Noch ein Stück

Manchmal ist das Leben wie ein überbelichteter Film, ein alter Film aus einer Lade, ein Film, an den man sich nicht mehr erinnert, bis man ihn einspannt und ansieht.
Manchmal ist das Leben ein Musikstück, das vor Sentiment trieft, aber das ist gut, es klingt nach Sommer in Italien und Milva und nach Ennio Morricone und nach La Califfa, es fühlt sich dann an wie eine Fahrt in einem Cabrio auf der Küstenstraße runter nach Portoroz. Die Sonne im Nacken, die Sonnenbrille auf der Nase, es riecht nach Meer und nach Basilikum und Wein.
Dort könnten wir stehenbleiben und einfach in die Landschaft schauen

ganz viel Landschaft da, sagte Hannes immer, bevor er seine letzte große Reise antrat …

und unsere Rücken durchstrecken. Wir können am Rad der Zeit nicht drehen, nur zusehen, wie es sich dreht, aber auch das ist okay, weißt Du? Es passt, so wie es ist, denn die Jahre haben unseren Geschmack am Leben verfeinert. Das Rohe haben wir hinter uns gelassen, und scheiß der Hund drauf, wenn sich nun etwas italienischer Kitsch aus dem Siebzigern einschleicht. Es ist ja nicht immer so, nicht die ganze Zeit.
Aber für gerade jetzt passts tadellos, findet Du nicht? Also ich finde, Milva klang nie wieder so gut wie auf dem Album, auf dem sie die Filmmusiken von Enno Morricone einsingt.

Wir steigen ein und fahren weiter, über diesen Hügel, an dem Rosenstrauch vorbei, da, links ist das Mittelmeer, die Strecke zwischen Triest und Miramare ist einfach so schön wie ein italienischer Song aus den Siebzigern oder so. Lass uns einfach noch ein Stück weiterfahren, bis zu der Steilküste bei Duino. Die Strada Costiera Triestina. Dort könnten wir eine rauchen, Fotos machen und in die Ewigkeit schauen – was der Tag halt so hergibt.

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