Paradigmenwechsel

(…) the world’s finest word processor, a Waterman cartridge fountain pen … put me in touch with the language as I haven’t been in years.

Stephen King

Da gibt es diesen Lars Bobach, ein sehr umtriebiger, stets neugieriger und Neuem sehr aufgeschlossener Unternehmensberater. Er hat eine sehr informative Website im Internet und die kann ich ruhigen Gewissens jedem empfehlen, der sich für Selbstmanagement, Projektmanagement udgm interessiert.

Ich habe die Seite von Lars früher oft besucht, weil er auch immer über Apps und Tools schrieb, mit denen man sich selbst managen kann. Mir kommt vor, dass dieses „sich selbst managen“ oder diese Selbstoptimierung besonders in Kreisen von One Man Companies interessant ist. Kleine Startups, freie Berater, aber eben auch für Leute wie mich, die mit einem Arsch auf zwei Kirtägen tanzen: Einerseits Prozess Experte in einem sehr großen IT Unternehmen in Wien, andererseits Schriftsteller und Herumtreiber – in beliebiger Reihenfolge. Während ich im Unternehmen zB OneNote verwende, um mir Notizen in gewisse Themensilos zu kippen, verwende ich zu Hause lieber Evernote. Früher benutzte ich alle möglichen Arten von To-Do-List Managern. Angefangen hat der ganze Spaß mit Wunderlist, dann nutzte ich Google Tasks, Todoist, TickTick, Trello, AnyDo und wie sie alle heißen.

Zumindest was dieses Thema angeht, sind Lars Bobach und ich wie Schiffe, die sich in der Nacht begegnen. Selten, aber doch. Und Lars, der immer wieder mal was Neues probiert und darüber berichtet, unternahm nun einen Selbsttest. Er hat Ryder Carrols Buch über Bullet Journal gelesen und sich gedacht: Na das mach ich doch mal, so für Spaß! Nein, so wird er sich das nicht gesagt haben, aber die Gründe, die er dafür angibt, kommen mir seltsam vertraut vor: All die Tools lassen die Grenzen zwischen dem, was dringend ist und dem, was wichtig ist, verschwimmen. Die Listen werden länger und länger, das pöbelhafte Dringende drängt sich vor, nimmt breitbeinig Platz ein und spuckt einem die Timeline voll. Zwischen den Zeilen lese ich auf Lars Bobach Seite zum Experiment auch, dass sich bei ihm eine gewisse Ermüdung einstellt, dauernd durch die Verwendung der Selbstoptimierungsapps zur Selbstoptimierung getrieben zu werden.

Tatsächlich vermitteln all diese Apps mit der Zeit das Gefühl, man beschäftigt sich mit ihnen nicht, weil sie wirklich etwas bringen, sondern weil es professionell wirkt und fancy, sie zu benutzen. Ich meine, wie viel Selbstoptimierung braucht der Mensch, wie viel Selbstmanagement hält er aus? Und, ganz wichtig: Wie viel Zeit frisst die Selbstoptimierung, das Selbstmanagement pro Tag? Zeit, in der man einfach nur beschäftigt ist, aber nicht effizient? Ich habe ganz bewusst nicht das Wort „produktiv“ verwendet. Produktiv kann auch jemand sein, der pro Tag tausend Luftballons aufbläst.

Ja, und so kommts, dass der Guru der Optimierungsapps einen Schwenk Richtung Offline macht und seinen Tag und seine Produktivität mit einem Bulletjournal managt.

Bei mir zeichnet sich ab, dass ich im Unternehmen weiterhin auf OneNote setzen werde, vor allem, weil das am besten mit all den anderen Microsoft 365 Apps verzahnt ist, und weil es sich nun mal als Unternehmenstool anbietet. Privat beginne ich immer mehr daran zu zweifeln, ob ich mir etwas Gutes tue, wenn ich diese oder jene Apps verwende. Unlängst, beim Grübeln & Sinnieren habe ich bemerkt, dass ich Todoist nur noch auf dem Handy habe, um die Einkaufsliste reinzudaddeln. Ihr kennt meinen Mann Richard nicht. Wenn ich da etwas beim Hofer vergesse, haben wir zu Hause Achterbahn! Also! Nicht kichern!

