Roman schreiben mit Microsoft 365

Ich verwende für das Rohmanuskript Papyrus Autor, bin aber derzeit in einer intensiven Phase der Überarbeitung mit meinem Lektor, und dafür nutzen wir WinWord. Ich habe Microsoft 365 abonniert und verwende davon in erster Linie Word, Excel und Outlook. Und zwar sowohl auf dem Desktop Rechner (Win10) als auch auf dem MacBook Air.

Ich habe vor etwa drei Wochen das CloudService gewechselt. Von Dropbox zu OneDrive – Hauptgrund ist, dass mir der Autosafe-Mode von OneDrive gefällt. Mehr Speicherplatz gibts dort auch.

Es gibt unzählige Apps und Tools, die man als Schriftsteller nutzen kann, um am PC oder MAC seinen Roman zu schreiben, und Papyrus Autor ist sicher der Bentley unter den Schreibprogrammen. Tatsache ist aber auch, dass man sehr gut mit WinWord Romane schreiben kann – und man erspart sich das Exportieren in ein allgemeineres Format, sobald man mal mit dem Verlag am Manuskript arbeitet. Anhänger von Dropbox Paper läuten schon das Ende des dokumentbasierten Arbeitens ein, was auf mich eher wie herbeigeschrieben wirkt, denn als logische Schlussfolgerung.

Grundsätzlich traue ich Lösungen nur wenig, die per se die Früchte meiner Arbeit in irgendeiner Form nur in der Cloud speichern, also nicht einmal mehr Daten erstellen (Paper oder Google Docs): Ich hab die Dateien eben lieber als Links, die auf irgendetwas verweisen, aber nicht direkt fassbar ist.

Würde ich beispielsweise mein nächstes Romanprojekt mit Microsoft 365 schreiben, würde ich auf alle Trödeln und Quasten verzichten, die Seite so konfigurieren, dass sich gerade 1550 Zeichen inklusive Leerzeichen auf einer Seite ausgehen, mit 1,8 Zeilenabstand und Constantia als Schriftart. Dann würde ich noch zwei Excelsheets erstellen, um die Timeline im Auge zu behalten und die Figuren grob zu skizzieren. Ich habe nie wirklich viele Personen in einem Roman, verwechsle aber gerne mal Augen- oder Haarfarbe, Alter, Herkunft und so weiter. Außerdem ist es eine Art entschuldbares Prokrastinieren, wenn ich an den Charaktereinträgen herumwurstle.

Die Charaktermappe hat auf dem zweiten Tab Werte eingetragen, die auf mich zugeschnitten sind, bzw auf meine Arbeitsweise. Das kann jederzeit geändert werden.

Es gibt natürlich tolle Programme wie zB Aeon Timeline, doch für mich tut es auch eine Tabelle, in der ich auf einen Blick sehe, wer was wann tut oder erlebt. Um ehrlich zu sein, ich würde schon gerne mit Aeon spielen, schrecke aber davor zurück, für Herumspielerei über 40€ auszugeben.

Ja und dann fangt man einfach an zu schreiben, macht Kapitelüberschriften, fügt Anmerkungen hinzu und ändert die Farbe der Absätze und Textstellen, die man eventuell kürzen will. Ich färbe zB hellgrau, was ich als kürzenswert ins Auge fasse. Wichtig ist mir, so unaufwändig wie nur möglich, keine Formatspielereien, linksbündiger Fließtext und passt. Immer im Kopf behalten: Ihr schreibt die Geschichte, daraus ein Buch zu machen, ist Aufgabe des Verlags.

Gehts genauer, bitte?

