Der Mitternachtsdom

Der Mitternachtsdom

Die zwei Sportschüler Martin und Andreas werden aufgrund ihrer Leistungen an der Bundessportakademie in Innsbruck eingeladen, bei der Feier anlässlich der Erstbegehung des Steinerwegs auf die Südwand des Dachsteins als Fackelträger teilzunehmen.

Dabei kommt es zu einem Unglück: Der Hubschrauber mit einem bekannten Journalisten an Bord kommt der Südwand zu nahe, wird von einer Windböe gegen den Fels geworfen und explodiert. Drei Bergführer sterben, zwei werden schwer verletzt, und Martin Thaler wird auf den Gletscher geschleudert und verschwindet außer Sicht.

Während die Rettungsmaßnahmen anlaufen, um einerseits die schwer verletzten Bergührer aus der Südwand zu retten und andererseits um Martin Thaler zu finden, schlägt das Wetter am Gletscher um und ein heftiger Schneesturm kommt auf.

Martin ist bei seinem Sturz durch ein Schneebrett gebrochen und findet sich in einer Gletscherspalte wieder. Er hat innere Verletzungen und das rechte Bein ist gebrochen; er versucht, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass er hier sterben könnte, gibt aber die Hoffnung auf Rettung nicht auf. Er ist hin- und hergerissen zwischen seinem Wunsch, an etwas Höheres zu glauben, und der Ablehnung gegen jenen rachesüchtigen, böswilligen Gott seiner Mutter.

In diesen Stunden erscheinen ihm Lichter, lebendige, wallende Lichter im Eis, die im Gletscher „leben“.
Die Wesen erzählen Martin, sie könnten nur in den Himmel zurückkehren, wenn ein Mensch sie zu einem Dom begleiten würde, zu einem Dom, von dem aus sie in den Himmel zurückkehren könnten.

Martin findet in dem Ansinnen der Geister seine große Chance, etwas Gutes und Richtiges zu tun, etwas, dass christlicher ist als die formale Frömmigkeit seiner Eltern, und wohl auch eine Aufgabe, die seiner Berufung als Bergführer am nächsten kommt.
Martin schafft es, aus der Gletscherspalte hochzuklettern, immer wieder knapp daran aufzugeben, weil die Schmerzen einfach zu grausam sind.
Er weiß nicht, wohin er die Engel bringen soll, entscheidet aber, mit ihnen zur Mammuthöhle bei der Schönbergalm zu gehen, weil der größte einzelne Raum Mitternachtsdom genannt wird.
Er weiß, dass er sich so seiner Rettung durch die Bergrettung entzieht, fühlt sich aber angetrieben und beseelt von dem Wunsch, eine große Tat zu vollbringen.

Er schafft es mit einer letzten, gewaltigen Willensanstrengung, die Geister bis zur Mammuthöhle zu führen. Dort bittet Martin sie um die Erfüllung von zwei Wünschen: Er möchte sie sehen, wirklich sehen, damit aus Glauben etwas anderes werden kann – nämlich Gewissheit, und – als er erkennt, dass ein Weiterleben eine einzige Qual wäre – möchte er mit ihnen gehen. Sein Wunsch erfüllt sich. Die Geister/Engel offenbaren sich ihm tatsächlich als jene dreizehn Menschen, die in der Karwoche 1954 den Tod fanden, und sie entsprechen seinem Wunsch, und nehmen ihn mit – gerade in dem Moment, in dem sein ehemaliger Ausbildner, und sein bester Freund Andreas ihn finden.

Bis zum Schluss wird nicht eindeutig klar, ob Martin Thaler wirklich Geistern (oder Engeln) begegnet, oder ob er von Fieberfantasien angetrieben wird, und deshalb nicht gerettet werden kann, und aus unerfindlichen Gründen in der Mammuthöhle Zuflucht findet und stirbt. Dazu wird aus Erzählsicht nahegelegt, dass die dreizehn Engel „Spiegelungen“ jener zehn Schüler und drei Lehrer aus Heilbronn sind, die im April 1954 „Am Stein“ verstarben, als das Wetter umschlug und sie erfroren. Schlussendlich war es die geschichtliche Aufarbeitung dieses Ereignis im Unterricht, die Martin Thaler und Andreas Seiler dazu bewog, Bergretter werden zu wollen.

Kritik

Kritik bei audible.de zum Hörbuch
Ein wunderbares Buch, zerrissene Gefühle Jugendlicher absolut glaubhaft wiedergegeben. Kampf der eigenen Gefühlen gegen die Vorstellung der Eltern von einer korrekten Lebensweise. Und dann geht alles dem Ende entgegen…. Nur bitte, bitte, bitte, das nächste mal mit einem Sprecher, der dem oberösterreichischen-steirischem Dialekt mächtig ist. Texte von Hubert von Goisern ist nun mal nichts für „Ausländer“.

Kritik bei Amazon
Gut und glaubwürdig dargestellte Charaktere und eine spannende Handlung zeichnen dieses Buch aus.
Von einer innigen Männerfreundschaft wird berichtet, von religiösem Wahn, vom Kampf gegen die Naturgewalten, den man letztlich nur verlieren kann.
Mystisch der letzte Weg des Martin Thalers, seine letzte Aufgabe, die es zu erfüllen gilt, bevor sich sein Leben erfüllt.

Da ich bereits mehrere Bücher des Autors gelesen habe, war ich zwar darauf vorbereitet, nicht unbedingt ein Happy End zu erleben, aber dieses ergreifende Ende hat selbst mich überrascht und ein wenig aus der Bahn geworfen. Es war mystisch, es war spirituell und das Lesen der Geschichte ein großartiges Erlebnis.
(Amazon)