Todoist habe ich nun gelöscht und verwende nur noch die Erinnerungen Funktion vom iPhone, um Tageswichtiges zu notieren. Bulletjournal habe ich versucht, dazu fehlt mir jedoch die nötige Disziplin, um dranzubleiben. Deshalb führe ich gleich zwei Notizbücher (Achtung Werbung: Beechmore Books), in denen ich jedoch (fast) nicht plane, sondern rekapituliere, meine Rapports an mich selbst, Peters Reflexionen, quasi … Das bedeutet auch, dass ich über kurz oder lang auch auf Evernote verzichten werde – vor allem, wenn sich mir nicht mehr entschließt, wozu ich es wirklich brauche.

Diesen Schwenk hin zum Analogen nehme ich in letzter Zeit häufiger wahr und ich vermute, dass dies mit einer Übersättigung zu tun hat, mit einem Völlegefühl allem Digitalen gegenüber. Mit der Hand auf Papier schreiben ist sinnlicher, echter und direkter. Es ist intimer, umfassender und vermutlich auch ehrlicher. Und – last but not least – ist es auch eine Haltung, eine sichtbar gemachte Abkehr vom digitalen Schein. Das ist bestimmt nicht weltumfassend und mystisch oder was weiß ich – aber es ist, es findet statt.

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Arbeitswelten

In Socken

Besonders seitdem ich mich mit dem Unternehmen NotionHQ befasst habe, geht mir auch immer wieder durch den Kopf, wie sich die Arbeitswelt ändert. Die jungen Leute in diesem Startup ziehen sich die Schuhe aus und arbeiten in Socken. Ich meine, das ist positiv. Geht zwar nicht überall und in allen Unternehmen, aber in modernen Startups, wo das Durchschnittsalter der Mitarbeiter*innen bei 25 Jahren liegt, ist das durchaus opportun. Ich finde das totschick! Die machen dort sogar Bunte Socken Wettbewerbe und ziehen nebenbei ein Unternehmen hoch, das inzwischen 800 Millionen Dollar wert ist. Geht doch!

Gut, wir haben jetzt Krise und alles, und wer von zu Hause aus arbeiten kann, soll das bitte auch tun. Für viele Chefs kleinerer Betriebe oder überschaubarer Abteilungen, die gerne Kontrolle ausüben und misstrauisch sind, ist es schwer, hier den nötigen Freiraum einzuräumen: Da hab ich sie ja nicht unter Kontrolle, dann machen sie, was sie wollen, dann machen die gar nichts, machen die, bügeln die Wäsche und spielen mit den Kindern oder sitzen schon zu Mittag besoffen am Balkon! Herrgott, wir werden alle sterben!

Der alte Schlag

Es sind diese Vorgesetzten des alten Schlags, die in modernen Unternehmen nicht den Funken einer Chance auf Einstellung hätten, die in der modernen Arbeitswelt die nötigen Anpassungen verhindern, verzögern und blockieren. Nicht, weil es ihre wirkliche Überzeugung ist, dass Änderungen am Konzept Arbeit zum Schaden des Unternehmens sind, sondern weil sie dadurch an Macht, Kontrolle und Einfluss verlieren. Und das können die ja nun mal gar nicht leiden, die schon oberlehrerhaft über den Rand der Brille blicken, wenn ein Mitarbeiter mal eine Minute früher geht. Auch die bestens vernetzten Obersekretärinnen, die unter dem Radar des Direktors ein Terror-Regime führen, das aus Abhängigkeiten und Gefälligkeiten besteht, aus Mobbing und Bullying, können die neue Selbstverantwortung der Mitarbeiter gar nicht ausstehen.

Das sind die Dinosaurier unserer Zeit, und die aktuelle Epidemie ist der Meteor, der für ihre Ausrottung sorgen wird.

Am Campus

Auch die Campusmentalität von Facebook, Microsoft, Google und wie sie alle heißen, hat im Grunde genommen ausgespielt. Sie wissen es nur noch nicht. Die Gründe sind dieselben: Mehr Homework, mehr Vertrauen, mehr Eigenverantwortung, eine Neuausrichtung der Firmenphilosophie, flache Hierarchien, der First Line Manager agiert auf Augenhöhe.

