oft eingefleischt, als eine Form gedankenloser Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Wir sind jetzt auf dem Zimmer, geduscht und geaftersuned, Richard macht ein Nickerchen und ich trage ins Tagebuch ein.

Was ich an Kuba, speziell aber an unserem Quartier immer wieder liebe, ist der Ausblick aus dem Badezimmer auf den Golf von Mexiko.

Als schlaue Selbstversorger hatten wir diesmal zwei Flaschen mit gefrorener Limonade mit am Malecon, was uns den Grßteil der Nacht kalte Drinks sicherte. Es war ziemlich viel los, aber wesentlich entspannter als Samstagnacht. Die Musiker im Dunkel waren wirklich gut, und wir haben gesungen und herumgetanzt und es stellte sich das alte kubanische Gefühl ein, das Leben zu lieben ohne auf irgendetwas materielles angewiesen zu sein.

Dann kam noch Yelandris, diesmal wesentlich cooler als bei unserem Wiedersehen, was sich dann auch anschließend im Zimmer als sehr angenehm erwies. Er schlief bei mir, was auch schön war, und ging vor dem Frühstück. Gegen halb fünf war Zapfenstreich.

13.6.16

Heute etwas geschwächt bis 10:00 im Bett, dann Frühstück um 10:30 und anschließend an den Strand. Richard hat gerade gemeint, ob wir den Strand sausen lassen, wegen Geldabheben in der Stadt und so. So ein Unsinn, hab ich ihm gleich ausgeredet. Geldholen machen wir nach dem Abendessen auf der Rampa.

Ernesto brachte uns hin und während der Fahrt überlegte ich, wie wir das früher schön und lässig finden konnten, vor dem Baden am Strand durch die Hitze zu latschen, und zwar rund drei Kilometer bis zu Busstation von Viazul. Hingebracht und abgeholt zu werden, hat einige Vorteile, selbst wenn das alte Ungetüm, mit dem wir gefahren werden, keine Klimaanlage hat.

Also an den Strand und durch einen kurzen, sehr schwachen Regen. Bei Mi Cayito war dann alles wieder in Orrrdnung, wie Darek das sagen würde, und wir lernten ein paar Jungs aus der Umgebung kennen, von denen sich einer besonders für mich interessierte, und den ich extrem gutaussehend fand. Ein ein dunkler Indiochinese mit winzigem Palmenzopf, einem schönen Körper und einigen, nicht wirklich gut verheilten Wunden von Arbeitsunfällen. Er ist Maurer, heißt Saul und ist für mich mit siebzehn Jahren, obwohl im erlaubten Alter auf Kuba, viel zu jung, um ihn auf andere als ästhetische Weise anziehend zu finden.

Um 4 Uhr gings nach Hause, ich besuchte das Hotel Presidente, um die Evernote Notizbücher zu synchronisieren. Dann gingen wir zum letzten Mal ins Sancho Panza essen und Richard lud seinen neuen Kumpel Edlin ein, einen bärtigen, sanften und sehr männlichen Kubaner, mit uns zu Abend zu essen.

Ich denke, ich werde den Malecon heute auslassen und gegen 23:00 ins Bett gehen, um morgen fit zu sein. Da haben wir einiges vor.

Denn Morgen geht es zum zweiten Teil unseres Urlaubs, nach Varadero, in unser Stammhotel Starfish Cuatro Palmas.Andrej freut sich schon wie verrückt auf das gute Essen dort, und ich freue mich auf stressfreie Stunden am Strand, Müßiggang, sanfte Wellen, alles sauber und gepflegt, und vom Zimmer aus in fünf Minuten erreichbar. Ohne Auto.

14.6.16 Letzter Tag in Havanna

Heute ist unser letzter Tag in Havanna. Gestern waren Richard, Darek und Thomas noch für eine Stunde auf dem Malecon und kamen gegen 01:00 nach Hause. Ich ging gar nicht fort, blieb zu Hause und schlief mich aus.

