Rezension zu „Mein Weckruf für Deutschland“ von Niklas Lotz

Ich kann einem gerade 20 jährigen nicht vorhalten, dass er nicht schreiben kann wie ein Schriftsteller, sondern bestenfalls durchgekaute Standpunkte aneinanderklettet und so tut, als wäre das alles durchdacht und aufeinander abgestimmt.
Aber ich kann ihm vorhalten, mich mit seinen Schlussfolgerungen aus Annahmen, aus Glauben und Bekenntnissen extrem zu langweilen. Es ist nicht einmal ein best of aus zehn Jahren Forenpöbelei bei Twitter und Facebook, es ist weniger, ein Sud aus vollmundig dargebotenen Erkenntnissen, ein bisserl feiner formuliert als es Pirincci tat, aber eben deshalb auch schlapp, weinerlich, ich-bezogen und tröge. Pirincci war wenigsten eine vulgäre Sau, ist auch irgendwie eine Qualität.

Nein, das Buch, bzw der Inhalt, konnte mich nicht aufregen, nicht einmal anregen, meine Positionen zu überdenken, denn der Autor zementiert meine Überzeugungen und validiert sie: Er bringt mich seinen Ideen und Annahmen nicht näher, er dekonstruiert sie im Grunde genommen und zerlegt sie zu dem, was sie in Wirklichkeit sind: Mühsam formuliertes Unbehagen aus der Tatsache, dass das Privileg der freundlichen Geburt im richtigen Land zu Asche zerfallen ist.

Der Rest des Buches ist Gejammer und Geseier auf hohem Niveau; nicht literarisch sondern das Gemaunze eines wohlstandsverwahrlosten Ich-Mensch, der die Bedürfnisse der Menschen außerhalb seiner Blase für eine unerträgliche Zumutung hält.

PS: Was ich in meiner Rezension auf Amazon nicht erwähnte, hier aber der Vollständigkeit halber nachreiche, ist: Sein bestes Verkaufsargument ist seine jugendliche Attraktivität, Mah, der Lieblingsenkel, der Wunschschwiegersohn. Und schreiben tut er, der Bub. Da gab es ja auch mal einen jungen russischen Pianisten, der mit Gershwins Rhapsodie in blue reüssierte und sich gut verkaufte, weil er so jung und hübsch war und enge Jeans anhatte. Mein damaliger musikalischer Mentor, Toshiyuki Shimada, Student des Royal College of Music, meinte nur, sein Gesicht ist schöner als sein Klavierspiel.

Dasselbe gilt bei Niklas. Er ist hübsch, aber im Höchstmaß belanglos, beliebig und austauschbar in seiner brütenden Selbstgerechtigkeit.

Schreibe einen Kommentar