Da flossen gewaltige Vermögen in die Errichtung von Firmencampusse, und die stehen jetzt halb leer. Die Idee war ja nicht schlecht: Man baut einen Campus, wo nicht nur gearbeitet wird, sondern wo man auch Freizeit verbringen kann, einkaufen, Wellness, klapp und zu ist die Kannenpflanze. Es gibt keinen Grund mehr, nach Hause gehen zu wollen, man hat ja alles am Campus. Man kann unterm Sonnenschirm im Park arbeiten, man kann mit dem Laptop im Spielzimmer programmieren, man kann sich zwischendurch massieren lassen, einkaufen und lässig plaudern. Wozu noch nach Hause gehen? Und wer es doch tut – na, passt so jemand zu uns?

Dropbox macht es vor und der CEO Drew Houston bespricht sehr klug die Umgestaltung von Büroräumen in Studios:

Dropbox’s offices are turning into „Dropbox Studios,“ places people can go to meet or collaborate or just hang out with their colleagues (but most work will get done at home). This is a big change for Dropbox, which has had some of Silicon Valley’s coolest offices — complete with in-house karaoke bar, garden roof and screening room — and has long believed that workplaces should be somewhere people feel at home. There will be fewer individual desks and closed offices, and more conference rooms and group-hang spots. (And probably still an in-house karaoke bar.)

Menschen, für die Arbeit etwas war oder ist, zu dem man genötigt wird, das man zum Leben braucht aber das nicht wirklich zum Leben gehört, Menschen, die von „ehrlicher Arbeit“, von „Plackerei“ sprechen, die Anwesenheit mit Produktivität verwechseln, für die ist das alles nichts. Das kommt ihnen komisch vor.

Was nicht zuletzt am Bild liegt, dass wir uns von Arbeit machen: Arbeit macht keinen Spaß, muss sein, ist anstrengend, man muss sich unterordnen oder andere unterordnen, es hat was von Drill und Militär und von Pflichterfüllung. Man geht von zu Hause weg und ist nicht mehr Paul, der Hobbygärtner und Ehemann, sondern Herr Paul, der im Großraumbüro am Tisch 77 sitzt und nur dann aufs Klo geht, wenn er es nicht mehr aushält, weil die Chefsekretärin … strenger Blick, Ihr wisst, was ich meine.

Nur wer sich plagt und schuftet, bekommt Anerkennung, unabhängig davon, wie produktiv und effizient der Arbeitseinsatz ist. Ein ehrlicher Hackler ist heute noch immer mehr wert als ein hocheffizienter Arbeiter. Die Schere muss klappern und die Säge muss heulen, man muss am Platz sein und gesehen werden.

Home Work

Weil, zu Hause arbeiten, das ist kein Arbeiten. Da sitzt man ja nur vor dem PC, hört Radio, trinkt Kaffee. Ja, da habens die aber mal schön gemütlich, nicht? Die verstehen ja alle nichts mehr von harter, ehrlicher Arbeit, und wie wir uns damals den Arsch aufgerissen haben und geschöpft haben für die Familie und die Enkelkinder … Die wollen es alle nur noch schön gemütlich haben, daheim im Warmen sitzen, nicht?

Gegen diese und Millionen weiterer Vorurteile muss es sich nun durchsetzen, dass es viele, sehr viele Jobs gibt, die man von zu Hause aus erledigen könnte, wenn man die Leute nur ließe und wenn es sich auch gesellschaftlich verankert, dass Heimarbeit mehr ist als Herumwurschteln und Jogginghosetragen.

Was es braucht, ist einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft, wie Arbeit definiert wird, auch in Hinblick auf neue Berufe, besonders im Bereich der erneuerbaren Energie – der Paradigmenwechsel bezieht sich dann nicht nur auf das, was wir Arbeit nennen und wie wir es werten, sondern auch darauf, wie wir ganz allgemein mit Änderungen umgehen.

Denn Heimarbeit ist noch kein Schritt zur neuen Arbeitswelt, wenn der Chef in Ermangelung der persönlichen Kontrollmöglichkeiten, seine Mitarbeiter neun Stunden am Tag über Microsoft Teams oder Zoom überwacht.

Homework bedeutet auch nicht, die eingesparte Fahrzeit in Arbeitszeit umzudeuten. Es bedeutet auch nicht, noch um 21:00 Uhr für den Chef erreichbar zu sein, der nur noch schnell eine Tabellenauswertung braucht.

Es bedeutet, dass das Abdrehen der Apps, mit denen man arbeitet, einem Nachhausegehen gleich kommt.