Heute gegen 09:30 wach, angefangen zu packen, dann Frühstück, jetzt ein paar Zeilen schreiben und warten, bis Richard mit Packen fertig ist.

Havanna hat uns also diesmal mit ausgiebigen Regen empfangen und wir konnten nur wenig bis gar nichts unternehmen. Bei leichtem Regen und dichter Bewölkung gibt es viel, das man unternehmen kann, ich denke da nur mal an ausgiebige Fototouren durch die Stadt, denn das Licht in Havanna hat auch bei Bewölkung eine ganz eigene Qualität, oder den Besuch des Hemingway-Hauses in San Francisco de Paula in den Hügeln hinter Havanna. Aber bei dem Starkregen kann man immer nur kurzzeitig hinaus und muss sich in der Nähe von Unterständen und Arkaden aufhalten. So kam es eben, dass wir in den ersten Tagen wenig unterwegs waren und wenn wir uns in der Stadt aufhielten, dann meistens in der Nähe des Parque Central.

Dann kam doch noch das schöne Wetter und für uns die Zeit des Strandes. Das hob dann doch die Urlaubslaune. Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag und Montag waren wir am Strand, und das bei fast ausschließlich sonnigem Himmel. Ab und zu bildeten sich diese Horizontwolken, wie ich sie nenne, weiße Wolkenberge in weiter Ferne, die eine Reihe bilden wie schneeweiße, über der Horizontlinie schwebende Gebirge.

Jetzt ist es kurz nach elf Uhr vormittags und ich freue mich schon auf die ruhigen und vermutlich auch langweiligen Tage in Varadero, wo ich am Strand liegen werde, um zu lesen, hin und wieder über den Rand des Kindle zu spähen, wie die Lage der Welt ist. Zwischendurch eine Kleinigkeit trinken, um der Schönheit des Strandes die Begeisterung der eigenen Trunkenheit hinzuzufügen.

Im Wohnzimmer ist wieder Riesengelächter und kubanische Witzelei, etwas, das mir in diesem Haus immer wieder gut gefällt. Wir fühlen uns als Gäste schon fast als Teil der Familie, werden in Diskussionen und Scherze mit einbezogen und ausnehmend gut behandelt.

Das Taxi kam pünktlich um 13:30 und die Fahrt dauerte genau zwei Stunden. Wir checkten bis um 16:00 ein und brauchten rund eine Stunde, um unsere Sachen auszupacken.

Es kam dann zwischen Richard und mir zu einigen Spannungen – eh wegen nichts, vor allem aber, weil ich das, was ich sagen, will, oft falsch ausdrücke und ihn damit brüskiere. Da muss ich an mir arbeiten.

Das Essen war sehr gut, also wirklich sehr gut und im Restaurant vom Starfish Cuatro Palmas gibt es einen jungen, schönen Kellner, der natürlich sofort angeflirtet wurde. Vor allem von Darek, der diesbezüglich in Vulgarität und Deutlichkeit immer übertreibt. Man konnte regelrecht sehen, wie dem jungen Kellner, der Andi heißt, das freundliche und natürliche Lächeln immer schwerer fiel.

Nach dem Essen gingen wir aufs Zimmer und Richard war etwas angespannt, weil sich ein Husten anbahnte und weil ihm nicht gut war. Also blieben wir da bis gegen 23:00, standen dann auf und gingen noch mal runter zu den Cafes gegenüber des Hotels, wo Darek zwei kubanische Stricher auflas, mit denen wir dann trinkend und plaudernd ein wenig Spaß hatten.

Gegen 01:30 war dann Zapfenstreich und wir gingen schlafen.

Einschlafen war trotzdem schwer, weil das Bett irgendwie anders ist und die Klimaanlage, ohne die man gar nicht schlafen kann, penetrant über uns hinwegstrich.

