Workspaces, nächstes Kapitel

Es scheint mir ein perverses Vergnügen zu bereiten, mir meine eigene Faulheit und mein „Arbeit vor mich herschieben“ als Administration schönzureden. Ja, man kann es Administration nennen, wenn man das Erstellen von Workspaces und Evaluieren neuer Tools vor die eigentliche Arbeit stellt. Was ich damit meine, lässt sich am besten in den begeisterten Sätzen zusammenfassen, die man von den Usern von NotionHQ zum Beispiel auf Reddit lesen kann. Zusammengefasst lässt sich die Begeisterung so in Worte fassen:

  • In NotionHQ bilde ich mein ganzes Leben ab!
  • Schaut mal, das ist meine Homepage, die ich in NotionHQ erstellt habe

Die Leute sagen dann auch, sie würden pro Tag in etwa eine bis zwei Stunden dafür aufwenden, ihr Leben zu administrieren. Da läuft irgendetwas falsch, würde ich meinen. Diese Tools sollen doch bitte unseren Alltag erleichtern und uns Platz und Zeit freischaufeln und nicht um ihrer Selbst Willen benutzt werden – oder habe ich etwas falsch verstanden?
Okay, ich brauche nicht den Heiligen zu geben: Ich bin auch nur ein ganz gewöhnlicher Sünder und habe viele verregnete Nachmittage damit verbracht, mir neue Produktivitätstools anzuschauen und habe dabei versucht, mir vorzustellen, wie diese Apps in mein Leben passen, in meine Routinen, und ob diese Tools etwas verbessern, sich nahtlos integrieren oder ob sie mir eher schaden als nützen.
Im Grunde genommen sind meine Ansprüche pflegeleicht. Die Apps müssen schnell, leicht zu bedienen und auf Nützlichkeit getrimmt sein. Was brauche ich also?

  • Eine Cloud um meine Dokumente zu speichern und von überall her zugreifen zu können. Das ganze möglichst sicher bitte
  • Ein Notizbuch, auf das ich über unterschiedliche Geräte zugreifen kann.
  • Ein Schreibprogramm, mit dem ich meine Romane schreibe
  • Ein Text-Tool, mit dem ich schnelle Entwürfe schreibe.
  • Mail, Kalender, Kontakte

Und das wars.

Mein Setup sieht derweil so aus (und ist in der Zusammenstellung ziemlich stabil)

  • Domainhosting bei one.com
  • Website bei one.com WordPress Hosting
  • Mail, Kalender, Kontakte mit Domainzeiger auf Google Workspace
  • Als Cloud Dropbox
  • Das Schreibprogramm ist seit ziemlich langer Zeit Papyrus Autor – da steht aber auch kein Wechsel an. Das ist einfach zu gut
  • Als Text-Tool den unschlagbaren iA-Writer
  • Microsoft Office 365 für Korrespondenz, da bin ich aber nicht sicher, ob ich das Abonnement verlängern werde, da ich den Großteil der Suite nicht benötige
  • NotionHQ als Notizbuch für fast eh alles, wobei ich darauf achte, den süßlichen Gesängen dieser Produktivitätssuite nicht auf den Leim zu gehen. Hier arbeite ich gerne nach dem K.I.S.S. Prinzip: Keep It Stupid Simple.
  • Aufgabenplanung erledige ich mit any.do. Bis vor Kurzem nutzte ich Todoist, das sehr gut ist, aber für meine Anforderungen einfach too much.

Am besten scheinen mir die Tools, die einem am wenigsten im Weg sind. Die Liste oben sieht umfangreicher aus, als sie dann in meinem Leben wirklich genutzt wird. Ich hätte schon gerne die eierlegende Wollmilchsau, aber andererseits auch nicht. Warum? Die eierlegende Wollmilchsau wäre auch ein Single Point of Failure. Cloudservices haben die ungute Eigenschaft, manchmal ihre Konfiguration zu ändern, die AGBs, aus frei verfügbaren Tools werden zahlungspflichtige Tools, und manchmal verschwinden sie ganz einfach aus dem Web und man muss sich nach etwas Neuem umsehen.

Also was tun?

Aufsplittern auf mehrere unterschiedliche Services ist eine Möglichkeit. Zu hinterfragen, ob man den ganzen Scheiß wirklich braucht, eine andere. Auf jeden Fall darauf achten, dass man komplette Backups ziehen kann um im Bedarfsfall mit seinem Onlineleben zu übersiedeln.

Um ehrlich zu sein: Viele Apps benutze ich nur, weil es Spaß macht, sie zu benutzen, wie zum Beispiel any.do. Ich meine, wozu brauche ich ein Tool für Tasklisten? Termine kommen in den Kalender, und wegen der Einkaufsliste eine App zu installieren und zu nutzen, ist schon ein wenig gaga.
Gut, andererseits halte ich mich aus den Sozialen Medien weitgehend fern und habe nur einen IG-Account, der auf privat gestellt ist. Wenn ich also am Smartphone oder am Mac Zeit verscheiße, kann ich mir immer nicht einreden, ich sei doch irgendwie produktiv. Ich bin ganz gut darim, mich selbst zu bescheißen.

Andere Ideen

Eine andere Idee wäre, meinen Workspace anders zu zurren: In erster Linie verwende ich Google Workspace wegen Google Mail und dem Google Kalender, die beide für mich zu den besten WebApps gehören – ever. One.com brauche ich wegen der Domain und wegen WordPress; darauf läuft diese Homepage. Es ist, wie man früher so schön sagte, richtig einegschissen.
Und ich will mir das Prädikat Digitaler Minimalist umhängen? Geh bitte Oida!
Aber mal ehrlich, es hätte schon seinen Reiz, auf den ganzen Krempel zu verzichten, denn der Aufwand lohnt sich nicht. Nicht, wenn man kein zwanzigjähriger Schönling ist, der auf Instagram 100.000 lechzende Follower hat. Wieviele Leute lesen hier mit? 2 oder 3 im Monat?
Irgendwie halte ich das alles nur am Leben, so lange ich noch Bücher veröffentliche; ein wenig präsent zu sein, das gehört sich halt.
Würden nicht einfach ein paar Moleskines genügen? Notizbücher und eine schöne Füllfeder? Ich könnte damit leben, ja. Aber was mache ich dann mit der Zeit zwischen zwei Schreibschüben, wenn draußen der Herbstwind pfeift und das Laub aus den Bäumen holt?
Hm?
Kann mir das wer sagen?

Ja eh. Mehr lesen wäre ne Idee. Ziemlich viel mehr lesen. Die Backlist ist lang.

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