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Tools & Gurus & Evangelists

Seitdem ich mich mit digitaler Kommunikation befasse, und das ist ja nun doch schon eine ganze Weile, interessiere ich mich auch für alle Arten von nützlicher Software und deren Anwendung. In den Anfangszeiten ging es um (illegales, weil nicht lizenziert erworbenes) Sammeln von Software. Wir nannten das im Helpdesk des Providers, für den ich arbeitete: Ich mach ein Backup vom Internet. Haha. Wenn wir nichts oder nur wenig zu tun hatten, ließen wir die Leitungen glühen und brannten auf DVD, was wir in die Finger bekamen. Ganze Mappen voll mit CDROMs und DVDs. Später kam echtes Interesse dazu, nicht zuletzt, weil einen die Leute alles mögliche und unmögliche Fragen, wenn sie mal spitzgekriegt hatten, dass man einer von diesen IT-Fuzzis ist. Mit steigendem Einkommen und Weiterbildung ließ mein Interesse am Sammeln von Software genauso stark nach wie meine Bereitschaft, bei jedem, der mich anruft, anzutanzen, um Windows neu aufzusetzen, Backups zurückzuspielen und was weiß ich noch alles für IT-Seelsorge zu betreiben. Jedenfalls besteht die Gefahr, in die Kannenpflanze zu geraten, nämlich sich selbst für einen Guru zu halten, weil man unter denen, die gar nichts wissen, der ist, der ein bißchen was weiß und deshalb eitel ist wie der Einäugige unter Blinden. Und je teurer, und beliebter eine Software war, desto höher stand man als der im Kurs, der das Paket plus Key hat. Ganz hoch im Kurs standen damals, bevor die Abonementlösungen erdacht wurden: Windows OS, Windows Server, Adobe Photoshop, Papyrus Autor (das meines Wissens nach nie gehackt wurde, weil einfach zu kompliziert), Adobe Acrobat. Ja und das Zeugs sammelte man halt auf der Festplatte und hatte es da und kam sich gut vor, ohne es wirklich zu nutzen. Wir waren Evangelisten des Habens, nicht des Sinns. Dieses bloße Besitzdenken wurde langweilig, weil man keinen Nutzen daraus ziehen konnte. Gut, manche versuchten so, Geld zu verdienen, aber das roch mir einfach zu unredlich. Klauen und verkaufen? Ne, kein Interesse.

Irgendwann verschwanden diese Produkte von meinen Festplatten und seitdem die großen Hersteller auf Abo-Modelle umgestellt haben, ist das Herumstöbern in Tausch- und Warezboards eh passé. Dafür wurde ich umso gründlicher beim Recherchieren, wenn ich mir etwas Neues zulegen wollte.

Als das mit den Warez vorbei war

Heute lese ich gerne Produktvergleiche auf diversen Plattformen, vor allem, wenn sie als gute Userstories präsentiert werden. Und als Schriftsteller habe ich meinen Fokus natürlich auf all das scharf gestellt, was mich bei meiner Arbeit unterstützt. Und natürlich habe ich so vieles ausprobiert, manches länger genutzt und anderes sehr schnell verworfen. Was mich jedoch seit rund zehn Jahren begleitet, ist Evernote. Zuvor nutzte ich jahrelang CueCards, das aber leider nicht mehr weiterentwickelt wird, seit Jesus über das Wasser ging. Als ich noch beim Internetprovider Nextra arbeitete, nutzte ich das Tool als Wissensdatenbank. Recht ausgiebig, wenn ich mich recht entsinne. Ja dann trat Evernote in mein Leben und seither hatten der grüne Elefant und ich eine on-off Beziehung. Und gerade dieses On-Off führte dazu, dass ich wieder Produktvergleiche schmökerte, weil ich nun doch schwanke zwischen NotionHQ und Evernote. Nachdem ich einige Berichte gelesen hatte, die zugunsten NotionHQ ausgingen (über das ich nicht viel Schlechtes sagen kann, außer, dass das Ding eine Kannenpflanze ist, die einen dazu verführt, sich mit Notion mehr zu befassen als mit dem, wofür man es eigentlich nutzen will …), kam mir der Gedanke, dass es viel zu oft darum zu gehen scheint, welches Tool mächtiger ist als andere, welches mehr kann. Und nicht darum, welches Tool für welche Zwecke besser taugt.

