Bilder die wir nicht geschossen haben

Havanna im Wolkenbruch
Ein Mann auf der Straße
mit bloßem Oberkörper
wäscht sich im Regen den Kopf
Unter dem Wasserstrahl einer Regenrinne

Ein kleines Mädchen
mit orangenem Kleid
tanzt mit den Regentropfen
drei Jungs jagen sich
lachend über die Straße

Im Cafe Floridita
erwacht die Bronzestatue
von Ernest Hemingway
und prostet mir zu

Fotogene Jungs lächeln
sepiafarben in den Tag und
ziehen für niemand im speziellen
die T-Shirts hoch

Ein bartflaumiger Polizist bohrt
in der Nase und starrt Che Guevara an
Fidel erwartet die Heimat oder den Tod
und fand beides

Die Wolken ziehen weiter
der Regen darunter
wie ein nasses Kleid

Was ich sehe

Eine mechanische Spieluhr, rostig auf Wüstensand
Ein glitzernder Tropfen auf sonnenmüden Wimpern
schweißnasse Pferde unter einem titanischen Himmel
eine betende Frau und einen unrasierten Mann

Eine tote Katze mit staubigen Augen
aus deren Bauch eine Ratte kriecht
zwei schwarze Jungs, die es in der Morgenbrandung treiben

Die Spieluhr kratzt und spielt
alte Augen suchen die Weite ab
die Zeit flimmert, wo die Wüste endet
und das Meer beginnt

Ein Junge schleppt Seile
zusammengerollt den Bootssteg entlang
Wellen schlagen müde die Boote
Sand weht über einen Steinweg
die Wellen sind weiß und zerschlagen die Zeit

In meinem alten Moleskine von 2011 gefunden, geschrieben am 1.7.2011 in Havanna.

Moleskine 2011
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Notizen – offline oder online?

In meinem ewigen Hin & Her in Sachen Notizen habe ich kürzlich wieder die Marke Fieldnotes entdeckt, die in den USA produziert wird. Soweit sich mir die Geschichte des Unternehmens offenbart hat, produzieren die seit Jesus über das Wasser ging, kleine, für die Hosentasche geeignete Notizhefte, die als Werbegeschenke von Handelsvertretern an kleine Unternehmen verteilt wurden. Und weil oft Farmer die Empfänger dieser Notizbücher waren, die diese dann nutzten, um bei der Feldarbeit Notizen zu machen, entstand der Brand Fieldnotes.

Auf der Suche nach einem Händler, der die Notizbücher in Europa vertreibt, stolperte ich dann vorgestern über Heldbergs, die ich am liebsten leer kaufen würde. Wie dem auch immer sei, mit dem „Brand-Feeling“ von Fieldnotes kam ich abermals auf das Thema, ob ich meine Notizen nun offline oder online haben möchte und warum und wieso und überhaupt.

Ein denkbar einfacher Ansatz wäre: Alles, was privat ist, bleibt privat und kommt ausschließlich in Notizbücher aus Papier. Und das kommt in die Lade und geht nur mich was an. Alle Notizen, die ich später für eine Veröffentlichung brauche (Blogbeiträge, Recherchen für Blogbeiträge oder für Literaturprojekte) kann ich in Evernote ablegen. Evernote ist eh ein Allesfresser also von daher …

Früher habe ich gerne für Reisen alle möglichen Notizen online gesammelt (hier steht online für alles, was ich über eine App zusammentrage und auf das ich über mehrere Geräte zugreifen kann). Dann denke ich aber wieder: wozu? Die Reiseunterlagen habe ich als PDFs in Dropbox liegen. Was brauche ich noch? Telefonnummer des Vermieters? Kann ins Buch. Ausflugsziele? Kann ins Buch.

Es mag das Alter sein, aber mir wird immer wichtiger, das Gefühl zu haben, dass Notizen immer und ausschließlich rein privater Natur sind. Und dass Notizen, die Online verfügbar sind, nicht das Gefühl vermitteln, wirklich privat zu sein – auch wenn man sich um Datensicherheit bemüht.

Ich hab jetzt über Heldbergs zwei Dreierpacks Fieldnotes bestellt. Bis April werden die ja da sein, hoffe ich :-), denn dann geht es wieder los mit dem Reisen.

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Noch ein Stück

Manchmal ist das Leben wie ein überbelichteter Film, ein alter Film aus einer Lade, ein Film, an den man sich nicht mehr erinnert, bis man ihn einspannt und ansieht.
Manchmal ist das Leben ein Musikstück, das vor Sentiment trieft, aber das ist gut, es klingt nach Sommer in Italien und Milva und nach Ennio Morricone und nach La Califfa, es fühlt sich dann an wie eine Fahrt in einem Cabrio auf der Küstenstraße runter nach Portoroz. Die Sonne im Nacken, die Sonnenbrille auf der Nase, es riecht nach Meer und nach Basilikum und Wein.
Dort könnten wir stehenbleiben und einfach in die Landschaft schauen

ganz viel Landschaft da, sagte Hannes immer, bevor er seine letzte große Reise antrat …

und unsere Rücken durchstrecken. Wir können am Rad der Zeit nicht drehen, nur zusehen, wie es sich dreht, aber auch das ist okay, weißt Du? Es passt, so wie es ist, denn die Jahre haben unseren Geschmack am Leben verfeinert. Das Rohe haben wir hinter uns gelassen, und scheiß der Hund drauf, wenn sich nun etwas italienischer Kitsch aus dem Siebzigern einschleicht. Es ist ja nicht immer so, nicht die ganze Zeit.
Aber für gerade jetzt passts tadellos, findet Du nicht? Also ich finde, Milva klang nie wieder so gut wie auf dem Album, auf dem sie die Filmmusiken von Enno Morricone einsingt.

