Das zweite Hirn – Obsidian

Schriftsteller notieren nun mal

Für Schriftsteller ist Notieren bestandteil des Jobs. man setzt sich nicht irgendwohin und schreibt einfach einen Roman, ohne sich zuvor irgendwelche Notizen zu machen. oder währenddessen. Wir alle füllen Notizbuch um Notizbuch, und seitdem es Computer gibt und Software und Apps, haben viele von uns die handschriftlichen Notizen eingeschränkt, ja, marginalisiert, und verwenden Apps.

Im Prinzip funktionieren Notizapps immer nach demselben Prinzip: Es gibt

  • Ordner
  • Subordner
  • Markierungen
  • Dateien/Blätter, zumeist im rtf oder htm Format. oder irgendein proprietärer Scheiß, mit dem man keine Freude hat, außer in der App

So fasst man thematisch zusammen, was zusammen gehört. Neben Evernote nutzte ich NotionHQ am längsten. Davor arbeitete ich ziemlich lange mit OneNote, und mein Wechsel zu Evernote beruhte nicht auf funktionelle Unterschiede sondern darauf, dass Evernote zumindest versuchte, den Eindruckl zu erwcken, ich sei Herr meiner Notizen.
Denn bei der Wahl der Tools, und wenn man die Sirenen- und Hymnengesänge der Erarly Adopters und Productivity-Evangelisten ausblendet, erkennt kan gerade als Kreativer, der den Wert geistiger Arbeit zu würdigen weiß, dass einem nur gehört, was man auf der eigenen Festplatte hat. Der deutsche Schriftsteller Anfdreas Eschbach weiß das schon lange und platzierte diese Erkenntnis auch in seinem Roman NSA.


Alles teilen! In der Cloud!

Ja, sie alle jubeln und rufen: Zusammenarbeit! Shared content! Teilen! Cloud! Agile! Und das ist auch okay, wenn sich zum Beispiel ein Unternehmen dazu entschließt, auf Microsoft Cloudservices zu setzen und mit Microsoft einen umfassenden Servicevertrag ausarbeitet, in dem Zugriffsberechtigungen, Datensicherheit, Kontinuität und Souveränität gewährleistet sind. oder bei Google. Auch keine Unternehmen können sehr gut mit Google Workspace Solutions arbeiten, da ist das auhs Kostengründen leicht einzusehen.
Aber als Privater, der bestenfalls mit dem Verleger Datien austauscht? Das GHaushaltsbuch führt und Reisenotizen anfertigt? Einen Roman schreibt und Material zusammenträgt, um das Knochengerüst der handlung mit Fleisch aufzupeppen?
Ja, ich gebe es zu, ich war auch lange Zeit darauf versessen, zu jeder Zeit von überall auf alle meine Daten zugreifen zu können. Aber schon recht bald, als ich vor rund sieben Jahren bei UPC ausstieg und damit auch der Notwendigkeit entkam, telefonisch immer ereichbar sein zu müssen, kam die Erkenntis (wesentlich langsamer als bei allen anderen, aber doch), dass ich auch keine wirkliche Notwendigkeit habe, überall auf alles zugreifen zu können. Man redet sich das nur ein, weil es irgendwie sexy ist, lässig. Aber es ist unnötig, und alles, was unnötig ist, das ist auch irgendwie unökonomisch und kann weg.


Der proprietäre Schaß

Das mit den Notizen in der Cloud ist immer nur so lange lustig, so lange die Solution verfügbar ist und so lange man eine stabile Internetverbindung hat. Die Digital Nomads setzen ja voll darauf, Nomaden zu sein, aber bitte nur dort, wo es eine sauschnelle, stabile Verbindung gibt. Reißt die Verbindung oder es gibt gar keine, dann ist die Herrlichkeit quasi im Arsch. Das andere Problem ist, wenn eine Solution aus finanziellen Gründen den Bach runtergeht. Man sammelt seine Notizen und tagebücher und Reiseberichte in einer Online-App und dann kommt die Nachricht: Sorry, wir machen zu, sind am Abschnappen, tschüss, Ihr könnt Euren Krempel (äh, hüstel … Eure wertvollen Daten) noch bis soundsovielten exportieren und runterladen, und dann ist Ende der Legende.
Ja und dann geht das mit dem Exportieren los, ändern der Dateiformate, Fehler bei der Formatierung, und da sitz tman mit exportierten html oder pdf Files und schaut blöd. Gibts nicht? Gibts doch!
Jep. Notion, Roam, Evernote, OneNote, Notejoy, sie alle und alle anderen speichern Eure Daten auf ihren Systemem in Datenbanken, und diese Datenbanken liegen zu fasst 80% auf Amazon-Cloudservern.

Nicht falsch verstehen. ich gehe davon aus, dass Amazon und seine Serverfarmen nicht in den nächsten paar Jahren ex gehen. Aber die kleinen Standups wie NotionHQ, die wirklich tolle Sachen machen, die bieten einfach keine Möglichkeit, dass man seine eigenen Daten wirklich nur auf der eigenen festplatte hat und nur dann synchronisiert, wenn man das will.