Notizen. Immer Notizen

Beispielsweise Evernote und Notion: Notion ist im Sinne der Anwendungdvielfalt mächtiger als Evernote. Andererseits ist Evernote unschlagbar dabei, mich als User beim Verfassen von Notizen zu unterstützen, Dokumente einzuscannen, Webinhalte einzufangen. Dazu kommt, dass Evernote in der Version 10, die jetzt im Oktober herauskam, einen wesentlich besseren Texteditor hat. Andererseits kostet Evernote auch nicht gerade wenig in der Premiumversion. Was mir bei all diesen Produktwerbeseiten fehlt oder zu wenig behandelt wird, ist, dass ein Tool in seiner Nützlichkeit auch davon abhängig ist, wie sehr man es sich als Nutzer zueigen macht. Statt also zu wechseln, nur weil auf der anderen Straßenseite etwas besonders hell und schön blinkt, sollte man versuchen, sich zueigen zu machen, was man schon hat, um den größten Nutzen daraus zu ziehen. Ich bin also von NotionHQ zurück zu Evernote, um dem neuen Client und dem neuen Backend eine Chance zu geben, und weil es mir einfach vertraut ist. Und aus noch einem Grund. Bei Notion, das einerseits webbasierend ist und die Clientsoftware nicht mehr zu sein scheint als ein Webapplication Framework. Das gab mir nie das Gefühl, dass meine Daten auch wirklich meine Daten sind. Ich meine; meins ist, was ich auf meiner Festplatte habe. Da ist Evernote schon näher dran, in dem es meine Daten auch lokal in Datenbanken ablegt. Was mir persönlich ja taugen würde, wäre, wenn man Evernote oder ein entsprechendes Notizentool nicht über deren Infrastruktur synchronisieren müsste, sondern die Möglichkeit hätte, das ganze über ein Dropbox- oder Box-Verzeichnis zu spielen. Andererseits sagen die Freunde von Evernote, sie hätten auch das Backend komplett überarbeitet, also schau mich mir mal die Architektur genauer an, bevor ich maunze.

Aktuell schaut meine Schreibumgebung so aus

Papyrus Autor, Evernote, Office 365, DropboxAls Browser den Safari auf dem Mac und den Edge Chromium auf Windows. Ja und aus

Update

Wenn ich mir das so ansehe, bin ich wirklich genügsam geworden.

Workspaces, nächstes Kapitel

Es scheint mir ein perverses Vergnügen zu bereiten, mir meine eigene Faulheit und mein „Arbeit vor mich herschieben“ als Administration schönzureden. Ja, man kann es Administration nennen, wenn man das Erstellen von Workspaces und Evaluieren neuer Tools vor die eigentliche Arbeit stellt. Was ich damit meine, lässt sich am besten in den begeisterten Sätzen zusammenfassen, die man von den Usern von NotionHQ zum Beispiel auf Reddit lesen kann. Zusammengefasst lässt sich die Begeisterung so in Worte fassen:

  • In NotionHQ bilde ich mein ganzes Leben ab!
  • Schaut mal, das ist meine Homepage, die ich in NotionHQ erstellt habe

Die Leute sagen dann auch, sie würden pro Tag in etwa eine bis zwei Stunden dafür aufwenden, ihr Leben zu administrieren. Da läuft irgendetwas falsch, würde ich meinen. Diese Tools sollen doch bitte unseren Alltag erleichtern und uns Platz und Zeit freischaufeln und nicht um ihrer Selbst Willen benutzt werden – oder habe ich etwas falsch verstanden?
Okay, ich brauche nicht den Heiligen zu geben: Ich bin auch nur ein ganz gewöhnlicher Sünder und habe viele verregnete Nachmittage damit verbracht, mir neue Produktivitätstools anzuschauen und habe dabei versucht, mir vorzustellen, wie diese Apps in mein Leben passen, in meine Routinen, und ob diese Tools etwas verbessern, sich nahtlos integrieren oder ob sie mir eher schaden als nützen.
Im Grunde genommen sind meine Ansprüche pflegeleicht. Die Apps müssen schnell, leicht zu bedienen und auf Nützlichkeit getrimmt sein. Was brauche ich also?

  • Eine Cloud um meine Dokumente zu speichern und von überall her zugreifen zu können. Das ganze möglichst sicher bitte
  • Ein Notizbuch, auf das ich über unterschiedliche Geräte zugreifen kann.
  • Ein Schreibprogramm, mit dem ich meine Romane schreibe
  • Ein Text-Tool, mit dem ich schnelle Entwürfe schreibe.
  • Mail, Kalender, Kontakte

Und das wars.

