Ein Hecht im Mond

Mein Vater hat mir eines seiner uralten Bücher geborgt, damit ich es lese und er mit mir noch vor seinem Tod darüber reden kann. Er sagt, es wäre sein wichtigstes Buch als junger Leser gewesen: Das Reich im Mond von Dr. Friedrich Hecht – veröffentlicht unter dem Pseudonym Manfred Langrenus.

Gleich mal: Was für ein Buch! Ein Epos. Es ist aus den sehr frühen Fünfzigern und so ist es auch geschrieben. Da wo mathematische Genauigkeit machbar war, wurde dies auch ausgenutzt, dort, wo man spezielle technische Vorrichtungen (noch) nicht ausgiebig erklären konnte, blieb Hecht sehr vage. Ein Strahlenantrieb ist nun mal ein Strahlenantrieb, und eine Strahlenwaffe ist eine Strahlenwaffe, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Als ich das Buch zur Hälfte durch hatte, drängte sich mir ein Verdacht auf, und den will ich Euch näherbringen.

Wenn ich „Das Reich im Mond“ mit Schlagworten zusammenfassen müsste, käme folgendes dabei raus: Die mutige Besatzung des ersten Mondflugs findet auf der dunklen Seite des Mondes, nahe der Tag-Nacht-Grenze, ein abgestürztes, kugelrundes Raumschiff.

Dieser Roman erschien 1951. Rund zehn Jahre später, als genau 1961, erschien der erste Perry Rhodan-Heftroman, in dem die mutige Besatzung des ersten Mondflugs auf der dunklen Seite des Mondes ein abgestürztes, kugelrundes Raumschiff entdeckt.

Hat K.H.Scheer mit Dr. Friedrich Hecht über SF-Romane gesprochen? Kannten die sich? Im Roman „Das Reich im Mond“ tauchten dann ja auch Voltronen auf und Atlan und der Atombrand, der ganze Planeten vernichtet …

Gut, der Roman „Das Reich im Mond“ ist in sich schlüssiger, weil es als Roman konzipiert war und so die losen Enden nicht frei im Weltraum schweben lässt, sondern zusammenfügt, was zusammengehört. Und bis auf den schulmeisterlichen Ton des stets etwas aufgeregt wirkenden Friedrich Hecht, gibt es kaum etwas zu bemängeln. Es ist ein SF-Jugendroman, der mit Begeisterung geschrieben wurde um beim Leser Begeisterung auszulösen. So ziemlich alles im Roman wird zu Ende erklärt aber nicht zu tode geritten.

Andererseits macht das zweite, wesentlch schmälere Buch ziemlich deutlich, dass Langgrenus zumindest mit einer Romanserie geliebäuget hat. Das Setting wäre da, und es war und ist zehn mal besser als alle Settings die ich in Pilotfilmen von Serien gesehen habe, die nie gedreht wurden. Die Serien meine ich jetzt, nicht die Pilotfilme *hüstel*.

Bestimmte Ungenauigkeiten in wissenschaftlichen Fragen, besonders in medizinischen Fragen bei langer Raumfahrt oder daerhaftem Aufenthalt auf dem Mond kann man bemängeln, muss man aber nicht. Was in der Logik nicht passt, kann man als Leser mit der Bereitschaft zu glauben, ausfüllen.

Kurz: Reich im Mond ist ein aufregender, gut verfasster Roman, der sogar ausgezeichnet sein könnte, wenn man den Erklärbär öfter mal weggesperrt hätte.

Weiterführende Literatur: https://perry-rhodan.net/aktuelles/kolumnen/das-%C2%BBreich-im-mond%C2%AB-und-seine-einfl%C3%BCsse

Schön wäre eine E-Book-Version, lieber Loewe Verlag 🙂

Anmerkung: Dr. Friedrich Hecht verfasste die Romane „Reich im Mond“ und „Im Banne des Alpha Centauri“ unter dem Pseudonym Manfred Langrenus.

Schreibe einen Kommentar