Der Falke im Sturm

Der Falke im Sturm

Der französische Student Lucas Reno wird von der Universität Havanna aufgrund seiner Arbeit über Dissidententum nach Kuba eingeladen, um die Ereignisse, die vor einigen Jahren zu einem Paradigmenwechsel führten, mit eigenen Worten nachzuerzählen.

Lucas kennt die offizielle Geschichte, die glatt, aber lückenhaft ist. Er nimmt die Aufgabe an und beginnt, aus dem, was er schon weiß und aus dem, was er vor Ort sieht und erfährt, die Geschichte der sanften Revolution nachzuerzählen. Er ist dabei kein „zuverlässiger“ Erzähler, da er parteiisch ist, die Protagonisten der Ereignisse aus seiner homoerotischen Perspektive positiv konnotiert und Ereignisse mystifiziert.

Während er von einem Studenten der Universität Havanna zu den bedeutsamen Orten begleitet wird und Zeitzeugen trifft, wird deutlich, dass die angeblich so sanfte Revolution von langer Hand geplant war und dass der Architekt des Umsturzes Grausamkeiten und Mord in Kauf nahm. Der Druck auf Lucas, an seiner Geschichte festzuhalten, wächst, bis er in Panik die Flucht ergreift und in Lebensgefahr gerät.

Ein bekanntes Thema der Weltliteratur: Wie weit darf man im Namen des Staates schreiben? Auf welche Grenzen stößt man? Darf sich der Staat oder die Politik überhaupt in künstlerische Freiheiten einmischen bzw. Vorgaben machen? Hochbrisante politische Fragen, die Nathschläger stellt.

„Nathschläger hat wieder meisterlich einen spannenden, nachdenklichen und hochaktuell politischen Roman geschrieben.

… er bietet eine treffende Analyse an; auch wenn die Schlussfolgerung nicht jedem schmecken wird.
Zudem strotzt der Roman vor praller Lebenskraft …“
Angelo Algieri

Orte und Wege

Cidra, der Heimatort von Franco Garcia Lopez, gibt es wirklich, und das ist insofern bemerkenswert, da viele Kubaner den Ort nicht kennen. Ich habe mich im Frühjahr 2012 mit Chino, dem kubanischen Ex-Freund eines guten Freundes über mein neues Romanprojekt unterhalten und erzählte ihm, dass ich speziell für die „leisen“ Szenen des Buches ein abgeschiedenes Dorf brauchte, und deshalb auf Cidra gekommen war, weil es quasi nichts über den Ort zu finden gibt. Er fragte: „Es gibt auf Kuba einen Ort namens Cidra? Was soll das?“ Die Geschichte Cidras, so wie ich sie im Buch darstelle, bzw durch Lucas darstellen lasse, ist frei erfunden – aber ich muss gestehen, dass ich einen Heidenspaß hatte, einem mehr oder weniger fast unbekannten Ort eine bewegende Geschichte zu geben.

Francos Trainigsfahrten sind, zumindest von Cidra nach Matanzas realistisch. Die langen Fahrten nach Tarara und Santa Maria del Mar sind für für eine Tagestour schon sehr weite Strecken.