Ja, eh. Wenn man das alles nüchtern betrachtet und alle trödeln und Quasten beiseite lässt, dann ist ein Roman nicht mehr als eine Abfolge von Seiten, die mit Buchstaben gefüllt sind. Ein Auseinanderdividieren des Textes in Teil, Kapitel, Szenen, Absätze und Sätze erfolgt durch den Verfasser und dient entweder der leichteren „Administration“ des Textes, oder dessen Lesbarkeit. In irgendeinem der Bücher über das kreative Schreiben habe ich mal gelesen, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne eines Lesers nur ein paar Sekunden beträgt. Das bezieht sich auf die Länge eines Satzes. Ein Leser, der einen Satz liest, erwartet schon zu Beginn des Satzes, innerhalb einer ihm angemessen scheinenden Lesezeit einen Abschluss zu finden. Um zum nächsten Satz vorwärtszuschreiten. Deshalb ist es grundsätzlich gut, seinen Text zu segmentieren. Wie haben die das früher gemacht, ohne Winword oder überhaupt einem PC? Relativ simpel. Schreibmaschine: Du schreibst Deinen Text, nennst ihn Kapitel „Mein erstes Kapitel“. Dann nimmst Du ein leeres Blatt, schreibst „Mein erstes Kapitel“ drauf und benutzt es zusammengefaltet als Umschlag für die dreißig oder vierzig Seiten dieses Kapitels. Da der Zettel weitgehend leer ist, schreibst Du halt dann drauf, welche Schlüsselszenen drin vorkommen, welche Personen, was die Personen tun. Du kannst notieren, ob im Kapitel Fährten gelegt werden, ob es aktive Vulkane gibt (also Szenen, die die Handlung vorantreiben, oder passive Vulkane, die das Setting umschreiben und grundlegende Stimmungen erzeugen. Auf so einem Schmierzettel ist Platz, ehrlich.

Aber wir haben ja Computer, und am Wichtigsten bei der Administration der Schriftstellerei erscheint mir: Keep it stupid, simple! Lass das Blatt luftig sein: Dreißig Zeilen und sechzig Zeichen (ink. Leerzeichen) pro Blatt sind genug. Linksbündig, Flattersatz, einfach unterstrichene Kapitelbezeichnung. Auch wenn Programme wie WinWord oder Papyrus dazu verführen, weil sie so viel können: Was zählt, sind die Basics, die ein komfortables Arbeiten ermöglichen.

Funktionen

Was kann WinWord alles, was ich als Schriftsteller brauchen kann? Eigentlich fast alles:

  • Text aufnehmen
  • Text verwalten
  • Text formatieren
  • Korrigieren (Die neue Editor Funktion ist ziemlich sehr gut)
  • Markieren
  • Kommentieren
  • Strukturieren

Was Winword nicht beherrscht und dafür pipifein in Papyrus Autor gelöst ist, das ist die Verlinkung von Text zur Datenbank. Hier kann man Personen- oder Ortsnamen mit einem Eintragt in der Personen- oder Orte Datenbank verknüpfen. Heißt: Hast Du einen Charakter namens Peter in Deinem Roman, und Du schreibst den Namen im Manuskript, wird aus dem Wort ein Link, weil Papyrus intern einen entsprechenden Eintrag in der Datenbank gefunden hat. Hoverst Du nun über den Namen, geht ein Overlay auf und Du kannst eine Zusammenfassung des Charakters plus Foto sehen. Das tanzt Papyrus keiner nach. Derselbe Schmäh funktioniert auch bei Ortsnamen. Hast Du in der Datenbank Informationen über den Ort angelegt, wird der Ortsname zum Link und zack die Bohne, geht beim Drüberhovern ein Overlay auf.

Das ist an und für sich schon ziemlich geil, zwingt mich aber nicht, Papyrus zu verwenden, vor allem wenn man berücksichtigt, dass ich bis auf wenige Ausnahmen nur Romane schreibe, in denen es um wenige Menschen geht. ich bin nicht so der Epenschreiber, der zweihundert Charaktere verwalten muss plus riesige Landkarten einer erfundenen Welt.

Ich habe in den Entwicklerforen von Microsoft 365 schon öfter angeregt, einen engere Verzahnung zwischen WinWord oder Excel und OneNote einzubauen, so dass man beispielsweise in Kommentaren in WinWord auf eine bestimmte Seite in OneNote verlinken könnte – aber irgendwie stellen die sich stumm und taub. Wurscht.

WinWord zu nutzen, hat für mich auch etwas mit Ästhetik zu tun. Mir gefällt das flache, nüchterne Design sehr gut – irgendwie kommt mir vor, ich habe in WinWord mehr Raum, um zu schreiben. Okay, ich bin schon ein ziemlich eigener Typ …