Zurück zum Alten ist nach vor in die Zukunft

Gerade beim Schreiben von Notizen und Manuskripten bietet es sich an, auf das älteste und zuverlässigste Datenformat zurückzugriefen, dass es gibt und aller Voraussicht nach auch geben wird, so lange es Computer gibt. das reine Textformat. TXT. Und aus. Okay, fast … aus. man kann mit der Auszeichnungssprache Markdown (kurz .md))

Markdown-Editoren gibt es seit 2007. Darunter einige Dauerbrenner wie zB Ulyyses auf MacOS ud iOS, IA-Writer auf MacOS, iOS und Windows, um nur zwei zu nennen, mit denen ich gearbeitet habe. Dann gibts da auch noch Typora, Inspire-Writer und unzählige mehr. Was ihnen gemein ist, dass sie die erstellten Dateien lokal speichern und man die Texte mit Markdown stilisieren kann. Wodurch sie sich unterscheiden, ist, welchen Zugang sie dem User zur Verwendung ihrer Solution nahelegen. Ich meinem, wollte ich es ganz simpel und blank, würde ich mit Simplenote schreiben – achja, die speichern ja auch in der Cloud – verflixt. Was ich wollte und suchte, war ein Tool, mit dem ich meine Text bei mir behalte, und zwar in einem Standardformat, so einfach wie nur irgend möglich. Textfiles und aus.

Auf der ständigen Suche nach einem Notiztool, das wirklich zu mir passt, bin ich über eine Videoserie gestolpert, in dem ein recht hübscher junger Weiser (Santi Younger) seiner Begeisterung für eine Solution Ausdruck verleiht, die gerade für seine Bedürfnisse als Student zum Erfassen und Verwalten akademischer Arbeiten wie geschaffen scheint. Das Ding nennt sich Obsidian. Man findet es auf obsidian.md.


Obsidian

Die Software ist auf MacOS, Windows und als Linux-Version verfügbar. Es gibt moch keine mobile Version, die man auf Android oder iOS installieren kann. Man installiert also Obsidian und legt eine erste Vault an. Wobei eine Vault nichts anderes ist, als ein Verzeichnis. Bei mir sieht das so aus, dass ich das Obsidian Verzeichnis im Rootverzeichnis meiner Dropbox anlegte, und im Rootverzeichnis zwei Vaults:

  • /Dropbox/Obsidian/Eingang
  • /Obsidian/Dropbox/Master

In beiden Verzeichnissen habe ich dann noch einen File-Folder, in dem alle Dateien abgelegt werden, die ich in ein Obsidian Textdokument einbinde:

  • /Dropbox/Obsidian/Eingang/Files
  • /Dropbox/Obsidian/Master/Files

In Eingang gibt es sonst keine Unterordner, sehr wohl aber in Master.
Da gibt es dann beispielsweise:

  • Literatur
  • Blog
  • Organisation
  • Reisen
  • Familie

Und in diesen Verzeichnissen liegen dann schlicht und einfach mit der Endung md versehene Textdateien. Ein automatisches Backup schaufel das ganze mehrmals täglich auf eine externe Festplatte. das Datenformat ist sicher, die Daten sind sicher und ich muss mir keine Gedanken mehr darüber machen, ob es die App/Soution, der ich meine Daten anvertraue, morgen noch exisitiert.

Dazu kommt, dass Obsidian eine sehr ansprechende, schön gestaltete Software ist, die meinem Wunsch nach einem Canvas sehr, sehr nahe kommt. Also eine leer Leinwand, wo ich nur einfach drauflos schreiben kann.
Obsidian ist zurzeit in einer Public Beta verfügbar, man kann, muss aber nicht, die Entwickler sponsern. Dazu münzt man 25€ ein und bekommt im Board einen Batch, der einen als Insider auszeichnet. Nett, aber wurscht.
das Forum ist jedenfalls sehr agil und besonders für Menschewn wie mich hilfreich (nur englisch) die noch ein wenig straucheln, beim Herumscheißen mit Markdown und CSS. Wobei man sich mit CSS nur auseinandersetzen muss, wenn man das Aussehen von Obsidian über die obsidan.css manipulieren will. Kann man, muss man aber nicht.

Darüber hinaus bietet Obsidian eine Veröffentlichungsplattform, auf die man direkt aus Obsidian heraus Markdown veröffentlichen kann. Das scheint jedoch noch in Beta zu sein und wird nur als Bestandteil einer Bezahlversion verfügbar sein. das schaue ich mir noch genauer an. Als Alterntive zu medium.com wäre es ganz fein.

Ich bin erst dabei, mich in die Software einzuarbeiten, mag es aber, in der App zu schreiben – und das ist für mich neben einfacher Verwaltung am Wichtigsten.


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