15.6.16 Erster Tag Varadero

Heute gegen 08:00 auf, duschen, zähneputzen und ab zum Frühstück, das sehr gut war. Später am Strand regte sich Richard wieder über jene unverschämten Gäste auf, die schon zeitigst in der Früh Liegen reservieren und dann stundenlange nicht daherkommen. Selbstverständlich Liegen am Strand ganz vorne in der ersten Reihe fußfrei.

Wurscht, wir blieben zunächst mal bis gegen 11:00 am Strand, dann gingen wir in die Halle und buchten für uns für den 16.06.2016 das Angebot „Schwimmen mit Delfinen“, das ganz in der Nähe, etwa fünf Kilometer weiter raus auf Hicacos veranstaltet wird, mit anschließender Delfinschow. Wir werden um 09:20 abgeholt und ich schätze, wir werden gegen Mittag wieder hier sein.

Später kamen Darek, Andrej und Bogdan dazu, der Himmel war tonnenschwer bewölkt, aber wir lagen in der Sonne.

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Gegen Mittag waren wir im Strandbuffet Fisch essen, der sehr lecker schmeckte. Bogdan, Darek und Andrej gingen dann um 14:00 ins Restaurant Mittagessen. Ab ca. 15:30 wurde das Donnern lauter und pampiger und wir packten gerade rechtzeitig unsere Sachen, um vor dem großen Tschinbumm ins Trockene zu kommen.

Vorher, kurz bevor wir im Strandbuffet waren, genossen wir einen sonnigen Regenguss (weil die Sonne tiefer im Osten stand und das Gewitter direkt über uns runterkam – oder so).

Also frisch geduscht und onduliert, will sagen, geaftersuned, ging ich dann runter in die Halle und kaufte zwei Stunden Internet, um die Fotos von meinem iPad auf Richards iPad zu bringen, was sich als zeitaufwändig und nicht ganz trivial herausstellte. Da muss man zuerst eine Art Apple Familien-Share einrichten, und eer Eingeladene muss die Einladung annehmen, aber nachdem diese administrative Hürde genommen war, klappte da ganz schick, aber langsam. Ich schaffte es nicht, in knapp einer halben Stunde alle Fotos zu synchronisieren. Aber jetzt weiß ich ja wie es geht. Währenddessn nagelte ein Gewitter vom Himmel, das sich gewaschen hatte. Richtige gläserne Kracher, die den Boden zittern ließen.

Gut, Richard ist jetzt bei Darek im Zimmer und trinkt einen Aperitiv, ich sitze bei uns im Zimmer auf dem Bett und mache diesen Eintrag, Es ist hier zwanzg nach sieben Uhr abends, und ich habe schon etwas Hunger.

Zwischenbemerkung: Wir alten Tunten lassen uns vom Regen den Urlaub nicht vermiesen. Musik im Zimmer, Drinks vom Buffet, eine Zigarette auf der Veranda, während es in Strömen regnet. Richard hat eine App auf dem iPad, mit der man Gesichter bestimmte Masken überziehen kann, was bei uns zu ziemlich klosettischem Gelächter führte. Wir sind leicht beschwippst, und das ist ganz in Ordenung so. Wir haben Urlaub und haben die Zwanglosigkeit zum Kanon des Moments gemacht. Was nicht bedeutet, dass wir stillos werden und uns daneben benehmen.

16.6.16 Schwimmen mit Delfinen

Alles macht man zum ersten Mal.Wir kommen seit 2010 jedes Jahr nach Kuba, manchmal sogar zweimal pro Jahr und bis heute haben wir es nicht geschafft, ins delfinarium zu fahren. Heute war es soweit. Das Delfinarium liegt etwas weiter draußen auf Hicacos und man kommt mit einem gecharterten Transtur-Bus dorthin, der auf der Strecke weitere Gäste aus anderen Hotels einsammelt.

Zuerst gibt es eine Show und dann das Delfinschwimmen, das ganze Paket kostet 89 CUC pro Person.

