RAINMARK
Peter Nathschläger
Hary-Production
Roman - Band 7,
Horror
Taschenbuch, 266 Seiten - 12.95 EUR
Mar. 2010, 1. Auflage
Mark
und Rain sind schon seit einigen Jahren ein Paar, aber die Luft ist
raus. Dennoch reisen sie zusammen nach New York, um sich einen lange
gehegten Traum zu erfüllen. Während einer Besichtigungstour entkommen
sie ganz knapp einer Katastrophe: Das General Electric Building ist
eingestürzt, nur wenige Minuten, nachdem sie seine Aussichtsplattform
verlassen hatten.
Und es soll nicht das einzige Unglück bleiben, das sich um sie herum
ereignet. Die Brooklyn Bridge gibt nach, und gleichzeitig macht ein
junger Chinese Jagd auf die beiden Männer, will sie aus unbekannten
Gründen um jeden Preis erschießen. Mark und Rain begreifen nicht, was
los ist – sie haben nur grauenhafte Angst, über die sie erkennen, was
sie einander bedeuten ...
„Rainmark“ ist ein Beziehungsdrama um ein homosexuelles Paar, das sich
mit der Zeit auseinander gelebt hat und nur noch eine Zweckgemeinschaft
bildet. Statt miteinander zu reden und aufeinander einzugehen, nähren
sie ihre Eifersucht und finden stets neue Wege, sich gegenseitig zu
verletzten, durch Taten und Worte.
In Folge liest sich die Reise nach New York wie ein letzter Versuch, die
Partnerschaft zu retten - oder wie ein Abschied. Die neue Umgebung und
die Erlebnisse helfen den beiden jedoch nicht weiter. Es sind die
schrecklichen Vorkommnisse, die als Katalysator wirken, und Rain und
Mark, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird, einander
wieder näher bringen.
Um sie herum versinkt alles im Chaos. Niemand weiß, ob Terrorakte die
Ursache sind. Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden die Männer
von einem Chinesen verfolgt, der den Auftrag hat, sie umzubringen. Wie
die Visionen von Jians Großmutter, Marks Träume und die furchtbaren
Ereignisse zusammenhängen, klären erst die letzten Seiten, nachdem aus
dem Drama bereits ein Horror- bzw. Splatter-Roman wurde, Liebe und
Abschied Hand in Hand gehen.
Seit einer geraumen Weile erfährt Literatur, die mit Traditionen bricht
und z. B. homosexuelle Paare in den Mittelpunkt stellt, zunehmend
Akzeptanz (die ‚Lesben-Krimis‘ bei Argument, homoerotische Phantastik
bei dead soft oder auch Boys Love und Girls Love im Bereich der Mangas
und Light-Novels).
Allerdings muss man hier unterscheiden zwischen realistischen
Erzählungen von Homosexuellen für Homosexuelle, Bücher für Frauen oder
Männer – und der realitätsfernen Verherrlichung der
gleichgeschlechtlichen Liebe, die fast ausschließlich von Frauen für
Frauen geschrieben wird. Wer nur Letzteres kennt und zufällig an ‚echte‘
homoerotische Literatur gerät, könnte nach der Lektüre ziemlich
desillusioniert sein.
Denn hier wird nichts beschönigt, sondern eher den Schattenseiten einer
solchen Beziehung Beachtung geschenkt: der Unsicherheit, ob man den
richtigen Partner gefunden hat und ihn halten kann; die Sorge, dass er
jemanden treffen könnte, der seine Wünsche besser zu erfüllen vermag;
die Angst, dass eigene ‚perverse‘ Neigungen alles zerstören könnten.
Allerdings sind das Probleme, die gewiss nicht auf homosexuelle
Partnerschaften beschränkt sind.
Marks diesbezüglichen Reflektionen, seinem inneren Horror, der seine
Seele verletzt, wird mehr Platz eingeräumt als den Geschehnissen um ihn
herum, dem äußeren Horror, der ihn physisch schädigt. Zwar wird beides
verknüpft, aber die Katastrophe stellt letztlich nur eine Metapher für
die zusammenbrechende Beziehung dar, und der Kampf ums Überleben ist
zugleich ein Kampf um die Partnerschaft.
Die Wortwahl und die Beschreibungen des Autors sind stellenweise sehr
deftig. Ob das der tatsächliche Sprachgebrauch Homosexueller ist, sei
dahingestellt. Sicherlich ist das genauso Geschmackssache des Autors
oder abhängig von seiner Intention, wie bei den Autorinnen, die
‚leidenschaftliche Liebesromane‘ und Slash/Boys Love wahlweise lyrisch
oder vulgär klingen lassen.
Mehr als die Ausdrucksweise ist es jedoch der zynische Unterton, welcher
sogar den Leser verletzten kann, der bei dieser Gattung der Literatur
auffällt. Natürlich gibt es auch entsprechend düstere Het-Romane. Womit
sonst als dem Drama soll man den Leser unterhalten, wenn es keine
spannende Handlung i. d. S. gibt?!
Die Coverillustration von Thorsten Grewe passt zur Roman-Handlung.
Schade, dass die Kartonage nicht etwas fester ist. Papier, Satzspiegel
und Layout sind in Ordnung. Am Ende des Bandes findet sich ein
Selbstporträt des Autors nebst zweier Fotos, der an dieser Stelle auch
über seinen Roman „Rainmark“ spricht. Man wundert sich, wie viel
Persönliches – außer dem Reiseerlebnis – eingeflossen sein mag.
Alles in allem ist „Rainmark“ ein Horror-Roman mit viel
Beziehungsdramatik, der sich an eine spezielle Zielgruppe wendet: an
männliche Homosexuelle. Von Het-Lesern, die zu diesem Titel greifen,
wird viel Aufgeschlossenheit verlangt, während die weiblichen Fans von
Slash/Boys Love nach dieser Lektüre ihre idealisierte Welt vielleicht
zerstört sehen. (IS)
16. Feb. 2011 -
Irene Salzmann
Der Rezensent
Irene Salzmann

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