Wir steigen ein und fahren weiter, über diesen Hügel, an dem Rosenstrauch vorbei, da, links ist das Mittelmeer, die Strecke zwischen Triest und Miramare ist einfach so schön wie ein italienischer Song aus den Siebzigern oder so. Lass uns einfach noch ein Stück weiterfahren, bis zu der Steilküste bei Duino. Die Strada Costiera Triestina. Dort könnten wir eine rauchen, Fotos machen und in die Ewigkeit schauen – was der Tag halt so hergibt.

(Für Michael, meinen Trauzeugen! Bitte hör Dir Milva an, wenn sie Morricone singt!)

Slowenien 2020

Erfreulicherweise für mich als Reisender steht Slowenien nicht im Fokus der Tourismus- und Reiseszene. Im Boulevard taucht dieses Land immer wieder als Transitland auf, durch das man durchfährt, um ins Urlaubsland zu kommen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Slowenien wie ein Puffer zwischen Kroatien und Italien liegt und, dass die Autobahnen sehr gut ausgebaut sind. Es ist eines der waldreichsten Länder der Welt, verfügt über wunderbare Landschaften, setzt stark auf erneuerbare Energien und die größeren Städte wie Koper und Laibach haben eine studentische, junge, künstlerische Szene.

Wenn man also von Österreich aus nach Slowenien auf Urlaub fährt, kann ein zweitägiger Aufenthalt in Laibach nicht schaden. die Stadt ist schön, modern, jugendlich und doch ident: das Alte wird vom Jungen integriert und angenommen. Und die Stadt ist sehr, sehr grün.

Das Land Slowenien hat nur eine sehr kurze Küste von etwa 43km, wovon der Großteil nicht für den Tourismus nutzbar ist. Baden und als Gast wohnen kann man eigentlich nur in Portoroz und Piran, und beide Städte sind für Ballermann- und Sauftourismus nicht geeignet. Das Publikum dort ist vor allem in Portoroz eher mondän, in Piran eher Bohemien.

Hafen von Piran

Allein die Anfahrt über Portoroz nach Koper Richtung Piran ist sensationell und erinnert an alte Filme, die an der Riviera spielen: Portoroz und Piran stehen den mondänen Badeorten in Italien und Frankreich um nichts nach – doch, in einem schon: Im Preis. Slowenien ist preislich erheblich günstiger und setzt verstärkt auf „angenehmen“ Tourismus: Umweltschonend, nicht gröhlend; die lallenden Touristen, die schon Vormittags mit nacktem Oberkörper und einer Dose Bier in der Hand durch das Stadtbild latschen, und denen die Plautze über den Bund der tropfnassen Badeshorts hängt, ist in Piran und Portoroz nicht so heimisch und wenn er sich doch dorthin verirrt, fühlt er sich dort nicht wohl.

Abend in Piran

Falls man sich doch dazu entscheidet, nach Piran auf Urlaub zu fahren, sollte man sich auf ein paar Eigenheiten gefasst machen und sich demenstprechend vorbereiten:

  • Piran kann man nur in Ausnahmefällen und nur gegen Einwurf von Barem befahren. Im Regelfall parkt man seinen Wagen außerhalb Pirans in der Garage von Fornace und nimmt den dort haltenden Gratis-Shuttlebus in die Stadt.
  • Der Shuttlebus fährt quasi alle 15 Minuten hin und her, in Coronazeiten muss man während der Fahrt einen MNS tragen.
  • Verpasst man in Zeiten von Navis die Abfahrt nach Portoroz/Piran, ist man – schwupps – an den Grenze zu Kroatien. Das geht Ratzfatz.
  • Ein Taxi von Piran Takiri-Platz bis Portoroz kostet 10€, bis Fornace 10€
  • Gut essen kann man im 3vdore – Die drei Witwen. Man muss nur die zum Teil verhaltensauffälligen Kellner des Lokals in Kauf nehmen. Der Chef zaubert ein hervorragendes Beef Tartare, und der junge Kellner ist schnell und zuverlässig, die anderen sind eher mau
  • Ganz generell kann man in Piran überall gut essen, natürlich vor allem Meeresgerichte

Für Slowenien würde ich mir wünschen, sie bekämen mehr Tourismus – wenn sie das wollen – weil sie es ehrlich verdient haben, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Für mich wünsche ich mir, es bliebe so, wie es ist. Die Leute sollen durchfahren. Richtung Italien oder Kroatien, und dort an den Küsten Party machen. Dann bleibt dem ruhigen Reisenden ein freundliches und entspanntes Slowenien und eine malerische Küste, die jeden Abend von Gott neu gemalt wird.

Links

https://www.urlaubsguru.at/reisemagazin/urlaub-slowenien/

https://www.slovenia.info/de/aktivitaten/aktivurlaub

https://www.portoroz.si/de/planen-sie-ihren-besuch/gruner-urlaub