Alleine die Tiere aus der Nähe zu sehen, ist bewegend. Die Show hat etwas fließbandmäßiges, zeigt aber deutlich eine gewisse Freundlichkeit zwischen Trainern und Delfinen.

Das Schwimmen mit Delfinen ist ein Erlebnis für sich, vor allem weil es stets etwas unverkrampftes hat.

Das gesamte Gewässer, in dem die Show stattfindet und das Schwimmen, ist ein ruhiger Seitenarm des Strandes, ein trübes, stehendes Gewässer, das in zwei Sektionen aufgeteilt ist: einerseits das Areal für die Show, und weiter links, von den Rängen aus gesehen, die durch Stege getrennten Becken, in denen maximal bis zu sechs Personen mit dem Personal dann mit den Delfinen schwimmen, wobei es Bussis gibt, man wird von den Delfinen gezogen und dann sogar von zwei von ihnen an den Füßen angeschoben, bis man aus dem Wasser nach oben schießt und kurz auf deren Schnauzen steht, während sie über das Wasser schwänzeln.

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Das ganze dauerte von 11:00 bis 12:30, gegen 13:00 waren wir zurück, aßen eine Kleinigkeit, jetzt haben wir uns geduscht und gehen in die Stadt, um Andenken und anderen Krempel zu kaufen.

Wir entwischten bei der Show und beim Schwimmen mit den Delfinen gerade noch dem üblen Wetter. Als wir um Bus saßen, donnerte und regnete es los, und als wir im Hotel waren, wars schon wieder vorbei.

17.6.16 – Strand

Heute, obwohl, oder gerade weil, bewölkt, waren wir mehr oder weniger den ganzen Tag am Strand. Die Luft war lau und das Licht silbern, das Meer friedlich wie der Beischlaf eines kommandierenden Generals.

Gegen 11:00 war ich in der Hotelhalle die Fotos und Videos abholen, die wir gestern bei der Delfinshow bestellt hatten.

Mit Nibis Amida komme ich ganz gut, aber nicht schnell voran. Vor allem muss ich noch eine längere Vorgeschichte erzählen, bis ich den magischen Jungen (O-Ton W.S.Burroughs) auftreten lasse. In all seiner zerstörerischen Schönheit und Glorie.

Ein Nebefaden der Hauptgeschichte rund um den misslungenen Mordversuch an Feinberg handelt von den telepathisch begabten Mädchen, die einen inneren Kompass haben, der ihnen die Richtung zeigt, in der die Sphere fliegen soll, um habitable Planeten zu finden. (Wobei sie in erster Linie verlassene Planeten entdecken, oder solche, bei denen die Bewohner es nicht geschafft haben, in das Alter der Reisenden aufzusteigen und sich selbst vernichteten.

Jetzt sind wir im Zimmer, geduscht und alles, und machen mal ein Nickerchen.

Das mit dem Nickerchen war eine fromme Idee, die sich leider nicht umsetzen ließ, weil im Zimmer auf einmal alles schief lief, was nur schieflaufen kann. Zuerst stellten wir fest, dass der Eiskasten nicht mehr funktionierte. Dann, das die Klimaanlage nur noch warme Luft ausspie, und zu guter Letzt, dass wir mit unserer Karte den Zimmertresor nicht mehr öffnen konnten. Nach mehrmaligen und gestaffelt ungehaltenerem Inistieren bekamen wir schließlich ein anderes Zimmer, und zwar im angeschlossenen Neubau, in dem die frisch renovierten Kolonialzimmer sind. Und da klappte es auch dann mit der Klimaanlage und alles ist fein, bis auf den Blick auf die Nebenstraße, aber wo Sonne ist, muss auch Schatten sein, sonst wirds wüst.

Wegen einer Nacht hätten wir vielleicht keinen solchen Tango gemacht, aber bei zwei Nächten in der tropischen Hitze und ohne Klimaanlage, nein, geht nicht.