Mein Setup sieht derweil so aus (und ist in der Zusammenstellung ziemlich stabil)

  • Domainhosting bei one.com
  • Website bei one.com WordPress Hosting
  • Mail, Kalender, Kontakte mit Domainzeiger auf Google Workspace
  • Als Cloud Dropbox
  • Das Schreibprogramm ist seit ziemlich langer Zeit Papyrus Autor – da steht aber auch kein Wechsel an. Das ist einfach zu gut
  • Als Text-Tool den unschlagbaren iA-Writer
  • Microsoft Office 365 für Korrespondenz, da bin ich aber nicht sicher, ob ich das Abonnement verlängern werde, da ich den Großteil der Suite nicht benötige
  • NotionHQ als Notizbuch für fast eh alles, wobei ich darauf achte, den süßlichen Gesängen dieser Produktivitätssuite nicht auf den Leim zu gehen. Hier arbeite ich gerne nach dem K.I.S.S. Prinzip: Keep It Stupid Simple.
  • Aufgabenplanung erledige ich mit any.do. Bis vor Kurzem nutzte ich Todoist, das sehr gut ist, aber für meine Anforderungen einfach too much.

Am besten scheinen mir die Tools, die einem am wenigsten im Weg sind. Die Liste oben sieht umfangreicher aus, als sie dann in meinem Leben wirklich genutzt wird. Ich hätte schon gerne die eierlegende Wollmilchsau, aber andererseits auch nicht. Warum? Die eierlegende Wollmilchsau wäre auch ein Single Point of Failure. Cloudservices haben die ungute Eigenschaft, manchmal ihre Konfiguration zu ändern, die AGBs, aus frei verfügbaren Tools werden zahlungspflichtige Tools, und manchmal verschwinden sie ganz einfach aus dem Web und man muss sich nach etwas Neuem umsehen.

Also was tun?

Aufsplittern auf mehrere unterschiedliche Services ist eine Möglichkeit. Zu hinterfragen, ob man den ganzen Scheiß wirklich braucht, eine andere. Auf jeden Fall darauf achten, dass man komplette Backups ziehen kann um im Bedarfsfall mit seinem Onlineleben zu übersiedeln.

Um ehrlich zu sein: Viele Apps benutze ich nur, weil es Spaß macht, sie zu benutzen, wie zum Beispiel any.do. Ich meine, wozu brauche ich ein Tool für Tasklisten? Termine kommen in den Kalender, und wegen der Einkaufsliste eine App zu installieren und zu nutzen, ist schon ein wenig gaga.
Gut, andererseits halte ich mich aus den Sozialen Medien weitgehend fern und habe nur einen IG-Account, der auf privat gestellt ist. Wenn ich also am Smartphone oder am Mac Zeit verscheiße, kann ich mir immer nicht einreden, ich sei doch irgendwie produktiv. Ich bin ganz gut darim, mich selbst zu bescheißen.

Andere Ideen

Eine andere Idee wäre, meinen Workspace anders zu zurren: In erster Linie verwende ich Google Workspace wegen Google Mail und dem Google Kalender, die beide für mich zu den besten WebApps gehören – ever. One.com brauche ich wegen der Domain und wegen WordPress; darauf läuft diese Homepage. Es ist, wie man früher so schön sagte, richtig einegschissen.
Und ich will mir das Prädikat Digitaler Minimalist umhängen? Geh bitte Oida!
Aber mal ehrlich, es hätte schon seinen Reiz, auf den ganzen Krempel zu verzichten, denn der Aufwand lohnt sich nicht. Nicht, wenn man kein zwanzigjähriger Schönling ist, der auf Instagram 100.000 lechzende Follower hat. Wieviele Leute lesen hier mit? 2 oder 3 im Monat?
Irgendwie halte ich das alles nur am Leben, so lange ich noch Bücher veröffentliche; ein wenig präsent zu sein, das gehört sich halt.
Würden nicht einfach ein paar Moleskines genügen? Notizbücher und eine schöne Füllfeder? Ich könnte damit leben, ja. Aber was mache ich dann mit der Zeit zwischen zwei Schreibschüben, wenn draußen der Herbstwind pfeift und das Laub aus den Bäumen holt?
Hm?
Kann mir das wer sagen?

Ja eh. Mehr lesen wäre ne Idee. Ziemlich viel mehr lesen. Die Backlist ist lang.