Fragmentiert das Denken!

Donald Trump hat Twitter vom Start weg zu seinem Medium erkoren. Vorgeblich, weil er dort direkt und ungefiltert zu „seinem“ Volk sprechen kann. Kein anderer Staatsmann nutzt Twitter so intensiv wie er. Der dem Volk zugewandte Vorwand, Twitter so intensiv zu nutzen, wirkt bei näherer Betrachtung hohl. Ihm ist jedenfalls daran gelegen, auf sein Volk wie einer zu wirken, der frank & frei schreibt und sagt, was er denkt. Ohne sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, ohne politische Korrektheit, ohne all den Trödeln und Quasten der Vorgänger, die auf Konsens aus waren und auf die Wahrung der institutionalisierten Demokratie.

Mir fällt aber noch ein Motiv ein, Twitter so intensiv zu nutzen: Neben Facebook und Instagram steht kaum ein Massenmedium so stark für die Fragmentierung der Aufmerksamkeit. Keine anderen Plattformen binden das Userinteresse so unverschämt durch Informations-Cookies wie die großen 3: Facebook, Instagram und Twitter. Trump dürfte sich für Twitter entschieden haben, weil es unmittelbarer ist, als zum Beispiel Facebook.

Man kann stundenlang durch die Timeline scrollen und bekommt doch nie mehr als Häppchen. Man bekommt Informationsfastfood, Krumen, die vom Tisch fallen, man bekommt Wut und Zynismus komprimiert, nie jedoch Hintergründe, Zusammenhänge, Analysen, denn dazu taugt das Medium nicht. Auf Twitter erklärt man nicht, man behauptet. Und je breitbeiniger man das tut, desto unhinterfragter wird die Behauptung zur Realität – vor allem, weil der Gebrauch von Twitter und anderen sozialen Medien nachweislich die Aufmerksamkeitsspanne des Users verkürzt. Und wenn es etwas gibt, das Trump nun mal so gar nicht brauchen kann, dann sind das aufmerksame, konzentrierte Bürger, die die Wahrheit erkennen, in dem sie sie lange und unerschrocken betrachten.

Twitter und die anderen taugen nicht für die Wahrheit – selbst wenn man sie dort zum Ausdruck bringt. Deshalb ist Trump ja auch so ein erbitterter Gegner von investigativem Journalismus. Nichts fürchtet der Wortführer mehr als die kritische Analyse.

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