Darek und Richard sind ein wenig spazieren gegangen, zu Abend essen wir dann gegen neun Uhr. Ich schreibe im Zimmer am neuen Roman weiter und versuche dann, ein Nickerchen zu machen.

Später am Abend noch die Show angesehen, von der Seite. Ich trank Daiquiri, der recht gut war. Später gingen wir raus auf die Calle 62, wo gegen Mitternacht die Kubaner eintrudelten. Manche mit ihnen mit Touristinnen, andere mit Scheinfreundinnen, um ihre Stricheraktivitäten zu tarnen. Mannschaftswägen voller Polizisten. Geschrei, laute Musik, Anreißergeplärr. Tanzende Touristen. Tanzende Kubaner – was für eine sinnliche Eleganz.

18.7.16 – Kein Eintrag

19.6.16

Gestern waren Richard, Darek, Thomas und Andrej waren noch mit ein paar Kubanern und Andi, dem Kellner aus dem Starfish Cuatro Palmas, in einer Diskothek, die ihnen als very gay angepriesen wurde. Das war sie natürlich nicht und der Grund, warum der eine Kubaner unbedingt wollte, dass sie mitgehen war der, weil er (einen) Sponsor(en) für den Eintritt brauchte.

Richard kam dann einigermaßen betrunken ins Zimmer, es war ca. 03:15 morgens. Er schlief ein wenig, wurde dann munter, ich nenne das die Rauschmunterkeit, wenn man vor lauter besoffen sein nicht schlafen kann. Später stand er auf ums aufs Klo gehen um zu kotzen, und stürzte mit einem Mordskrach zu Boden. Ich fuhr aus dem Bett wie von der Tarantel gestochen und sah ihn im Vorraum liegen, blutüberströmt, unfähig zu reden, halb ohnmächtig. Ich rief sofort in hellster Panik die Rezeption an und die schickten einen Arzt aus der gegenüberliegenden Touristenklinik herüber. Richard kam dann etwas zu sich und der Arzt meinte, er müsse sich zuerst mal den Kopf waschen, damit er sehen kann, was los sei. Es war jedenfalls eine Menge Blut los.

Langer Rede kurzer Sinn: Er hatte eine Platzwunde auf dem Hinterkopf, die mit neun Stichen genäht wurde. Blieb dann über eine Stunde in der Klinik an der Transfusion, um ihm das Blut durchzuwaschen oder sowas. Ich hatte ja schon Panik, dass wir hierbleiben müssen, weil es etwas Schlimmeres sein könnte. Jedenfalls bezahlte ich die Behandlung alles in allem 340€.

Nach der Infusion ging es ihm dann auch gleich besser, und er sieht zwar mit dem Verband am Kopf nicht schick aus, ist aber wieder fest auf den Beinen. Fahrt zum Flughafen war fein, das Einchecken aber ein Witz. Einerseits, und das ist gut, wird die Ausreisegebühr nicht mehr eingehoben. Andererseits saß da ein Arschgesicht von kubanischem Beamten am Schalter, der uns pardout nicht auf Fensterplätze setzen wollte und behauptete, dass das vorgegeben sei und er das nicht ändern könne. Jetzt, im Flugzeug, stellt sich heraus, dass seine Aussage, dass der Flug voll sei, eine reine Lüge war. Der Flieger ist zu bestenfalls 80 ausgelastet. Der Dreckskerl wollte sich einfach nur ein Taschengeld machen.

Die Flugzeit wurde mit 8,40 berechnet, und das ist sehr fein, weil wir da kurz nach sieben Uhr morgens in Düsseldorf ankommen. Bis jetzt läuft alles angenehm und ruhig. Aber ich hasse die Mittelreihen. Da muss ich nie wieder her. Außerdem scheint es, als ob die Reihenabstände weiter hinten im Flugzeug etwas geringer sind, als weiter vorne. Kann mich aber auch täuschen.