Farbspiele

Vorwort

Man muss bei mir nicht lange nachforschen und nachdenken, in welche Richtung ich politisch tendiere, aber für alle, denen man das nicht deutlich genug machen kann: Ich bin linkskonservativ. Ha. Schon mal gehört? Also gut. Ich komme aus einer katholischen Familie, in der nicht der Katechismus an oberster Stelle steht, sondern die gesellschaftlichen Werte des „guten“ Christentums. Ich bin mit den Werten aufgewachsen, die man nicht nur den christlichen, sondern auch den anderen abrahamitischen Religionen zuschreibt, und die unterschiedlich formuliert sind: Treue, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gastfreundschaft, Mildtätigkeit. Das, was man an mir linksliberal bezeichnen könnte, beruht auf einer durch und durch christlich.traditionellen Erziehung. Jesus war ein Linker, und wer heute das Christentum heranzieht, um rechtsnationale Werte zu verteidigen, finde ich, würde auch seine Mutter verkaufen, wenn es der Ideologie gefiele.

Achterbahn in Österreich

Als Linkskonservativer bin ich ein erklärter Gegner dieser Regierung, weil sie alles verhöhnt, was mir als Bürger und Mensch wertvoll und richtig erscheint: Diskretion, Ordnung, Seriosität, Weisheit, Voraussicht … all das ist den Leuten um Sebastian Kurz beim Arsch egal. Mildernd kann ich nur anführen, dass wir nach dem 2. Weltkrieg, aber spätestens nach Kreisky, fast nur noch Schönwetterpolitiker hatten. Die eingeschworene Riege um Kurz ist quasi die Slimfitversion des Schönwetterpolitikers, der, braungebrannt und klimatisiert, dem Typus des unendlich arroganten, mercedesschlüsselschwingenden Angebers entspricht, die ich schon als Jugendlicher zutiefst verachtete; diese Typen, die bei den ersten warmen Frühlingstagen in den Gastgärten der In-Lokale im 1. Bezirk sitzen und gleichzeitig billig und auftoupiert wirken, obwohl sie teuer und mysteriös wirken möchten und immer ganz auffällig zu ihren Autos rüberschauen – ob sie eh noch da sind. Und diese Schönwetterpolitiker, egal welcher Partei sie angehören, sie alle sähen in einer Regierung blass aus, wenn sie von einer solchen Epidemie überrollt würden.

Und über die Politik reden ja nicht nur Politiker sondern auch die Bürger und die Journalisten. Da auch die linksliberalen Grünen in der Regierung sind und unser UHBP Alexander van der Bellen ein ehemaliger Grüner ist, wird oft die Frage laut gestellt: „Was sagt denn der Herr Bundespräsident dazu, hä?“ Natürlich ist die Frage rhetorisch. Sie dient nur als Vehikel, um nicht nur die Regierung zu kritisieren, sondern auch dazu, den Bundespräsident die Frisur zu zerzausen. Und damit komme ich zu den Farbspielen.

Was tun?

Ja eben. Was? UHBP könnte die Regierung abberufen. Um damit was zu erreichen? Eine Übergangsregierung könnte die Verwaltung Österreichs übernehmen, das hat schon einmal sehr gut geklappt. Und was dann? Dann kommen Neuwahlen und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Chancen sehr gut stehen, dass Sebastian Kurz samt seiner neuen Volkspartei erneut als stärkste Partei aus der Wahl hervorgehen. Ja und was dann? Folgerichtig wäre, dass UHBP Kurz mit der Regierungsbildung betraut. Dann würde ein Aufschrei durch halb Österreich gehen: „Deswegen sind wir wählen gegangen?!“ Betraut er jemand anderen, wie zum Beispiel Pamela Rendi-Wagner, geht ein Aufschrei durch die andere Hälfte: „Wir habens ja gewusst! Der hebt die linke Aushilfsärztin an die Spitze! SKANDAL!“ Eine Regierungskonstellation ohne der neuen Volkspartei wird es nicht spielen. Eine Neuauflage von Türkis-Blau? Wird wegen der Positionierung der FPÖ bezüglich Corona und EU gar nicht gehen. Mit den Türkis-Rot? Wenn die Roten einen Funken Anstand haben, würden sie ein solches Ansinnen von Kurz schallend lachend ausschlagen. Nochmal Türkis-Grün? Sorry, wie grausam kann man jemand ficken, bis er aufgibt? Ein Lösungsansatz wäre eine innere Revolution in der ÖVP, die Sebastian Kurz und seine Buben ins Ausgedinge schicken und die Spitze der Partei pragmatisch und österreichorientiert aufstellen. Dann wäre auch eine Annäherung mit der SPÖ möglich. Was wäre mit Rot-Blau? Würde sich wahlarithmetisch nicht ausgehen. SPÖ-FPÖ-NEOS? Das geht ideologisch nicht zusammen.

Was also soll UHBP tun, außer wütend zu schweigen? Abberufen kann er die Regierung nicht, weil es keine Alternative gäbe außer einer dauerhaften Übergangsregierung. Und das Gewissen der Nation kann er auch nicht geben und sie ermahnen. Die Türkisen schütteln sich ab wie nasse Hunde und machen weiter wie gehabt, und Österreich denkt bitter: „Ned Du Du sagen, Du Grüßaugust! Hau sie raus!“ Womit wir wieder bei Problem Nummer 1 angekommen sind: Was käme nach? Und würden wir das wollen, was da nach käme?

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