Messenger

Notiz in eigener Sache

Da ich Facebook, Twitter und Instagram verlassen habe, weil ich als Mensch nicht auf die Funktion einer Informationsdrohne reduziert werden will, habe ich konsequenterweise mein WhatsApp-Profil gelöscht, und bin – in Bezug auf Messengerdienste – nur noch über den Schweizer Messengerdienst Threema erreichbar.

pna

Anpassungen aus Notwehr

Das Unternehmen WhatsApp ändert seine Allgemeinen Geschäftsbedienungen (terms of service) und räumt sich selbst und dem Mutterunternehmen Facebook weitgehende Rechte ein, gesammelte Informationen über jeden User von WhatsApp an Facebook überzuleiten.

Das bedeutet: Wenn man als Nutzer von WhatsApp kein Profil bei Facebook hat, erhält Facebook als Mutterkonzern trotzdem alle aus ihrer Sicht relevanten Profildaten, die man in WhatsApp anlegt, teilt, erhält.

  • User phone numbers
  • Other people’s phone numbers stored in address books
  • Profile names
  • Profile pictures and
  • Status message including when a user was last online
  • Diagnostic data collected from app logs

Darüber hinaus übermittelt WhatsApp folgende Informationen an Facebook (Apple Store):

WhatsApp, according to the App Store, reserves the right to collect

  • Purchases
  • Financial information
  • Location
  • Contacts
  • User content
  • Identifiers
  • Usage data and
  • Diagnostics

Hintergrund

Wir machen die Haustür hinter uns zu, die Wohnungstür, wir lassen das Auto nicht unversperrt, und wenn uns jemand zu lange auffällig mustert, werden wir ungehalten. Einerseits ist der Satz modern geworden, man habe nichts zu verbergen, aber das ist nur eine dumme, leere Floskel. Denn es geht nicht darum, ob man etwas zu verbergen hat, sondern ob man wirklich jeden Mensch an allen Details des eigenen Privatlebens teilhaben lassen will und ob man wirklich will, dass einem die Teilhabe am Privatleben anderer aufgezwungen wird. Und nicht nur das. Es geht auch darum zu erkennen, welch großen Wert das eigene Private hat. Und das erkennt man schlicht und einfach an der Größe und Finanzkraft von Unternehmen, die sich für unser Privatleben interessieren.

Facebook, Instagram, TikTok, Twitter, jetzt auch WhatsApp: Sie alle haben ihr Vermögen nicht gemacht, in dem sie uns gratis Dienstleistungen zur Verfügung stellen, sondern in dem sie uns zu Batterien ihrer Produkte machen, und ihre Produkte sind Information. Die Informationsdichte, wenn man so sagen kann, beschränkt sich nicht auf das, was man selbst Facebook mitteilt, sondern erstreckt sich auch über das, was der Algorithmus, das Kernstück von Facebooks Geschäftsmodell, über uns sammelt:

  • Mit wem interagiert man am häufigsten?
  • Welche Artikel liest man?
  • Welche Werbung sieht man sich an?
  • Was kommentiert man?
  • Wie kommentiert man?
  • Wo wohnt man?
  • Wie wohnt man?
  • Telefonnummer, Fotos (Face recognition), Wohngegend, Emailadressen, Gesundheitsstatus, politische Interessen, Modegeschmack, Reisevorlieben …
  • Finanzieller Background …

All diese Informationen laufen durch den Algorithmus von Facebook zusammen, und werden an die wahren Kunden von Facebook verkauft. Angefangen vom Unternehmen, das gezielt Werbung für seine Dienstleistungen und Waren setzen möchte, über politische Interessensgruppen, die mithilfe von Facebooks Big Data Wählerkreise einzirkeln möchte. Als Mensch wird man zu einem gesichtslosen Teil einer gewaltigen, mehrdimensionalen Statistik – und auch darauf reduziert.

Nochmal: Ich habe im Grunde genommen nichts zu verbergen, dass ich schwul und mit einem Mann verheiratet bin, weiß Gott und die Welt, andererseits geht mein Privatleben die „anderen“ einen Scheißdreck an. Sie sind nicht meine Freunde und ich habe sie nicht eingeladen. Wenn ich die Telefonnummer eines Freundes weitergebe, die Email-Adresse aus der Familie, dann soll das meine persönliche Entscheidung sein, in Abstimmung mit der betreffenden Person, und nicht Teil eines Deals, den ich nicht zu unterschreiben bereit bin.

Deshalb bin ich zB. von Google Mail auf mailbox.org umgestiegen. Der Unterschied? mailbox.org ist ein deutsches Unternehmen, dass sich streng an die DSGVO hält und keine privaten Daten sammelt. Dafür bezahlt man für deren Dienstleistungen mit Geld – doch das ist sehr wohlfeil (Mit 12€ pro Jahr ist man dabei). Messenger? Threema, ein Schweizer Unternehmen mit extrem hohen Sicherheitsstandards, kostet einmalig rund 4€. Das ist gerade mal ein Bier.

Mediamarkt hat uns alle, als Zivilgesellschaft und als Bürger, mit dem Spruch in den Arsch gefickt: Geiz ist geil! Stimmt, für Konzerne, die gratis Dienstleistungen anzubieten scheinen, ist der bürgerliche Geiz, und das primitive Gefühl der Schläue, wenn man wieder etwas gefunden hat, das man gratis nutzen kann, wirklich geil. Sie tun es nicht umsonst, sie tun gar nichts umsonst. Wegen der Geiz ist geil-Mentalität konnten diese Unternehmen erst so groß und finanzstark werden, wie sie jetzt sind.

Leseempfehlungen